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Zehn Jahre alt. Security rund um die Uhr. Welche Zukunftsprognose geben wir diesem Kind?

Auf dem Bild sehen wir einen zehnjährigen Jungen, der neben einer Hündin sitzt und ihn streichelt. Links steht ein Security-Mitarbeiter. Dessen Anwesenheit gehört zu einem Sicherheitsrahmen, der in diesem Fall rund um die Uhr notwendig geworden ist: 24/7.

Diese beiden Seiten gehören zur selben Wirklichkeit. Da ist ein Kind in einem alltäglichen Moment mit einem Tier. Und da ist ein Hilfebedarf, der eine dauerhafte Sicherheitsbegleitung erforderlich macht.

Das Foto zeigt einen Augenblick – die Gründe für diesen außergewöhnlichen Rahmen lassen sich daraus nicht ablesen.

Als Jugendcoach beschäftigt mich nach einem Nachmittag und Abend mit dem Jungen vor allem eine Frage: Welche Zukunft eröffnen wir einem Kind, dessen Alltag mit zehn Jahren bereits unter solchen Bedingungen stattfindet?

Für Kinder wie Chris – seinen Namen habe ich geändert – wird häufig das Wort „Systemsprenger“ verwendet. Ein mächtiges Wort, das schnell alles andere überdeckt. Wer es hört, denkt möglicherweise zuerst an Eskalation, Gefahr und gescheiterte Hilfe. Der junge Mensch dahinter gerät nach vielen Negativerfahrungen und Enttäuschungen unter Umständen aus dem Blick. Dabei lenkt auch die fachliche Auseinandersetzung mit dem Begriff den Blick auf die Grenzen und die Hilflosigkeit der beteiligten Hilfesysteme – ziemlich kontraproduktiv, wie ich finde.

Für mich folgt aus dem heutigen Arbeitstag eine klare Haltung: Wir müssen schwieriges Verhalten ernst nehmen, ohne daraus die gesamte Identität eines Kindes zu formen. Dass Chris nach zahlreichen Versuchen derzeit weder beschult noch im Einzelsetting unterrichtet oder entsprechend gefördert wird, macht mich sprachlos und traurig.

Mein Appell für alle, die im Helferkreis des Jungen mitarbeiten soll lauten: Wir müssen über Schutz sprechen und zugleich darüber, wie Entwicklung unter diesen Bedingungen möglich bleiben kann. Denn ein Zehnjähriger hat seine Zukunft noch vor sich. Welche Erwartungen wir an ihn richten und welche Möglichkeiten wir ihm anbieten, darf sich nicht allein daran orientieren, wie schwierig seine Begleitung gegenwärtig ist.

Wenn Security rund um die Uhr notwendig ist, lässt sich die Situation nicht mit einem wohlmeinenden Appell lösen – das zu denken, wäre naiv. Der Schutz des Kindes, der Mitarbeitenden und anderer Menschen muss selbstverständlich gewährleistet sein. Niemand sollte verlangen, dass pädagogische Fachkräfte Gefährdungen einfach aushalten, weil Beziehungsarbeit angeblich alles auffangen könne.

Gleichzeitig müssen wir fragen, welches pädagogische Ziel innerhalb dieses Sicherheitsrahmens verfolgt wird.

  • Was soll das Kind lernen können?
  • Welche Erfahrungen sollen ihm helfen, seinen Alltag zunehmend anders zu bewältigen?
  • Wie wird überprüft, ob die Begleitung Entwicklung ermöglicht?

Nach 25 Jahren in der ambulanten Jugendhilfe ist für mich entscheidend, dass Sicherheit und pädagogische Arbeit gemeinsam gedacht werden. Ein Schutzrahmen braucht eine klare Richtung. Er muss aber Raum dafür lassen, dass ein Kind Vertrauen entwickeln, Grenzen verstehen, eigene Fähigkeiten entdecken und schrittweise mehr Verantwortung übernehmen kann.

Mein Resume nach 9 Stunden mit Chris – nachdem ich ihn gerade ins Bett gebraucht und ihm der Nachtschicht der Security-Firma übergeben habe: Das Bild mit der Hündin Elli erlaubt keine Aussage darüber, wie sich dieser Junge in anderen Situationen verhält. Es zeigt auch keinen Beweis dafür, dass eine bestimmte Methode wirkt. Es hält einen Moment fest, in dem ein Kind neben einem Tier sitzt und es berührt. Aber auch solche Momente gehören in unseren Blick auf einen jungen Menschen.

Ich möchte, dass wir in der Hilfeplanung ebenso konkret über Entwicklungsmöglichkeiten sprechen wie über Schwierigkeiten:

  • Wo und wie kann dieses Kind etwas lernen?
  • Welche seiner Interessen nutzen wir als Ressourcen?
  • Wann und wie gelingt Zusammenarbeit?

Für mich beginnt die Zukunft von Chris in solchen Fragen. Sie wird greifbar, wenn ein Junge etwas bewältigt, eine Aufgabe übernimmt, einen Konflikt anders lösen lernt oder erlebt, dass seine Sicht gehört wird.

Als Jugendcoach will ich daran mitarbeiten, dass Kinder und Jugendliche mehr erleben als die Verwaltung ihrer Schwierigkeiten. Sie brauchen Möglichkeiten, Fähigkeiten aufzubauen, Zugehörigkeit zu erfahren und einen Platz im Leben zu finden.

Chris hat heute auf einem Gartenfest mit Gleichaltrigen gespielt, er hat jüngeren Kindern geholfen. Er ist am Grill gestanden und hat erlebt, dass er gebraucht wird. Er hat gelacht, wurde zum Abschied umarmt und ist gerade todmüde ins Bettgefallen.

Ich hoffe, er träumt heute Nacht von Elli, die ihm am frühen Nachmittag des 3. Oktobers 2026 die Tür zu einem „ganz normalen“ Samstag geöffnet hatte.


Starke Kinder brauchen Erwachsene, die sie schützen

Heute, am 20. September ist Weltkindertag. Das diesjährige Motto „Starke Kinder, starke Zukunft“ klingt hoffnungsvoll. Doch Stärke darf nicht missverstanden werden: Kinder können und müssen sich nicht allein schützen. Kinderschutz ist die Verantwortung von uns Erwachsenen.

Wir wünschen uns selbstbewusste Kinder. Kinder, die ihre Grenzen kennen, Nein sagen können und sich Hilfe holen, wenn ihnen etwas unangenehm ist. Das ist wichtig – aber es reicht nicht, denn kein Kind ist dafür verantwortlich, einen sexuellen Übergriff zu verhindern. Kein Kind trägt Schuld, wenn es schweigt, erst Jahre später spricht oder sich einem Erwachsenen anvertraut und nicht ernst genommen wird.

Ein Kind kann noch so gut aufgeklärt, selbstbewusst und vermeintlich stark sein: Täterinnen und Täter nutzen Vertrauen, Abhängigkeiten, emotionale Bindungen und Machtunterschiede gezielt aus. Deshalb beginnt wirksamer Kinderschutz nicht beim Verhalten des Kindes. Er beginnt bei uns Erwachsenen.

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Die Zahlen hinterlassen keine Ausreden

Das Bundeskriminalamt registrierte für das Jahr 2025 insgesamt 17.126 Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern. In der Statistik wurden 18.736 Opfererfassungen gezählt – 3,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei handelt es sich nicht zwingend um ebenso viele einzelne Kinder, weil ein Kind bei mehreren Taten mehrfach erfasst werden kann.

Schon diese differenzierte Einordnung ändert nichts an der erschütternden Dimension. Hinzu kommt: Die polizeiliche Statistik zeigt nur das sogenannte Hellfeld – also jene Taten, die den Behörden bekannt wurden. Das tatsächliche Ausmaß dürfte erheblich größer sein. Fachleute gehen davon aus, dass statistisch in jeder Schulklasse ein bis zwei Kinder von sexueller Gewalt betroffen sind oder waren. Und noch etwas muss uns aufrütteln: Sexuelle Gewalt geschieht häufig nicht durch den unbekannten Fremden. In mehr als der Hälfte der polizeilich erfassten Fälle des Jahres 2025 bestand bereits eine Beziehung zwischen dem betroffenen Kind und der tatverdächtigen Person.

Die Gefahr trägt deshalb nicht immer ein fremdes Gesicht. Sie kann aus dem familiären, schulischen, sportlichen oder sozialen Umfeld kommen. Ebenso kann sie sich im digitalen Raum verbergen.

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Kinderschutz beginnt mit Beziehung

In 25 Jahren ambulanter Jugendhilfe habe ich immer wieder erlebt, wie schwer es jungen Menschen fallen kann, über belastende Erfahrungen zu sprechen. Manche ziehen sich plötzlich zurück. Andere werden aggressiv, unkonzentriert oder scheinbar gleichgültig. Leistungen brechen ein, Ängste entstehen, der Schulbesuch wird verweigert oder digitale Welten werden zum Rückzugsort. Solche Veränderungen können viele Ursachen haben. Sie sind kein Beweis für sexuelle Gewalt. Aber sie können ein Signal dafür sein, dass ein junger Mensch unter erheblichem Druck steht. Entscheidend ist deshalb nicht, vorschnell eine Erklärung zu finden. Entscheidend ist, in Beziehung zu bleiben:

„Ich sehe, dass es dir nicht gut geht. Du musst mir jetzt nichts erzählen. Aber ich bin da, ich glaube dir und wir suchen gemeinsam Hilfe.“

Kinder sprechen häufig nicht sofort offen aus, was ihnen widerfahren ist. Sie testen zunächst vorsichtig, ob ein Erwachsener zuhört, ruhig bleibt und sie ernst nimmt. Wer ungeduldig nachfragt, Zweifel äußert oder überstürzt handelt, kann dazu führen, dass sich das Kind wieder verschließt.

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Hinschauen bedeutet nicht verdächtigen

Kinderschutz braucht Aufmerksamkeit – aber keine pauschale Verdächtigung. Nicht jede Verhaltensänderung weist auf Missbrauch hin und nicht jedes Unwohlsein bestätigt einen konkreten Verdacht.

Hinschauen bedeutet:

  • Veränderungen wahrzunehmen, ohne sofort zu bewerten.
  • dem Kind offene Gesprächsangebote zu machen.
  • seine Aussagen ernst zu nehmen.
  • keine suggestiven oder drängenden Fragen zu stellen.
  • sich bei Unsicherheit fachlich beraten zu lassen.
  • bei konkreter Gefährdung konsequent zu handeln.

Erwachsene müssen dabei ihre eigenen Gefühle regulieren. Wut, Angst und Entsetzen sind nachvollziehbar. In diesem Moment braucht das Kind jedoch vor allem Sicherheit – und nicht das Gefühl, nun auch noch für die emotionale Verfassung der Erwachsenen verantwortlich zu sein.

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Prävention darf die Verantwortung nicht auf Kinder verschieben

Wir können Kindern vermitteln, dass ihr Körper ihnen gehört. Wir können ihnen erklären, dass sie Nein sagen dürfen, Geheimnisse mit einem bedrückenden Gefühl weitererzählen sollen und sich immer an eine Vertrauensperson wenden können. Doch wir dürfen daraus keine trügerische Sicherheit ableiten. Ein Kind, das sich nicht gewehrt hat, hat nicht versagt. Ein Kind, das geschwiegen hat, trägt keine Mitschuld. Ein Kind, das den Täter mochte oder ihm vertraute, hat nichts falsch gemacht.

Die Verantwortung liegt immer bei der Person, die Grenzen verletzt – und bei den Erwachsenen und Institutionen, die Schutz sicherstellen müssen. Deshalb brauchen Schulen, Vereine, Kirchen, Jugendhilfeeinrichtungen und andere Orte, an denen Kinder Zeit verbringen, verbindliche Schutzkonzepte. Dazu gehören transparente Verhaltensregeln, geschulte Ansprechpersonen, sichere Beschwerdewege und klare Abläufe für Verdachtsfälle. Ein Dokument im Ordner genügt nicht. Schutzkonzepte müssen im Alltag bekannt, gelebt und regelmäßig überprüft werden.

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Was Kinder wirklich stark macht

Starke Kinder sind nicht diejenigen, die alles allein aushalten. Stark werden Kinder, wenn sie erleben:

  • Meine Gefühle werden ernst genommen.
  • Meine Grenzen haben Bedeutung.
  • Ich darf widersprechen.
  • Ich muss belastende Geheimnisse nicht bewahren.
  • Ich werde nicht beschuldigt.
  • Erwachsene glauben mir und handeln besonnen.
  • Hilfe zu brauchen ist kein Zeichen von Schwäche.

Diese Erfahrung nennen wir Selbstwirksamkeit: Ein junger Mensch erlebt, dass seine Wahrnehmung zählt und dass sein Handeln etwas bewirken kann. Selbstwirksamkeit entsteht jedoch nicht durch einen einzigen Präventionskurs. Sie wächst in verlässlichen Beziehungen.

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Was Sie bei einem Verdacht tun sollten

Wenn sich ein Kind Ihnen anvertraut, bleiben Sie möglichst ruhig. Hören Sie zu und vermitteln Sie: „Du hast nichts falsch gemacht. Es ist gut, dass du mir davon erzählst.“ Versprechen Sie keine vollständige Geheimhaltung, denn möglicherweise müssen weitere Fachpersonen einbezogen werden. Konfrontieren Sie die verdächtigte Person nicht eigenmächtig. Notieren Sie zeitnah und möglichst wortgetreu, was das Kind gesagt hat, und holen Sie sich Unterstützung bei einer spezialisierten Fachberatungsstelle. Bei akuter Gefahr wenden Sie sich an die Polizei unter 110 oder an das zuständige Jugendamt. Das bundesweite Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch berät Betroffene, Angehörige und Fachkräfte unter 0800 22 55 530 anonym und kostenfrei. Über das Hilfe-Portal können zudem regionale Beratungsangebote gefunden werden.

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Mein Appell zum Weltkindertag

Der Weltkindertag darf kein Tag für schöne Sätze bleiben. Kinderrechte werden nicht dadurch verwirklicht, dass wir einmal im Jahr an sie erinnern. Sie werden dort verwirklicht, wo Erwachsene täglich Verantwortung übernehmen. Wo sie zuhören, obwohl das Gehörte schwer auszuhalten ist. Wo sie nicht wegsehen, weil ein Verdacht unbequem wäre. Wo Institutionen den eigenen Ruf nicht über den Schutz eines Kindes stellen. Und wo jungen Menschen vermittelt wird:

Du bist nicht schuld. Du musst das nicht allein tragen. Es gibt Erwachsene, die dir glauben, dich schützen und mit dir den nächsten Schritt gehen.

Starke Kinder brauchen eine starke Zukunft. Vor allem aber brauchen sie heute Erwachsene, die hinschauen, zuhören und handeln.

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Markus Knauth arbeitet seit 25 Jahren mit Jugendlichen und Familien. Als DER JUGENDCOACH begleitet er junge Menschen bei persönlichen, schulischen und familiären Herausforderungen und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit ADHS im Jugendalter.

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(Foto mit KI erstellt)

Mobbing Hilfe: Was Jugendliche jetzt brauchen

Ein Jugendlicher kommt nach Hause und sagt, er möchte morgen nicht mehr in die Schule. Vielleicht erzählt er von Beleidigungen in der Klassengruppe. Vielleicht zieht er sich zurück, schläft schlecht oder wirkt plötzlich gereizt. Und manchmal sagt er gar nichts. Für Eltern beginnt dann eine schwierige Suche: Ist das ein gewöhnlicher Konflikt unter Jugendlichen? Oder steckt Mobbing dahinter? Und wie kann ich helfen, ohne die Situation noch schlimmer zu machen?

Als DER JUGENDCOACH erlebe ich, wie wichtig es ist, junge Menschen in solchen Situationen ernst zu nehmen. Nicht jede Auseinandersetzung ist Mobbing. Aber wenn ein Jugendlicher über längere Zeit gezielt ausgegrenzt, erniedrigt oder angegriffen wird und sich kaum noch selbst daraus befreien kann, braucht er Unterstützung. Vor allem braucht er die Erfahrung: Ich muss das nicht allein aushalten.

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Was ist Mobbing – und wann wird aus einem Konflikt mehr?

Mobbing bedeutet nicht einfach, dass zwei Jugendliche einmal Streit haben. Typisch sind wiederholte Angriffe, ein Machtungleichgewicht und das Gefühl der betroffenen Person, der Situation nicht entkommen zu können. Das können Beleidigungen, Gerüchte, Drohungen, Ausgrenzung oder körperliche Übergriffe sein. Auch das gezielte Bloßstellen in sozialen Netzwerken oder Klassengruppen gehört dazu. Entscheidend ist nicht nur, was von außen sichtbar wird. Ein Jugendlicher kann in der Schule scheinbar funktionieren und innerlich trotzdem unter erheblichem Druck stehen.

Deshalb sollten Eltern aufmerksam werden, wenn sich das Verhalten ihres Kindes deutlich verändert. Häufige Bauch- oder Kopfschmerzen vor der Schule, Rückzug, Schlafprobleme, plötzlich fehlende Freundschaften oder die Weigerung, zur Schule zu gehen, können Hinweise sein. Sie beweisen für sich genommen noch kein Mobbing, verdienen aber ein ernsthaftes Gespräch.

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Was Jugendliche bei Mobbing jetzt wirklich brauchen

1. Einen Erwachsenen, der zuhört, statt sofort zu handeln

Viele Eltern möchten verständlicherweise sofort die Schule anrufen, andere Eltern kontaktieren oder den vermeintlichen Täter zur Rede stellen. Doch Jugendliche haben häufig Angst, dass dadurch alles noch schlimmer wird. Der erste Schritt ist deshalb ein ruhiges Gespräch. Fragen Sie, was passiert ist, seit wann es geschieht und wer beteiligt ist. Hören Sie zu, ohne vorschnell zu bewerten. Sätze wie „Da musst du dich eben wehren“ oder „Ignorier das einfach“ können das Gefühl verstärken, mit dem Problem allein zu sein. Hilfreicher ist: „Ich nehme ernst, was du erzählst. Wir überlegen gemeinsam, was wir jetzt tun können.“

2. Schutz und einen konkreten Plan

Mobbing lässt sich nicht allein dadurch lösen, dass der betroffene Jugendliche selbstbewusster wird. Die Verantwortung für die Übergriffe liegt bei denjenigen, die sie ausüben. Gleichzeitig müssen Erwachsene dafür sorgen, dass die Angriffe aufhören. Gemeinsam mit dem Jugendlichen sollte geklärt werden, wo die Vorfälle stattfinden, welche Situationen besonders belastend sind und welche vertrauenswürdigen Erwachsenen erreichbar sind. In der Schule können Klassenleitung, Schulsozialarbeit, Beratungslehrkraft oder Schulleitung wichtige Ansprechpartner sein. Ein guter Plan beantwortet konkrete Fragen: An wen kann sich der Jugendliche in der Pause wenden? Was passiert, wenn erneut etwas geschieht? Wer überprüft, ob die vereinbarten Maßnahmen tatsächlich helfen?

3. Beteiligung statt Entscheidungen über seinen Kopf hinweg

Jugendliche brauchen Unterstützung, aber sie möchten nicht vollständig die Kontrolle über ihre Situation verlieren. Deshalb ist es sinnvoll, sie altersgerecht in die nächsten Schritte einzubeziehen. Das bedeutet nicht, dass Eltern bei ernsthaften Übergriffen untätig bleiben müssen. Es bedeutet, transparent zu handeln: „Ich werde mit der Schule sprechen, weil ich möchte, dass du geschützt bist. Wir besprechen vorher gemeinsam, was ich sagen werde.“ So entsteht nicht nur Schutz, sondern auch Selbstwirksamkeit.

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Mobbing in der Schule: Was Eltern konkret tun können

Wenn sich der Verdacht bestätigt, sollten Eltern die Vorfälle möglichst sachlich dokumentieren. Notieren Sie Datum, Ort, Beteiligte und was geschehen ist. Bei Cybermobbing können Screenshots und Nachrichten wichtige Belege sein. Verbreiten Sie diese jedoch nicht weiter. Suchen Sie anschließend das Gespräch mit der Schule und bitten Sie um konkrete Maßnahmen. Wichtig ist, dass die Schule nicht nur ein einmaliges Gespräch führt, sondern die Situation weiter beobachtet und überprüft, ob die Übergriffe tatsächlich aufhören.

Eine erzwungene Aussprache zwischen Betroffenen und mobbenden Jugendlichen ist nicht immer der richtige erste Schritt. Bei einem deutlichen Machtungleichgewicht kann sie die betroffene Person zusätzlich belasten. Zunächst müssen Schutz und Sicherheit gewährleistet sein. Wenn die Schule nicht ausreichend reagiert, können Eltern weitere zuständige Stellen einbeziehen, etwa die Schulleitung, Schulaufsicht oder geeignete Beratungsangebote.

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Cybermobbing: Wenn die Angriffe nach Schulschluss weitergehen

Besonders belastend ist Mobbing, wenn es über Messenger, soziale Netzwerke oder andere digitale Plattformen weitergeht. Dann endet der Druck nicht mit dem Schultag. Beleidigungen, peinliche Bilder oder Gerüchte können jederzeit auftauchen und innerhalb kurzer Zeit viele Menschen erreichen. Eltern sollten deshalb nicht nur fragen, wie es in der Schule läuft, sondern auch, was in Klassengruppen und online passiert. Wichtig ist, dass Jugendliche keine Angst haben müssen, bei einer Offenlegung sofort ihr Smartphone zu verlieren.

Sichern Sie Beweise, melden Sie problematische Inhalte bei der Plattform und blockieren Sie angreifende Accounts, soweit dies sinnvoll ist. Bei Drohungen, Erpressung, sexualisierten Übergriffen oder der Verbreitung intimer Bilder sollten zusätzlich geeignete Beratungsstellen beziehungsweise die Polizei eingeschaltet werden. Mehr zum verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien lesen Sie in meinem Beitrag Mediennutzung bei Teenagern .

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Warum „Wehr dich einfach“ oft nicht reicht

Selbstbewusstsein ist wichtig. Aber ein Jugendlicher, der über Wochen oder Monate ausgegrenzt wird, braucht mehr als den Auftrag, stärker zu werden. Wer ständig damit rechnen muss, ausgelacht, bedroht oder bloßgestellt zu werden, entwickelt verständlicherweise Strategien, um weiteren Verletzungen auszuweichen. Manche ziehen sich zurück, andere reagieren aggressiv, wieder andere vermeiden die Schule.

Diese Reaktionen sollten nicht vorschnell als Unwillen oder mangelnde Motivation verstanden werden. Sie können Ausdruck einer erheblichen Belastung sein. Gerade deshalb lohnt es sich, hinter das Verhalten zu schauen: Was versucht der Jugendliche gerade zu bewältigen? Und welche Unterstützung fehlt ihm?

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Wenn Mobbing zur Schulverweigerung führt

Manche Jugendliche möchten irgendwann nicht mehr zur Schule gehen. Für Eltern entsteht dann schnell ein zusätzlicher Konflikt: Einerseits besteht Schulpflicht, andererseits soll das Kind nicht täglich in eine belastende Situation zurückgeschickt werden. Hier braucht es eine sorgfältige Klärung. Was genau macht den Schulbesuch so schwierig? Welche Schutzmaßnahmen sind notwendig? Und wie kann eine Rückkehr gelingen, ohne den Jugendlichen erneut zu überfordern?

Eine reine Konzentration auf Anwesenheit greift häufig zu kurz, wenn die Ursache weiterhin besteht. Mehr dazu erfahren Sie im Beitrag Schulverweigerung verstehen: Hilfe für verzweifelte Eltern .

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Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist

Professionelle Unterstützung kann hilfreich sein, wenn sich ein Jugendlicher stark zurückzieht, sein Selbstwertgefühl deutlich leidet, die Situation trotz schulischer Maßnahmen anhält oder die Familie nicht mehr weiß, wie sie weiter vorgehen soll.

Im Jugendcoaching geht es nicht darum, dem betroffenen Jugendlichen die Verantwortung für das Mobbing zuzuschieben. Vielmehr können wir gemeinsam herausarbeiten, was geschehen ist, welche Ressourcen vorhanden sind und welche nächsten Schritte wieder Orientierung und Handlungsmöglichkeiten schaffen. Dazu gehört auch, Eltern einzubeziehen und – wenn sinnvoll und mit entsprechender Abstimmung – die Zusammenarbeit mit Schule oder anderen Fachstellen zu unterstützen.

Bei schweren psychischen Belastungen, Selbstverletzungen oder Suizidgedanken ist eine zeitnahe fachärztliche beziehungsweise psychotherapeutische Abklärung wichtig. Bei akuter Gefahr wenden Sie sich an den Notruf 112.

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Was Eltern ihrem Kind vermitteln sollten

Ein Jugendlicher muss nicht beweisen, dass er stark genug ist, um Mobbing allein auszuhalten. Er braucht Menschen, die hinschauen, Verantwortung übernehmen und ihm zutrauen, wieder eigene Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft: „Du bist nicht das, was andere über dich sagen. Und du musst da nicht allein durch.“

Mobbing kann das Vertrauen in andere Menschen erschüttern. Eine verlässliche Beziehung kann helfen, dieses Vertrauen Schritt für Schritt wieder aufzubauen.

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Mobbing Hilfe für Jugendliche in Augsburg und online

Wenn Ihr Kind von Mobbing betroffen ist und Sie Unterstützung bei der Einordnung oder den nächsten Schritten suchen, können Sie sich an DER JUGENDCOACH wenden. Ich begleite Jugendliche und Eltern in meiner Praxis in Augsburg sowie im Online-Coaching. Gemeinsam schauen wir auf die konkrete Situation, die vorhandenen Ressourcen und darauf, welche Unterstützung jetzt notwendig ist.

Mehr erfahren: Jugendcoaching und Elterncoaching 

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Markus Knauth arbeitet seit 25 Jahren mit Jugendlichen und Familien. Als DER JUGENDCOACH begleitet er junge Menschen bei persönlichen, schulischen und familiären Herausforderungen und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit ADHS im Jugendalter.

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(Foto mit KI erstellt)

ADHS-Coaching für Jugendliche: Den Alltag meistern

Wenn Hausaufgaben zum täglichen Kampf werden, Termine vergessen werden und selbst kleine Aufgaben kaum zu bewältigen scheinen, geraten Jugendliche mit ADHS und ihre Eltern schnell an ihre Grenzen. Doch hinter diesem Verhalten steckt nicht automatisch mangelnder Wille. Oft fehlt es an Strategien, die zum eigenen Denken und Handeln passen.

Als DER JUGENDCOACH begleite ich Jugendliche und ihre Familien dabei, Herausforderungen besser zu verstehen, vorhandene Stärken zu entdecken und konkrete Lösungen für den Alltag zu entwickeln. Gerade bei ADHS geht es nicht darum, einen jungen Menschen ständig zu korrigieren. Es geht darum, gemeinsam herauszufinden, wie sein Alltag besser gelingen kann.

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ADHS im Jugendalter: Wenn der Alltag zur Herausforderung wird

ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Die Ausprägung kann sehr unterschiedlich sein. Manche Jugendliche sind vor allem unaufmerksam, andere zeigen ausgeprägte Unruhe oder Impulsivität. Häufig treten mehrere dieser Merkmale gemeinsam auf. Im Jugendalter verändern sich die Anforderungen. Stundenpläne werden komplexer, Hausaufgaben müssen selbstständig organisiert werden und soziale Beziehungen gewinnen an Bedeutung. Gleichzeitig erwarten Erwachsene zunehmend Eigenverantwortung. Für Jugendliche mit ADHS kann genau das schwierig sein. Sie wissen vielleicht, dass sie lernen müssten, schaffen aber den Einstieg nicht. Sie nehmen sich vor, pünktlich zu sein, verlieren jedoch die Zeit aus dem Blick. Oder sie reagieren in einem Konflikt schneller, als sie selbst möchten.

Das bedeutet nicht, dass Jugendliche mit ADHS keine Verantwortung übernehmen können. Sie benötigen häufig andere Wege, um Verantwortung erfolgreich zu übernehmen.

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Was kann ADHS-Coaching für Jugendliche leisten?

ADHS-Coaching ist eine alltagsorientierte Unterstützung. Es hilft Jugendlichen, ihre persönlichen Schwierigkeiten zu erkennen und passende Strategien zu entwickeln. Dabei stehen nicht nur Probleme im Mittelpunkt, sondern auch Fähigkeiten, Interessen und bereits gelungene Situationen.

Im Coaching können beispielsweise folgende Fragen bearbeitet werden:

  • Wie schaffe ich es, mit einer Aufgabe anzufangen?
  • Wie kann ich Hausaufgaben und Termine besser organisieren?
  • Was hilft mir, wenn ich schnell wütend oder frustriert werde?
  • Wie gehe ich mit Ablenkungen durch das Handy um?
  • Wie kann ich meine Stärken nutzen, statt mich ständig mit anderen zu vergleichen?

Ein wichtiger Bestandteil ist die Zusammenarbeit mit den Eltern. Denn neue Strategien funktionieren besser, wenn sie auch zu Hause verstanden und unterstützt werden.

1. Struktur schaffen, ohne den Jugendlichen zu überfordern

Viele Jugendliche mit ADHS profitieren von klaren, überschaubaren Abläufen. Ein großer Wochenplan mit zwanzig Aufgaben kann allerdings genauso überfordern wie gar kein Plan. Hilfreicher ist häufig, mit wenigen konkreten Schritten zu beginnen. Statt „Du musst heute noch alles für die Schule erledigen“ könnte die Vereinbarung lauten: „Wir schauen gemeinsam, welche Aufgabe zuerst dran ist.“ Ein sichtbarer Tagesplan, feste Ablageorte oder eine kurze Checkliste können helfen. Entscheidend ist, dass der Jugendliche die Struktur mitentwickelt. Ein Plan, den ausschließlich die Eltern erstellen, wird nicht automatisch zu seinem eigenen Plan.

2. Den Einstieg in Aufgaben erleichtern

„Ich mache es später“ ist ein Satz, den viele Eltern kennen. Bei ADHS kann der Beginn einer Aufgabe besonders schwierig sein, selbst wenn der Jugendliche weiß, dass sie wichtig ist. Im Coaching suchen wir deshalb nach möglichst kleinen Einstiegsschritten. Nicht „Lerne jetzt zwei Stunden Mathe“, sondern beispielsweise: „Lege das Mathebuch auf den Tisch und bearbeite die erste Aufgabe.“ Auch kurze Arbeitsphasen, klare Pausen und eine möglichst ablenkungsarme Umgebung können hilfreich sein. Welche Methode funktioniert, muss individuell ausprobiert werden. Das Ziel ist dabei nicht, dass Jugendliche möglichst lange am Schreibtisch sitzen, sondern dass sie einen Weg finden, tatsächlich ins Handeln zu kommen.

3. Mit Frust und impulsiven Reaktionen umgehen

Wenn Jugendliche schnell laut werden, Türen knallen oder bei einer Aufgabe aufgeben, geraten Familien leicht in einen Kreislauf aus Vorwürfen und Gegenwehr. Hier hilft es, zwischen dem Verhalten und dem jungen Menschen zu unterscheiden. Eine impulsive Reaktion darf begrenzt werden, ohne den Jugendlichen als Person abzuwerten. Im Coaching können wir gemeinsam untersuchen, welche Situationen besonders schwierig sind: Was passiert kurz vor dem Streit? Woran merkt der Jugendliche, dass die Anspannung steigt? Welche Möglichkeit hat er, den Konflikt zu unterbrechen? Solche Strategien entstehen nicht durch einen einzigen guten Vorsatz. Sie müssen geübt und im Alltag wiederholt werden. Mehr dazu lesen Sie in meinem Beitrag Aggressionen in der Pubertät bewältigen.

4. Schule und Lernen: Passende Wege statt ständiger Druck

Schulische Schwierigkeiten gehören für viele Familien zu den größten Belastungen. Vergessene Materialien, unvollständige Hausaufgaben oder schlechte Noten können dazu führen, dass Jugendliche zunehmend an sich zweifeln. Dabei ist es wichtig, genau hinzuschauen: Liegt das Problem beim Verstehen des Lernstoffs, bei der Organisation, bei der Konzentration oder beim Beginn der Aufgabe? Je nach Ursache braucht es unterschiedliche Unterstützung. ADHS-Coaching kann helfen, Lernabläufe zu strukturieren, realistische Ziele zu setzen und die Zusammenarbeit zwischen Jugendlichen, Eltern und Schule zu verbessern. Bei ausgeprägten Lernproblemen oder zusätzlichen psychischen Belastungen kann darüber hinaus eine fachliche Abklärung sinnvoll sein. Wenn Schule bereits zu einem dauerhaften Konflikt geworden ist, finden Sie weitere Anregungen im Beitrag Schulverweigerung verstehen: Hilfe für verzweifelte Eltern.

5. Mediennutzung bei ADHS: Gemeinsam Regeln entwickeln

Smartphone, Gaming und soziale Medien können für Jugendliche mit ADHS besonders herausfordernd sein, wenn es schwerfällt, eine interessante Tätigkeit zu unterbrechen oder die Zeit im Blick zu behalten. Gleichzeitig sind digitale Medien ein selbstverständlicher Teil ihrer Lebenswelt. Pauschale Verbote lösen deshalb selten alle Probleme. Sinnvoller ist es, gemeinsam zu klären, wann Medien genutzt werden, welche Aufgaben vorher erledigt sein sollen und wie Übergänge gestaltet werden können. Ein klarer Zeitpunkt zum Beenden, eine Erinnerung vor Ablauf der Spielzeit oder eine gemeinsam vereinbarte handyfreie Lernphase können helfen. Entscheidend ist, dass Regeln nachvollziehbar sind und nicht erst im Streit entstehen. Weitere praktische Hinweise finden Sie im Beitrag Mediennutzung bei Teenagern.

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Was Eltern zu Hause tun können

Eltern müssen nicht zu Therapeuten oder dauerhaften Kontrolleuren ihrer Kinder werden. Sie können jedoch Bedingungen schaffen, unter denen neue Strategien leichter gelingen. Hilfreich ist es, konkrete Fortschritte wahrzunehmen: „Du hast heute selbst daran gedacht, deine Tasche zu packen“ ist oft hilfreicher als ein allgemeines „Gut gemacht“. Ebenso wichtig sind klare, verlässliche Absprachen und die Bereitschaft, eine Strategie zu verändern, wenn sie nicht funktioniert. Versuchen Sie außerdem, nicht jedes Problem gleichzeitig lösen zu wollen. Wenn morgens das Aufstehen, nachmittags die Hausaufgaben und abends die Mediennutzung schwierig sind, kann es sinnvoll sein, zunächst einen Bereich auszuwählen.

Ein kleiner Erfolg, der sich wiederholen lässt, ist oft wertvoller als ein perfekter Plan, der nach zwei Tagen scheitert.

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ADHS-Coaching ist kein Ersatz für eine medizinische Behandlung

Eine ADHS-Diagnose gehört in die Hände entsprechend qualifizierter Fachpersonen. Auch die Entscheidung über eine mögliche medikamentöse Behandlung oder Psychotherapie ist keine Aufgabe eines Jugendcoachings. Coaching kann eine bestehende Behandlung ergänzen und sich auf die praktische Umsetzung im Alltag konzentrieren. Bei erheblichen psychischen Belastungen, starken Verhaltensproblemen oder dem Verdacht auf weitere Erkrankungen sollte eine ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung erfolgen.

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Wann ist Unterstützung sinnvoll?

Unterstützung kann sinnvoll sein, wenn ein Jugendlicher trotz vieler Bemühungen immer wieder an denselben Schwierigkeiten scheitert, das Familienleben dauerhaft belastet ist oder schulische Probleme zunehmen. Dabei muss nicht erst eine Krise entstehen. Auch Jugendliche, die grundsätzlich gut zurechtkommen, können davon profitieren, ihre Selbstorganisation, ihr Selbstvertrauen und ihren Umgang mit Herausforderungen weiterzuentwickeln.

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ADHS-Coaching in Augsburg und online

Als DER JUGENDCOACH unterstütze ich Jugendliche und ihre Eltern dabei, individuelle Lösungen für ihren Alltag zu entwickeln. Im Mittelpunkt stehen eine vertrauensvolle Beziehung, ein realistischer Blick auf die Herausforderungen und konkrete Schritte, die sich zu Hause und in der Schule umsetzen lassen. Meine Arbeit ist systemisch und ressourcenorientiert. Das bedeutet: Wir betrachten nicht nur das einzelne Verhalten, sondern auch das Umfeld, die Beziehungen und die Möglichkeiten, die bereits vorhanden sind.

ADHS muss nicht zum bestimmenden Thema einer gesamten Jugend werden. Mit Verständnis, passenden Strategien und verlässlicher Begleitung können junge Menschen lernen, ihren Alltag zunehmend selbstständig zu gestalten.

Wenn Sie sich Unterstützung wünschen, erfahren Sie mehr über mein Jugendcoaching und Elterncoaching oder nehmen Sie Kontakt auf.

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Markus Knauth arbeitet seit 25 Jahren mit Jugendlichen und Familien. Als DER JUGENDCOACH begleitet er junge Menschen bei persönlichen, schulischen und familiären Herausforderungen und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit ADHS im Jugendalter.

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(Foto mit KI erstellt)

Mediennutzung bei Teenagern: Wenn das Handy zum Streitpunkt wird

„Leg endlich das Handy weg!“ – „Nur noch fünf Minuten!“

In vielen Familien gehört dieser Dialog inzwischen zum Alltag. Das Smartphone ist für Jugendliche Kommunikationsmittel, Unterhaltungszentrum, Informationsquelle und Treffpunkt mit Freunden zugleich. Für Eltern ist es dagegen häufig der Auslöser für Sorgen: zu wenig Schlaf, nachlassende schulische Leistungen, Rückzug oder ständige Diskussionen. Doch wie viel Mediennutzung ist für Teenager eigentlich normal? Wann sollten Eltern eingreifen? Und wie lassen sich Regeln finden, ohne dass jeder Abend im Streit endet?

Als DER JUGENDCOACH erlebe ich in meiner Arbeit mit Jugendlichen und Eltern immer wieder: Nicht allein die Bildschirmzeit entscheidet darüber, ob Mediennutzung problematisch ist. Entscheidend ist, welche Rolle sie im Leben eines jungen Menschen einnimmt.

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Wie viel Handyzeit ist für Teenager okay?

Eine allgemeingültige Stundenzahl, die für jeden Jugendlichen passt, gibt es nicht. Alter, Entwicklungsstand, schulische Anforderungen und die Art der Nutzung spielen eine Rolle. Ein Videoanruf mit Freunden, die Recherche für ein Referat und stundenlanges Scrollen durch Kurzvideos sind nicht dasselbe.

Die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz empfiehlt Eltern, Mediennutzung altersgerecht zu begleiten und gemeinsam Regeln zu vereinbaren. Auch die Initiative SCHAU HIN! betont, dass Bildschirmzeiten nicht isoliert betrachtet werden sollten, sondern im Zusammenhang mit Schlaf, Bewegung, Schule und sozialen Kontakten.

Für Eltern bedeutet das: Fragen Sie nicht nur „Wie lange warst du am Handy?“, sondern auch „Was hast du gemacht?“, „Wie ging es dir dabei?“ und „Was ist dadurch vielleicht zu kurz gekommen?“

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Warum Jugendliche so viel Zeit am Smartphone verbringen

Das Smartphone erfüllt im Jugendalter wichtige Bedürfnisse. Jugendliche möchten dazugehören, Freundschaften pflegen, sich ausprobieren und zunehmend selbst entscheiden. Digitale Räume sind ein Teil dieser Lebenswelt. Gleichzeitig sind viele Plattformen darauf ausgelegt, Aufmerksamkeit möglichst lange zu binden. Automatisch startende Videos, personalisierte Empfehlungen und Benachrichtigungen können dazu beitragen, dass aus wenigen Minuten deutlich mehr Zeit wird. Das bedeutet nicht, dass Jugendliche grundsätzlich willensschwach sind. Es bedeutet aber auch nicht, dass Eltern jede Nutzung hinnehmen müssen.

Denn Jugendliche brauchen Orientierung, gerade weil digitale Angebote so attraktiv sind.

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Wann wird Mediennutzung problematisch?

Ein einzelner langer Gaming-Abend oder ein Wochenende mit viel Smartphone-Zeit ist noch kein Beweis für eine Abhängigkeit. Aufmerksam sollten Eltern werden, wenn die Nutzung über längere Zeit andere wichtige Lebensbereiche verdrängt.

Mögliche Warnsignale sind:

  • Der Jugendliche schläft regelmäßig zu wenig, weil er nachts online ist.
  • Schule, Ausbildung oder andere Verpflichtungen werden zunehmend vernachlässigt.
  • Frühere Interessen und persönliche Kontakte verlieren deutlich an Bedeutung.
  • Vereinbarte Grenzen können kaum noch eingehalten werden.
  • Die Nutzung wird fortgesetzt, obwohl bereits erhebliche negative Folgen entstehen.
  • Ohne Smartphone oder Gaming treten starke Unruhe, Gereiztheit oder Konflikte auf.

Keines dieser Anzeichen allein beweist eine Mediensucht. Entscheidend sind Dauer, Ausmaß und die tatsächlichen Beeinträchtigungen. Wenn Sie sich ernsthaft Sorgen machen, kann eine fachliche Einschätzung sinnvoll sein.

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Warum Handyverbote häufig nicht ausreichen

Ein vollständiges Verbot kann in bestimmten Situationen notwendig sein, etwa wenn ein Jugendlicher nachts nicht mehr zur Ruhe kommt. Als alleinige Dauerlösung greift es jedoch häufig zu kurz. Denn das Smartphone ist für Jugendliche nicht nur ein Gerät. Es ist auch der Zugang zu ihrer sozialen Welt. Wer ausschließlich das Handy wegnimmt, ohne die dahinterliegenden Bedürfnisse zu verstehen, riskiert, dass der eigentliche Konflikt bestehen bleibt. Hilfreicher ist es, gemeinsam zu klären: Was macht die Nutzung so wichtig? Geht es um Freundschaften, Langeweile, Stress, Anerkennung oder darum, unangenehme Gefühle zu vermeiden?

Grenzen werden nicht dadurch überflüssig, dass wir Jugendliche verstehen. Sie werden dadurch sinnvoller.

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Welche Regeln helfen bei der Mediennutzung?

Regeln funktionieren am besten, wenn sie verständlich, konkret und im Familienalltag umsetzbar sind. Jugendliche sollten dabei zunehmend mitentscheiden dürfen. Das bedeutet nicht, dass Eltern ihre Verantwortung abgeben.

Sinnvolle Vereinbarungen können beispielsweise sein:

  • Das Smartphone bleibt während gemeinsamer Mahlzeiten weg.
  • Vor dem Schlafengehen gibt es eine vereinbarte bildschirmfreie Zeit.
  • Nachts wird das Handy außerhalb des Schlafzimmers geladen, wenn die Nutzung den Schlaf beeinträchtigt.
  • Schulische Verpflichtungen und andere wichtige Aufgaben werden verbindlich berücksichtigt.
  • Gaming- und Social-Media-Zeiten werden gemeinsam geplant.
  • Eltern und Jugendliche überprüfen regelmäßig, ob die Regeln noch passen.

Wichtig ist außerdem die Vorbildfunktion. Wer selbst während des Essens ständig auf sein Smartphone schaut, wird eine handyfreie Familienzeit nur schwer glaubwürdig vermitteln können.

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Was tun, wenn der Teenager bei jeder Grenze ausrastet?

Wenn ein Jugendlicher auf Medienregeln mit Wut reagiert, sollten Eltern zunächst versuchen, die Situation nicht weiter eskalieren zu lassen. Lange Grundsatzdiskussionen mitten im Streit führen selten zu einer guten Lösung. Sprechen Sie das Thema besser in einem ruhigen Moment an. Beschreiben Sie konkret, was Sie beobachten, statt den Jugendlichen pauschal zu bewerten.

Statt „Du bist nur noch handysüchtig!“ könnte ein Gespräch so beginnen: „Mir fällt auf, dass du in letzter Zeit häufig bis spät in die Nacht am Handy bist und morgens kaum aus dem Bett kommst. Ich mache mir Sorgen um deinen Schlaf. Lass uns überlegen, wie wir das verändern können.“

Wenn Konflikte regelmäßig sehr heftig werden, kann es hilfreich sein, auch die familiären Kommunikationsmuster genauer anzuschauen. Dazu passt mein Beitrag Aggressionen in der Pubertät bewältigen.

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Wenn das Handy zum Rückzugsort wird

Manchmal ist intensive Mediennutzung nicht das eigentliche Problem, sondern ein Hinweis darauf, dass ein Jugendlicher mit anderen Schwierigkeiten kämpft. Wer sich in der Schule überfordert fühlt, wenig Anschluss findet oder zu Hause ständig Konflikte erlebt, kann digitale Welten als Entlastung nutzen. Deshalb lohnt es sich, auch auf die Lebenssituation zu schauen: Wie geht es dem Jugendlichen in der Schule? Gibt es Freundschaften außerhalb des Internets? Welche Interessen hat er? Erlebt er sich als wirksam und gebraucht?

Wenn schulische Probleme oder Rückzug hinzukommen, finden Sie weitere Anregungen in meinem Beitrag Schulverweigerung verstehen: Hilfe für verzweifelte Eltern.

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Jugendliche brauchen Alternativen, nicht nur Einschränkungen

Wer weniger Zeit am Smartphone verbringen soll, braucht auch etwas, das an seine Stelle treten kann. Das müssen keine perfekt organisierten Freizeitprogramme sein. Oft reichen kleine, selbst gewählte Aktivitäten: Sport, Musik, Kochen, ein Treffen mit Freunden oder ein neues Projekt. Entscheidend ist, dass Jugendliche wieder erleben: Ich kann meine Zeit gestalten. Ich kann etwas ausprobieren. Ich kann selbst etwas verändern.

In meiner Arbeit ermutige ich junge Menschen deshalb häufig, neue Erfahrungen außerhalb ihrer gewohnten Routinen zu machen. Nicht als Strafe für zu viel Mediennutzung, sondern als Möglichkeit, neue Interessen und eigene Stärken zu entdecken.

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Wann sollten Eltern professionelle Hilfe suchen?

Wenn Mediennutzung dauerhaft zu erheblichen Problemen führt, Gespräche kaum noch möglich sind oder Schule, Schlaf und soziale Beziehungen deutlich leiden, sollten Eltern Unterstützung in Anspruch nehmen. Eine erste Anlaufstelle kann die kinder- und jugendärztliche Praxis sein. Auch Erziehungsberatungsstellen, Suchtberatungsstellen oder spezialisierte Fachstellen für problematische Mediennutzung können weiterhelfen. Bei ausgeprägten psychischen Beschwerden sollte eine kinder- und jugendpsychiatrische oder psychotherapeutische Abklärung erfolgen.

Eltern müssen nicht warten, bis die Situation vollständig eskaliert. Häufig ist es sinnvoll, frühzeitig Unterstützung zu suchen und gemeinsam wieder handlungsfähig zu werden.

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Mein Fazit als DER JUGENDCOACH

Medien gehören zur Lebenswelt heutiger Jugendlicher. Sie pauschal zu verteufeln, hilft ebenso wenig wie grenzenlose Nutzung. Entscheidend ist, dass junge Menschen lernen, digitale Angebote bewusst zu nutzen und Verantwortung für ihren Alltag zu übernehmen. Eltern können dabei Orientierung geben: durch Interesse, klare Vereinbarungen, eine verlässliche Beziehung und die Bereitschaft, auch das eigene Medienverhalten zu hinterfragen.

Nicht das Smartphone sollte das Familienleben bestimmen. Aber auch nicht der tägliche Kampf darum. Ziel ist ein Umgang, bei dem Jugendliche zunehmend selbst entscheiden können, was ihnen guttut – und was nicht.

Wenn Sie sich Sorgen um die Mediennutzung Ihres Kindes machen oder die Konflikte zu Hause zunehmen, begleite ich Sie und Ihren Jugendlichen gerne dabei, die Hintergründe zu verstehen und gemeinsam konkrete Lösungen zu entwickeln.

Mehr über mein Jugendcoaching erfahren


Häufige Fragen zur Mediennutzung bei Teenagern

Wie viel Bildschirmzeit ist für einen 14-Jährigen normal?
Eine feste Stundenzahl allein ist wenig aussagekräftig. Entscheidend sind die Art der Nutzung und ob Schlaf, Schule, Bewegung und soziale Kontakte ausreichend Raum behalten.

Sollte ich meinem Teenager das Handy nachts wegnehmen?
Wenn die nächtliche Nutzung den Schlaf beeinträchtigt, kann eine gemeinsam vereinbarte Regel sinnvoll sein, beispielsweise das Laden außerhalb des Schlafzimmers.

Ist mein Kind handysüchtig, wenn es ständig am Smartphone ist?
Nicht automatisch. Häufige Nutzung allein reicht für eine Diagnose nicht aus. Entscheidend sind insbesondere Kontrollverlust, anhaltende Nutzung trotz erheblicher negativer Folgen und deutliche Beeinträchtigungen im Alltag.

Was kann ich tun, wenn mein Kind keine Handyregeln akzeptiert?
Sprechen Sie in einem ruhigen Moment über konkrete Probleme und vereinbaren Sie wenige, nachvollziehbare Regeln. Wenn die Konflikte dauerhaft eskalieren, kann eine Eltern- oder Familienberatung unterstützen.

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Markus Knauth arbeitet seit 25 Jahren mit Jugendlichen und Familien. Als DER JUGENDCOACH begleitet er junge Menschen bei persönlichen, schulischen und familiären Herausforderungen und unterstützt Eltern dabei, wieder Orientierung und Handlungsmöglichkeiten zu gewinnen.

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(Foto mit KI erstellt)

Aggressionen in der Pubertät: Wenn aus Wut ein Familienkonflikt wird

„Ich erkenne mein Kind nicht wieder.“ Diesen Satz höre ich von Eltern, deren Jugendlicher plötzlich laut wird, Türen knallt, beleidigt oder bei scheinbar kleinen Anlässen die Kontrolle verliert. Was früher mit einem Gespräch zu lösen war, endet nun manchmal im Streit. Eltern fühlen sich hilflos, Jugendliche unverstanden.

Aggressionen in der Pubertät können Familien erheblich belasten. Gleichzeitig ist nicht jeder Wutausbruch ein Zeichen für eine psychische Störung oder eine gescheiterte Erziehung. Entscheidend ist, genauer hinzusehen: Was steckt hinter dem Verhalten, welche Grenzen braucht es und wie kann ein Jugendlicher lernen, mit seiner Wut anders umzugehen?

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Warum werden Jugendliche in der Pubertät aggressiv?

Die Pubertät ist eine Phase tiefgreifender körperlicher, emotionaler und sozialer Veränderungen. Jugendliche entwickeln mehr Eigenständigkeit, hinterfragen Regeln und möchten zunehmend selbst entscheiden. Gleichzeitig sind Fähigkeiten zur Emotionsregulation und Impulskontrolle noch in Entwicklung. Das bedeutet jedoch nicht, dass Jugendliche ihrer Wut hilflos ausgeliefert sind. Vielmehr benötigen sie Gelegenheiten, Strategien zu erlernen und Verantwortung für ihr Verhalten zu übernehmen.

Aggressives Verhalten kann unterschiedliche Hintergründe haben: Überforderung in der Schule, Konflikte mit Gleichaltrigen, fehlender Schlaf, familiäre Spannungen, Kränkungen, Ängste oder das Gefühl, keine Kontrolle über das eigene Leben zu haben. Auch belastende Medienerfahrungen oder ein hoher Medienkonsum können bei einzelnen Jugendlichen eine Rolle spielen. Die Ursache lässt sich jedoch nicht allein aus dem Verhalten ableiten.

Wut ist ein Gefühl. Aggression ist eine mögliche Reaktion darauf. Diese Unterscheidung ist wichtig, denn Gefühle dürfen sein – verletzendes oder gewalttätiges Verhalten muss deshalb nicht akzeptiert werden.

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Aggressives Verhalten bei Jugendlichen: Was ist noch normal?

Gelegentliche Gereiztheit, heftige Diskussionen und das Austesten von Grenzen können zur Pubertät gehören. Problematisch wird es, wenn Wutausbrüche häufig auftreten, deutlich an Intensität zunehmen oder andere Menschen gefährden. Eltern sollten insbesondere aufmerksam werden, wenn Jugendliche regelmäßig zuschlagen, Gegenstände zerstören, andere bedrohen oder sich selbst verletzen. Auch wenn Schule, Freundschaften und Familienleben dauerhaft erheblich beeinträchtigt sind, ist eine fachliche Einschätzung sinnvoll.

Nicht die Lautstärke eines einzelnen Streits entscheidet darüber, ob Hilfe notwendig ist, sondern das Gesamtbild: Wie häufig passiert es? Wie schwer sind die Vorfälle? Welche Folgen entstehen? Und gelingt es dem Jugendlichen anschließend, Verantwortung zu übernehmen und wieder in Kontakt zu kommen?

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Wie sollten Eltern bei einem Wutausbruch reagieren?

In einer akuten Eskalation geht es zunächst nicht darum, den Konflikt zu gewinnen. Es geht darum, Sicherheit herzustellen und eine weitere Zuspitzung zu verhindern.

Sprechen Sie möglichst ruhig und in kurzen Sätzen. Verzichten Sie auf lange Erklärungen, Vorwürfe oder Drohungen. Halten Sie Abstand, wenn Ihr Jugendlicher diesen benötigt, und vermeiden Sie körperliche Machtkämpfe. Eine klare Aussage kann beispielsweise lauten: „Ich sehe, dass du gerade sehr wütend bist. Wir sprechen weiter, wenn wir beide ruhiger sind. Schlagen ist nicht in Ordnung.“

Wichtig ist dabei, dass Eltern ihre eigenen Grenzen ernst nehmen. Wenn Gegenstände geworfen werden oder körperliche Gewalt droht, dürfen und sollten sie sich und andere Familienmitglieder in Sicherheit bringen. Bei unmittelbarer Gefahr ist der Notruf 110 beziehungsweise 112 der richtige Weg.

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Nach dem Streit beginnt die eigentliche Arbeit

Wenn sich die Situation beruhigt hat, braucht es ein Gespräch, das nicht ausschließlich um Schuld kreist. Fragen Sie Ihren Jugendlichen, was unmittelbar vor dem Ausbruch passiert ist, was er in diesem Moment empfunden hat und woran er künftig früher merken könnte, dass seine Wut steigt. Dabei geht es nicht darum, Aggression zu entschuldigen. Es geht darum, Zusammenhänge zu verstehen und neue Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Hilfreiche Fragen sind beispielsweise: „Was hat dich in diesem Moment so getroffen?“, „Was hättest du gebraucht?“ oder „Was könntest du beim nächsten Mal tun, bevor du die Kontrolle verlierst?“

Anschließend sollten konkrete Vereinbarungen entstehen. Dazu können eine vereinbarte Gesprächspause, ein Rückzugsort, Bewegung, das Verlassen einer angespannten Situation oder ein späteres klärendes Gespräch gehören. Beschädigte Gegenstände müssen ersetzt und verletzende Handlungen aufgearbeitet werden. Verantwortung bleibt ein wichtiger Bestandteil der Veränderung.

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Was Eltern im Alltag verändern können

Aggressionen lassen sich selten durch eine einzelne Konsequenz dauerhaft lösen. Häufig ist es hilfreicher, den gesamten Familienalltag zu betrachten. Jugendliche brauchen verlässliche Grenzen, aber auch angemessene Entscheidungsräume. Wer ständig nur kontrolliert wird, erlebt möglicherweise noch mehr Widerstand. Wer dagegen keinerlei Orientierung erhält, kann ebenfalls überfordert sein. Ein sinnvoller Mittelweg verbindet klare Regeln mit Beteiligung.

Achten Sie außerdem darauf, ob Ihr Jugendlicher ausreichend schläft, regelmäßige Bewegung hat und außerhalb von Schule und Bildschirm eigene Erfolgserlebnisse sammeln kann. Gemeinsame Zeit ohne Leistungsdruck kann helfen, die Beziehung zu stabilisieren. Nicht jedes Gespräch sollte sich um Probleme drehen. Ein Jugendlicher, der ausschließlich über seine Schwierigkeiten wahrgenommen wird, bekommt wenig Gelegenheit, sich selbst anders zu erleben.

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Wenn Aggressionen und Medienkonsum zusammenhängen

Manche Eltern berichten, dass Konflikte besonders häufig entstehen, wenn das Smartphone weggelegt oder ein Computerspiel beendet werden soll. Daraus lässt sich nicht automatisch eine Mediensucht ableiten. Dennoch lohnt es sich zu prüfen, welche Bedeutung digitale Medien im Alltag haben. Dienen sie vor allem der Unterhaltung, dem Kontakt zu Freunden oder zunehmend auch dazu, belastende Gefühle zu vermeiden? Gibt es noch andere Interessen und Möglichkeiten, sich zu entspannen?

Statt ausschließlich über Bildschirmzeiten zu streiten, sollten Eltern gemeinsam mit ihrem Jugendlichen an einem ausgewogenen Alltag arbeiten. Weitere Anregungen finden Sie in meinem Beitrag zum Umgang mit Medienkonsum bei Jugendlichen.

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Wann ist professionelle Hilfe sinnvoll?

Professionelle Unterstützung ist sinnvoll, wenn Eltern das Gefühl haben, die Situation nicht mehr beeinflussen zu können, Konflikte immer wieder eskalieren oder der Jugendliche selbst unter seinem Verhalten leidet.

Auch anhaltende Veränderungen der Stimmung, ausgeprägter Rückzug, Schulverweigerung, Substanzkonsum oder Hinweise auf Selbstverletzung sollten ernst genommen werden. In solchen Fällen kann eine kinder- und jugendärztliche, psychotherapeutische oder kinder- und jugendpsychiatrische Abklärung notwendig sein.

Bei familiären Erziehungsschwierigkeiten können außerdem Erziehungsberatungsstellen und das Jugendamt unterstützen. Hilfe in Anspruch zu nehmen bedeutet nicht, dass Eltern versagt haben. Es bedeutet, dass eine belastende Situation nicht allein bewältigt werden muss.

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Wie Jugendcoaching bei Aggressionen helfen kann

In meiner Arbeit als DER JUGENDCOACH geht es nicht darum, einen Jugendlichen möglichst schnell „ruhigzustellen“. Ich möchte verstehen, welche Funktion sein Verhalten erfüllt und welche anderen Möglichkeiten er entwickeln kann.

Gemeinsam betrachten wir die Lebenssituation, familiäre Konflikte, schulische Belastungen und persönliche Ressourcen. Jugendliche sollen lernen, ihre Gefühle früher wahrzunehmen, Konflikte anders auszutragen und Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen. Eltern erhalten zugleich Unterstützung dabei, Grenzen klarer zu setzen und wieder in einen konstruktiven Kontakt zu kommen.

Manchmal braucht es dafür nicht noch mehr Druck, sondern einen anderen Zugang. Einen Menschen, der zuhört, Zusammenhänge erkennt und dem Jugendlichen zutraut, neue Wege zu gehen.

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Wut verstehen, Gewalt begrenzen, Veränderung ermöglichen

Aggressionen in der Pubertät sind kein Thema, das Eltern einfach aussitzen müssen. Ebenso wenig lässt sich jeder Konflikt durch strengere Regeln lösen. Entscheidend ist die Verbindung aus Verständnis, klaren Grenzen und konkreten Möglichkeiten zur Veränderung. Ein Jugendlicher darf wütend sein. Er muss aber lernen, mit seiner Wut umzugehen, ohne andere zu verletzen. Genau dabei können Eltern, Schule und gegebenenfalls professionelle Fachkräfte ihn unterstützen.

Wenn Sie Unterstützung im Umgang mit Aggressionen, Wutausbrüchen oder familiären Konflikten suchen, finden Sie weitere Informationen zu meiner Arbeit auf DER JUGENDCOACH.

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Markus Knauth arbeitet seit 25 Jahren mit Jugendlichen und Familien. Als DER JUGENDCOACH begleitet er junge Menschen bei persönlichen, schulischen und familiären Herausforderungen und unterstützt Eltern dabei, wieder Orientierung und Handlungsmöglichkeiten zu gewinnen.

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Erziehungshilfe bei auffälligem Verhalten im Jugendalter: Wenn Eltern nicht mehr weiterwissen

Ihr Jugendlicher zieht sich zurück, verweigert die Schule, reagiert aggressiv oder verbringt nahezu jede freie Minute am Handy? Vielleicht eskalieren Gespräche inzwischen regelmäßig, und Sie fragen sich, ob das noch zur Pubertät gehört oder ob Ihre Familie professionelle Unterstützung benötigt.

Auffälliges Verhalten im Jugendalter kann Eltern stark verunsichern. Gleichzeitig ist es wichtig, nicht vorschnell aus einem schwierigen Verhalten auf einen „schwierigen Jugendlichen“ zu schließen. Häufig lohnt sich ein genauer Blick darauf, was hinter dem Verhalten steckt und welche Funktion es im Alltag des jungen Menschen erfüllt.

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Was bedeutet auffälliges Verhalten bei Jugendlichen?

Der Begriff „auffälliges Verhalten“ beschreibt zunächst, dass ein Verhalten deutlich von Erwartungen abweicht oder im Alltag zu Schwierigkeiten führt. Er ist jedoch keine Diagnose. Was Erwachsene als auffällig erleben, kann für Jugendliche ein Versuch sein, mit Überforderung, Konflikten oder belastenden Gefühlen umzugehen.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Aggressives Verhalten, Wutausbrüche oder häufige Konflikte

  • Schulverweigerung, Rückzug oder starke Motivationsprobleme

  • Übermäßiger Medienkonsum und Schwierigkeiten, Grenzen einzuhalten

  • Regelverstöße, Weglaufen oder riskantes Verhalten

  • Auffällige Veränderungen im sozialen Kontakt oder im Familienleben

Entscheidend ist nicht allein, was ein Jugendlicher tut, sondern auch, wie häufig, wie lange und mit welchen Folgen das Verhalten auftritt.

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Welche Ursachen können hinter dem Verhalten stecken?

Auffälliges Verhalten entsteht selten durch einen einzigen Auslöser. Pubertäre Entwicklungsaufgaben, familiäre Spannungen, schulischer Druck, Mobbing, belastende Erfahrungen oder psychische Schwierigkeiten können zusammenwirken. Auch fehlende Perspektiven und das Gefühl, keinen Einfluss auf das eigene Leben zu haben, können eine Rolle spielen.

Deshalb beginnt wirksame Erziehungshilfe nicht mit der Frage: „Wie bekommen wir dieses Verhalten weg?“, sondern mit der Frage: „Was müssen wir verstehen, damit Veränderung möglich wird?“ Ein Jugendlicher, der morgens nicht mehr zur Schule geht, braucht möglicherweise etwas anderes als ein Jugendlicher, der ständig Grenzen überschreitet. Beide Verhaltensweisen können ähnlich belastend sein, aber unterschiedliche Ursachen und Lösungen haben.

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Wann sollten Eltern professionelle Hilfe suchen?

Unterstützung ist sinnvoll, wenn Konflikte dauerhaft eskalieren, der Schulbesuch erheblich beeinträchtigt ist, ein Jugendlicher sich zunehmend isoliert oder Eltern das Gefühl haben, die Situation allein nicht mehr bewältigen zu können. Sie müssen nicht warten, bis eine Krise vollständig eskaliert.

Bei Hinweisen auf Selbstgefährdung, Suizidgedanken, schwere Gewalt oder eine akute psychische Krise ist dagegen eine zeitnahe beziehungsweise sofortige fachliche Abklärung erforderlich. Coaching ersetzt in solchen Situationen keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung.

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Welche Erziehungshilfen gibt es für Jugendliche und Familien?

In Deutschland können Eltern und junge Menschen Unterstützung durch die Kinder- und Jugendhilfe erhalten. Welche Hilfe geeignet ist, hängt vom individuellen Bedarf ab. Zu den ambulanten Hilfen gehören beispielsweise Erziehungsberatung, Erziehungsbeistandschaft und sozialpädagogische Familienhilfe.

Eine Erziehungsbeistandschaft kann einen Jugendlichen dabei unterstützen, persönliche Schwierigkeiten zu bewältigen und seine Entwicklung zu fördern. Sozialpädagogische Familienhilfe richtet den Blick stärker auf das gesamte Familiensystem und unterstützt bei Erziehungsaufgaben, Alltagsproblemen und Konflikten. Auch andere Hilfen können infrage kommen, wenn sie dem Bedarf entsprechen.

Der Zugang erfolgt häufig über das zuständige Jugendamt. Dort wird gemeinsam mit der Familie geprüft, welche Unterstützung geeignet und notwendig ist. Erziehungshilfe bedeutet dabei nicht automatisch eine Unterbringung außerhalb der Familie. Viele Hilfen finden ambulant statt und begleiten Jugendliche in ihrem gewohnten Lebensumfeld.

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Wie arbeitet DER JUGENDCOACH bei auffälligem Verhalten?

In meiner Arbeit als Jugendcoach steht zunächst die Beziehung zum jungen Menschen im Mittelpunkt. Ich möchte verstehen, wie er seine Situation erlebt, welche Belastungen bestehen und welche Fähigkeiten bereits vorhanden sind. Gleichzeitig beziehe ich die Eltern und – soweit sinnvoll – das weitere Umfeld ein. Es geht nicht darum, Jugendliche durch Druck „funktionieren“ zu lassen. Ziel ist es, gemeinsam Orientierung zu schaffen, Konflikte besser zu verstehen und konkrete Schritte zu entwickeln, die im Alltag umsetzbar sind.

Dazu können Gespräche mit dem Jugendlichen, Elterncoaching, die Entwicklung neuer Tagesstrukturen, schulische Perspektiven oder praktische Aufgaben gehören. Gerade Jugendliche, die über Gespräche nur schwer erreichbar sind, profitieren manchmal davon, neue Erfahrungen zu machen und eigene Selbstwirksamkeit zu erleben.

Ein junger Mensch ist mehr als sein auffälliges Verhalten. Wer seine Lebenswelt versteht, kann häufig auch neue Wege für Veränderung erkennen.

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Was können Eltern selbst tun?

Versuchen Sie, zwischen Ihrem Kind und seinem Verhalten zu unterscheiden. Klare Grenzen bleiben wichtig, doch sie sollten mit einer verlässlichen Beziehung verbunden sein. Sprechen Sie möglichst in ruhigen Momenten über Schwierigkeiten und fragen Sie nicht nur nach dem Fehlverhalten, sondern auch nach Belastungen und Bedürfnissen.

Hilfreich ist außerdem, kleine Fortschritte wahrzunehmen. Nicht jede Veränderung beginnt mit besseren Schulnoten oder weniger Streit. Manchmal ist der erste Schritt, dass ein Jugendlicher wieder eine Aufgabe übernimmt, ein Gespräch zulässt oder selbst eine neue Idee entwickelt.

Wenn Sie merken, dass Sie sich im Kreis drehen, kann ein Blick von außen helfen. Unterstützung anzunehmen ist kein Zeichen gescheiterter Erziehung, sondern eine Möglichkeit, neue Handlungsspielräume zu schaffen.

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Erziehungshilfe in Augsburg und Umgebung

Als DER JUGENDCOACH begleite ich Jugendliche und Eltern bei persönlichen, schulischen und familiären Herausforderungen. Meine Arbeit umfasst Einzelcoaching, Elterncoaching und – im Rahmen entsprechender Vereinbarungen – ambulante Hilfen zur Erziehung.

Wenn Sie sich fragen, welche Unterstützung für Ihre Familie sinnvoll sein könnte, können wir in einem ersten Gespräch gemeinsam auf die Situation schauen und mögliche nächste Schritte besprechen.

Kontakt zu DER JUGENDCOACH aufnehmen 

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Markus Knauth arbeitet seit 25 Jahren mit Jugendlichen und Familien. Als DER JUGENDCOACH begleitet er junge Menschen bei persönlichen, schulischen und familiären Herausforderungen und unterstützt Eltern dabei, wieder Orientierung und Handlungsmöglichkeiten zu gewinnen.

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Schulverweigerung verstehen: Hilfe für verzweifelte Eltern

Ihr Kind will nicht mehr zur Schule? Erfahren Sie , was hinter Schulverweigerung stecken kann, wie Sie als Mutter oder Vater reagieren können und welche Hilfe jetzt sinnvoll ist.

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„Ich gehe da nicht mehr hin.“

Vielleicht fällt dieser Satz morgens zwischen Frühstück und Haustür. Vielleicht beginnt der Streit schon am Sonntagabend. Ihrn Kind klagt über Bauchschmerzen, zieht sich zurück oder bleibt einfach im Bett. Sie versuchen zu erklären, zu motivieren, zu verhandeln. Irgendwann werden Sie laut. Danach fühlen Sie sich schlecht. Und am nächsten Morgen beginnt alles von vorn.

Für Eltern kann Schulverweigerung zu einer enormen Belastung werden. Die Sorge um den Schulabschluss, die Angst vor weiteren Fehlzeiten und die Frage, wie es mit dem eigenen Kind weitergehen soll, stehen plötzlich im Mittelpunkt des Familienlebens.

Als DER JUGENDCOACH ist mir dabei eine Frage besonders wichtig: Was macht den Schulbesuch für diesen jungen Menschen gerade so schwierig? Denn Schulverweigerung ist zunächst eine Beschreibung des Verhaltens – noch keine Erklärung für seine Ursache.

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Was bedeutet Schulverweigerung?

Wenn ein Kind oder Jugendlicher wiederholt nicht zur Schule geht, sprechen Fachleute häufig von Schulabsentismus. Dahinter können sehr unterschiedliche Gründe stehen. Angst vor Prüfungen, Mobbing, Konflikte mit Lehrkräften, Trennungsängste, psychische Belastungen, Lernschwierigkeiten oder auch ein bewusstes Fernbleiben vom Unterricht können eine Rolle spielen. Deshalb ist es wichtig, nicht jedes Kind, das der Schule fernbleibt, vorschnell als „Schulschwänzer“ einzuordnen. Ebenso wenig sollte jede Schulverweigerung automatisch als Angststörung verstanden werden. Entscheidend ist, die Hintergründe sorgfältig zu klären.

Nicht jedes Kind, das nicht zur Schule geht, kann gerade nicht. Aber auch nicht jedes Kind, das nicht geht, will einfach nur nicht.

Diese Unterscheidung verändert die Art, wie wir helfen.

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Warum verweigert mein Kind die Schule?

Die Ursachen sind häufig vielschichtig. Manchmal lässt sich ein konkreter Auslöser erkennen. In anderen Fällen entwickelt sich die Schulverweigerung über längere Zeit.

1. Schulangst und Leistungsdruck

Manche Jugendliche erleben Schule vor allem als Ort, an dem sie bewertet werden. Klassenarbeiten, Referate, schlechte Noten oder die Angst, vor anderen Fehler zu machen, können zu erheblichem Druck führen. Wenn zusätzlich Lernschwierigkeiten bestehen, kann sich ein Kreislauf aus Überforderung, Misserfolg und Vermeidung entwickeln.

2. Mobbing und soziale Ausgrenzung

Für andere ist nicht der Unterricht das größte Problem, sondern das, was davor, danach oder in den Pausen geschieht. Ausgrenzung, Demütigungen, Konflikte in der Klasse oder belastende Klassenchats können dazu führen, dass sich ein junger Mensch in der Schule nicht mehr sicher fühlt.

3. Psychische Belastungen

Auch Ängste, depressive Symptome oder andere psychische Probleme können den Schulbesuch erschweren. Wiederkehrende Bauch- oder Kopfschmerzen, Übelkeit und starke Anspannung können dabei echte körperliche Ausdrucksformen einer Belastung sein. Sie sollten ernst genommen und medizinisch abgeklärt werden.

4. Familiäre und persönliche Herausforderungen

Manchmal liegen die Schwierigkeiten nicht ausschließlich in der Schule. Belastungen zu Hause, Trennungsängste, fehlende Tagesstruktur oder persönliche Krisen können ebenfalls eine Rolle spielen. Häufig wirken mehrere Faktoren zusammen.

5. Fehlende Motivation und Vermeidung

Es gibt auch Jugendliche, die dem Unterricht fernbleiben, weil andere Aktivitäten attraktiver erscheinen oder sie keinen Sinn mehr in der Schule sehen. Auch dann reicht es meist nicht, ausschließlich über Strafen zu sprechen. Es braucht klare Erwartungen, aber ebenso die Frage, welche Perspektive und welche Form von Unterstützung dem jungen Menschen helfen können.

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Was können Eltern bei Schulverweigerung tun?

Wenn Ihr Kind nicht mehr zur Schule gehen möchte, ist es verständlich, dass Sie schnell eine Lösung suchen möchten. Doch die erste Aufgabe besteht darin, die Situation zu verstehen und gleichzeitig handlungsfähig zu bleiben. 5 Tipps, wie das gelingen kann:

1. Nimm die Belastung ernst, ohne das Fernbleiben einfach laufen zu lassen. Ein Kind mit Schulangst braucht keine Beschämung. Gleichzeitig kann dauerhaftes Vermeiden die Rückkehr erschweren. Verständnis und klare Orientierung gehören deshalb zusammen.

2. Suche das Gespräch außerhalb des morgendlichen Konflikts. Frage nicht nur: „Warum gehst du nicht?“ Hilfreicher können Fragen sein wie: „Was ist morgens am schlimmsten?“, „Was müsste sich ändern, damit Schule wieder möglich wird?“ oder „Gibt es jemanden in der Schule, bei dem du dich sicher fühlst?“

3. Nimm frühzeitig Kontakt zur Schule auf. Klassenleitung, Schulsozialarbeit, Beratungslehrkräfte und Schulpsychologie können helfen, die Situation einzuordnen. Wichtig ist ein gemeinsamer Blick auf die Ursachen statt gegenseitiger Schuldzuweisungen.

4. Lass wiederkehrende körperliche Beschwerden abklären. Wenn dein Kind häufig über Schmerzen, Übelkeit oder andere Beschwerden klagt, sollte eine Kinder- oder Jugendärztin beziehungsweise ein Kinder- oder Jugendarzt einbezogen werden. Bestehen Hinweise auf eine psychische Belastung, kann eine kinder- und jugendpsychiatrische oder psychotherapeutische Abklärung sinnvoll sein.

5. Entwickelt einen konkreten Rückkehrplan. Je nach Ursache kann eine schrittweise Rückkehr, eine verlässliche Bezugsperson in der Schule, die Anpassung einzelner Anforderungen oder eine therapeutisch begleitete Strategie hilfreich sein. Bei Mobbing muss zunächst auch die Sicherheit des Kindes berücksichtigt werden. Ein guter Plan ist individuell und wird mit den beteiligten Fachkräften abgestimmt.

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Wenn Ihr Kind schon wochenlang nicht mehr zur Schule geht

Je länger ein Jugendlicher fehlt, desto größer können die Hürden für die Rückkehr werden. Unterrichtsstoff fehlt, soziale Kontakte verändern sich und die Angst vor dem ersten Tag zurück kann wachsen. Gerade dann sollte die Familie nicht versuchen, das Problem allein zu lösen. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Eltern, Schule, schulpsychologischer Beratung und gegebenenfalls medizinischen oder therapeutischen Fachkräften ist sinnvoll. Auch die Jugendhilfe kann unterstützen, wenn die familiäre Situation und die schulische Entwicklung umfassendere Begleitung benötigen.

Das Ziel ist nicht, dein Kind möglichst schnell wieder durch die Schultür zu bekommen. Das Ziel ist eine Rückkehr, die tragfähig ist.

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Was Eltern besser vermeiden sollten

Ständiges Drohen, Beschämen oder der Satz „Du musst dich einfach zusammenreißen“ helfen bei einer angstbedingten Schulverweigerung in der Regel nicht weiter. Ebenso wenig ist es sinnvoll, über Wochen nur abzuwarten, während sich das Fernbleiben verfestigt. Wichtig ist die Balance: Die Not des Kindes ernst nehmen, ohne die Verantwortung für seine Entwicklung aufzugeben.

Eltern dürfen klare Erwartungen haben. Sie dürfen Hilfe einfordern. Und sie müssen nicht jede Auseinandersetzung allein bewältigen.

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Welche Hilfe gibt es bei Schulverweigerung?

Ein guter erster Schritt kann die Schulberatung oder eine Erziehungsberatungsstelle sein. Bei körperlichen Beschwerden oder dem Verdacht auf eine psychische Erkrankung sollten medizinische beziehungsweise psychotherapeutische Fachkräfte hinzugezogen werden. Wenn die Schwierigkeiten bereits länger bestehen, kann eine abgestimmte Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe sinnvoll sein.

Für Familien in Augsburg und Umgebung gibt es außerdem spezialisierte Angebote, beispielsweise die Ambulanz für Schulprobleme am Josefinum. Dort werden Kinder und Jugendliche mit Schulangst, Schulvermeidung und anderen Schulproblemen unterstützt.

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Wie ich als DER JUGENDCOACH unterstütze

In meiner Arbeit mit Jugendlichen und Eltern geht es nicht darum, junge Menschen einfach wieder „funktionieren“ zu lassen. Ich möchte verstehen, welche Zusammenhänge zu einer schwierigen Situation geführt haben und welche Schritte tatsächlich Veränderung ermöglichen. Dazu gehört, mit dem Jugendlichen ins Gespräch zu kommen, seine Perspektive ernst zu nehmen und gemeinsam mit den Eltern nach Lösungen zu suchen. Je nach Situation können auch Schule, Jugendhilfe und weitere Fachstellen einbezogen werden. Manchmal braucht ein junger Mensch zunächst wieder die Erfahrung: Ich kann etwas bewirken. Ich kann eine Herausforderung bewältigen. Ich bin mehr als meine Fehlzeiten oder meine letzte schlechte Note.

Schule ist wichtig. Aber der junge Mensch ist wichtiger als sein aktuelles Schulproblem.

Häufige Fragen zur Schulverweigerung

1. Mein Kind will nicht zur Schule – was soll ich morgen früh tun?

Bleibe möglichst ruhig, nimm Beschwerden ernst und vermeide einen eskalierenden Machtkampf. Informiere die Schule entsprechend den geltenden Regeln, wenn dein Kind nicht teilnehmen kann. Wenn sich die Situation wiederholt, vereinbare zeitnah ein Gespräch mit der Schule und lasse mögliche gesundheitliche Ursachen abklären.

2. Ist Schulverweigerung eine psychische Erkrankung?

Nein, Schulverweigerung ist zunächst ein Verhalten beziehungsweise ein Oberbegriff für unterschiedliche Formen des Fernbleibens. Eine Angststörung, Depression oder andere psychische Erkrankung kann dahinterstehen, muss aber nicht. Die Ursachen sollten individuell abgeklärt werden.

3. Soll ich mein Kind bei Schulangst zu Hause lassen?

Eine pauschale Antwort wäre nicht seriös. Dauerhaftes Vermeiden kann Ängste verstärken, doch ein Kind mit schwerer Belastung oder akuter Gefährdung einfach zum Schulbesuch zu zwingen, ist ebenfalls keine angemessene Lösung. Entscheidend ist eine fachlich abgestimmte Strategie, die Sicherheit, Behandlung und Rückkehr berücksichtigt.

4. Wann sollte ich professionelle Hilfe suchen?

Wenn die Fehlzeiten zunehmen, körperliche Beschwerden regelmäßig auftreten, dein Kind stark leidet oder die Familie die Situation nicht mehr bewältigen kann, solltest du frühzeitig Unterstützung suchen. Bei Hinweisen auf eine psychische Erkrankung ist eine entsprechende fachliche Abklärung wichtig.

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Sie müssen die Situation nicht allein lösen

Wenn Ihr Kind die Schule verweigert, brauchen Sie nicht noch mehr Vorwürfe, sondern einen klaren Blick auf die Situation und einen Weg, der zu Ihrem Kind passt. Wenn Sie Unterstützung im Jugendcoaching oder Elterncoaching suchen, können Sie sich gerne an mich wenden. Gemeinsam schauen wir, was hinter der Schulverweigerung steckt und welche nächsten Schritte sinnvoll sind. Termin buchen Sie bitte über meine Website.

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Markus Knauth arbeitet seit 25 Jahren mit Jugendlichen und Familien. Als DER JUGENDCOACH begleitet er junge Menschen bei persönlichen, schulischen und familiären Herausforderungen und unterstützt Eltern dabei, wieder Orientierung und Handlungsmöglichkeiten zu gewinnen.

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Ich wollte eigentlich AM PULS DER ZEIT sein….

…. also habe ich mich am Wochenende bei TikTok angemeldet.

Als DER JUGENDCOACH bin ich seit vielen Jahren in sozialen Medien unterwegs. Jugendliche leben selbstverständlich auch digital, und wenn ich ihre Lebenswelt verstehen will, kann ich mich nicht grundsätzlich aus dieser Welt zurückziehen. Instagram gehört längst zu meiner Arbeit, dort erreiche ich junge Menschen, Eltern und Fachkräfte. Deshalb erschien es mir eigentlich nur logisch, nun auch TikTok dazuzunehmen. Mein Gedanke war: Wenn so viele Jugendliche dort sind, dann sollte vielleicht auch jemand dort sein, der ihnen Orientierung, Motivation und etwas Sinnvolles mitgibt.

Nach nun einem Tag habe ich die App wieder gelöscht und anschließend auch die TikTok-Links von meinen Websites entfernt.

Nicht, weil auf TikTok ausschließlich Unsinn stattfindet – das wäre falsch und unfair. Natürlich gibt es dort kreative Menschen, gute Bildungsangebote, Humor, Musik, gesellschaftliche Diskussionen und Inhalte, von denen Jugendliche profitieren können, aber das, was mir innerhalb kürzester Zeit in meinem Feed begegnete, hat mich ehrlich gesagt erschreckt. Belanglosigkeiten. Provokationen. Menschen, die sich für ein paar Sekunden Aufmerksamkeit selbst inszenieren. Clips, deren einziger erkennbarer Sinn darin bestand, angeschaut zu werden. Grenzüberschreitungen, sexualisierte Darstellungen, gegenseitiges Bloßstellen und immer wieder Inhalte, bei denen ich mich fragte:

Warum verbringe ich gerade Lebenszeit damit?

Und genau diese Frage ist für mich viel wichtiger als die Frage, ob TikTok „gut“ oder „schlecht“ ist.

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Das eigentliche Produkt ist unsere Aufmerksamkeit

TikTok versteht sehr gut, was Menschen dazu bringt, weiterzuschauen. Ein Video dauert vielleicht nur einige Sekunden. Danach kommt das nächste. Und das nächste. Es gibt keinen natürlichen Schlusspunkt. Kein „Kapitel beendet“. Kein Ende einer Seite. Einfach weiterwischen.

Im Februar 2026 hat die Europäische Kommission genau dieses Thema aufgegriffen. Sie kam in ihrer Untersuchung vorläufig zu dem Ergebnis, dass TikTok mit seinem Design gegen Vorgaben des europäischen Digital Services Act verstoßen könnte. Genannt werden ausdrücklich der unendliche Feed, Autoplay, Push-Benachrichtigungen und das hochgradig personalisierte Empfehlungssystem. Nach Einschätzung der Kommission können diese Mechanismen zwanghaftes Nutzungsverhalten fördern und die Selbstkontrolle beeinträchtigen – besonders relevant ist das für Minderjährige und andere vulnerable Nutzergruppen.

Das bedeutet nicht, dass jeder Mensch, der TikTok benutzt, abhängig wird, aber wir sollten aufhören so zu tun, als sei es Zufall, wenn wir eigentlich nur fünf Minuten schauen wollten und eine halbe Stunde später immer noch durch Videos scrollen. Die Plattform möchte unsere Aufmerksamkeit, denn Aufmerksamkeit ist im digitalen Zeitalter eine Währung.

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Der Algorithmus zeigt dir nicht unbedingt, was gut für dich ist

Besonders kritisch sehe ich als Jugendcoach die Funktionsweise des „Für dich“-Feeds. Der Algorithmus lernt aus unserem Verhalten: Was schauen wir lange an? Was überspringen wir? Was sehen wir mehrfach? Worauf reagieren wir? Und daraus entsteht innerhalb kurzer Zeit eine immer stärker personalisierte Welt. Das kann faszinierend sein – es kann aber auch problematisch werden.

Amnesty International untersuchte beispielsweise, was geschieht, wenn Testkonten von Jugendlichen Interesse an psychisch belastenden Inhalten zeigen. Bereits frühere Untersuchungen zeigten, dass solche Accounts sehr schnell in sogenannte „Rabbit Holes“ gelangen können – also eine Spirale immer ähnlicherer Inhalte. In einer 2025 veröffentlichten Untersuchung mit jugendlichen Testkonten in Frankreich tauchten innerhalb weniger Stunden Inhalte auf, die Depression, Selbstverletzung oder Suizid thematisierten oder teilweise romantisierten.

Das halte ich für einen entscheidenden Punkt: Ein Algorithmus fragt nicht zuerst „Was tut diesem jungen Menschen langfristig gut?“, sondern er versucht vorherzusagen: „Was hält diesen Menschen auf der Plattform?“ Das ist ein erheblicher Unterschied.

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Jugendliche sind für solche Mechanismen besonders empfänglich

Das hat nichts damit zu tun, Jugendliche für unmündig zu erklären. Jugendliche befinden sich schlicht in einer Entwicklungsphase, in der Anerkennung, Zugehörigkeit, soziale Rückmeldung und unmittelbare Belohnungen eine enorme Bedeutung besitzen. Die American Psychological Association weist deshalb darauf hin, dass bestimmte Funktionen sozialer Netzwerke – darunter Likes, empfohlene Inhalte und endloses Scrollen – bei Jugendlichen besonders sorgfältig betrachtet werden müssen. Gleichzeitig entwickelt sich die Fähigkeit zur Selbstregulation noch bis ins Erwachsenenalter weiter. Genau deshalb finde ich einen Satz problematisch, den Erwachsene gerne benutzen: „Dann sollen sie halt einfach das Handy weglegen.“ So einfach ist es nicht!

Wenn auf der anderen Seite hochprofessionelle Systeme arbeiten, deren Aufgabe darin besteht, Aufmerksamkeit möglichst lange zu halten, können wir die komplette Verantwortung nicht bei einem 13-, 14- oder 15-jährigen Jugendlichen abladen. Wir müssen ihnen beibringen, diese Mechanismen zu verstehen. Und natürlich existieren problematische Mechanismen nicht ausschließlich bei TikTok. Auch andere soziale Netzwerke arbeiten mit algorithmischen Feeds, Autoplay, Empfehlungen und Endlos-Scrolling. Im Juli 2026 äußerte die Europäische Kommission beispielsweise ähnliche vorläufige Bedenken zum suchterzeugenden Design von Instagram und Facebook.

Es wäre deshalb zu einfach, TikTok zum alleinigen Bösewicht der digitalen Welt zu erklären – darum geht es mir auch gar nicht!

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ABER: „Ich entscheide selbst, was ich in mein Leben lasse.“

Das ist der Satz, der mir nach diesem Wochenende geblieben ist: Welche Menschen, welche Gedanken, welche Nachrichten, welche Bilder, welche Töne und Geräusche – letztlich welche Apps. Und auch, womit ich meine begrenzte Lebenszeit verbringe.

Wir reden mit Jugendlichen häufig darüber, Grenzen gegenüber anderen Menschen zu setzen. Vielleicht müssen wir ihnen viel stärker vermitteln, dass sie auch gegenüber digitalen Angeboten Grenzen setzen dürfen. Nicht alles, was verfügbar ist, muss konsumiert werden. Nicht überall, wo Millionen Menschen sind, muss ich ebenfalls sein. Nicht jeder Trend verdient meine Aufmerksamkeit. Und nicht jede Plattform braucht einen Platz in meinem Leben.

Für mich persönlich war deshalb nach einem Tag klar: TikTok bekommt diesen Platz nicht.

Das ist keine Forderung, TikTok zu verbieten. Es ist auch keine Verurteilung der Menschen, die dort gerne unterwegs sind. Es ist schlicht meine Entscheidung. Und vielleicht ist genau das eine Fähigkeit, die wir jungen Menschen heute stärker vermitteln sollten: Nicht nur zu lernen, wie man mit der digitalen Welt umgeht, sondern immer wieder innezuhalten und sich zu fragen: Tut mir das, was ich gerade jeden Tag in mein Leben lasse, eigentlich gut?

Und wenn die Antwort „Nein“ lautet, gibt es manchmal eine erstaunlich einfache Möglichkeit: Löschen.

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Markus Knauth arbeitet seit 25 Jahren mit Jugendlichen und Familien. In den vergangenen Jahren beschäftigt er sich in seiner Arbeit als Jugendcoach zunehmend mit den Auswirkungen sozialer Medien auf junge Menschen. In Blogbeiträgen, Workshops und Coachings geht es dabei unter anderem um Mediennutzung, Selbstwahrnehmung, Aufmerksamkeit, soziale Vergleiche und einen bewussten Umgang mit digitalen Angeboten.
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(Bilderstellung mit KI)

Jeder siebte Azubi mit besorgniserregend schlechtem Wohlbefinden – was läuft da schief?

Der Übergang von der Schule in die Ausbildung gilt eigentlich als wichtiger Schritt ins Erwachsenenleben. Zum ersten Mal eigenes Geld verdienen, Verantwortung übernehmen, einen Beruf lernen und erleben, dass man gebraucht wird.

Für viele junge Menschen funktioniert genau das auch. Eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung und des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt sogar: Rund 90 Prozent der befragten Auszubildenden sind grundsätzlich mit ihrer Ausbildung zufrieden. Gleichzeitig zeigt die Untersuchung aber eine zweite Realität, die wir nicht übersehen dürfen. Rund jeder siebte Auszubildende berichtet von einem besorgniserregend schlechten Wohlbefinden. Knapp 20 Prozent fühlen sich durch ihre Ausbildung häufig oder fast immer emotional belastet. Und unter denjenigen, deren Wohlbefinden stark eingeschränkt ist, denken fast drei Viertel ernsthaft darüber nach, ihre Ausbildung abzubrechen. Das sind Zahlen, bei denen wir genauer hinschauen sollten.

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Die Ausbildung ist nicht automatisch die Ursache

Ein Punkt der Untersuchung ist mir dabei besonders wichtig. Die Autorinnen und Autoren weisen ausdrücklich darauf hin, dass psychische Belastungen bereits vor Beginn einer Ausbildung vorhanden sein können. Das deckt sich mit dem, was ich in meiner Arbeit mit Jugendlichen immer wieder erlebe. Ein junger Mensch beginnt seine Ausbildung nicht mit einem völlig unbelasteten Rucksack. Er nimmt seine bisherigen Erfahrungen mit. Schulische Misserfolge. Konflikte in der Familie. Trennungen. Einsamkeit. Unsicherheit über die eigene Zukunft. Schwierigkeiten mit dem eigenen Selbstwert. Leistungsdruck. Erfahrungen mit Ausgrenzung. Vielleicht auch psychische Belastungen, die bislang noch niemand wirklich wahrgenommen hat. In der Schule lassen sich manche Schwierigkeiten noch irgendwie kompensieren. Dann beginnt die Ausbildung – und plötzlich verändern sich die Anforderungen grundlegend.

Pünktlich sein. Acht Stunden durchhalten. Kritik aushalten. Verantwortung übernehmen. Mit Kolleginnen und Kollegen zurechtkommen. Hierarchien akzeptieren. Fehler eingestehen. Berufsschule bewältigen. Früh aufstehen. Selbstständig organisieren. Was vorher noch einigermaßen funktioniert hat, kann dann sichtbar werden. Deshalb wäre es zu einfach, bei diesen Zahlen sofort zu sagen: „Die Betriebe machen unsere Jugendlichen krank.“ Die Wirklichkeit ist komplexer.

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Trotzdem müssen wir über Ausbildungsbedingungen sprechen

Denn ebenso falsch wäre die entgegengesetzte Schlussfolgerung: Wenn Belastungen vorher vorhanden waren, hätten Ausbildungsbetriebe damit nichts zu tun. Die Studie zeigt, dass unter den jungen Menschen, die bereits über einen Ausbildungsabbruch nachgedacht oder eine Ausbildung vorzeitig beendet haben, 39,6 Prozent psychische Belastungen als Grund nennen.

  • 33,1 Prozent berichten, dass die Ausbildung völlig anders war, als sie es sich vorgestellt hatten.
  • 31,2 Prozent waren mit den Lern- und Arbeitsbedingungen unzufrieden.
  • 30,8 Prozent empfanden ihre Work-Life-Balance als schlecht.

Hier sollten Ausbildungsbetriebe aufmerksam werden, denn insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene brauchen zu Beginn ihres Berufslebens nicht ausschließlich jemanden, der ihnen erklärt, wie eine Maschine funktioniert, wie eine Rechnung geschrieben wird oder wie ein Arbeitsablauf organisiert werden muss. Sie brauchen Menschen, die sie in die Arbeitswelt hineinführen. Das ist ein Unterschied.

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Ausbildung bedeutet auch Beziehung

Ein guter Ausbilder vermittelt nicht nur Fachwissen. Er gibt Orientierung, er erklärt Regeln, statt ausschließlich auf deren Einhaltung zu bestehen und er korrigiert Fehler, ohne den Menschen dahinter abzuwerten. Er erkennt, wenn sich jemand verändert. Und er kann irgendwann auch einmal die einfache Frage stellen: „Wie geht es dir eigentlich gerade?“ Das klingt banal. Für einen jungen Menschen kann diese Frage enorm viel bedeuten.

Gerade deshalb finde ich einen weiteren Befund der Studie bemerkenswert: Mehr als ein Drittel der jungen Menschen spricht vorhandene Belastungen aus Angst vor möglichen Nachteilen im Betrieb nicht an. Gleichzeitig bewerten viele Auszubildende betriebliche Ansprechpartner, Unterstützung beim Umgang mit Stress und Konflikten sowie externe Beratungsangebote als hilfreich. Damit wird aus meiner Sicht ziemlich deutlich, worum es geht. Nicht jeder Ausbildungsbetrieb braucht einen Psychologen, aber jeder Ausbildungsbetrieb braucht eine Kultur, in der ein junger Mensch sagen darf: „Ich komme gerade nicht klar.“ Ohne sofort befürchten zu müssen, als ungeeignet, schwach oder unmotiviert abgestempelt zu werden.

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Junge Menschen brauchen Verantwortung – aber auch Begleitung

Dabei sollten wir aufpassen, nicht in die andere Richtung zu übersteuern. Jugendliche wachsen nicht daran, dass wir ihnen jede Belastung abnehmen. Eine Ausbildung darf anstrengend sein. Ein Arbeitstag darf auch einmal nerven. Ein Ausbilder darf Erwartungen stellen. Man muss lernen, morgens aufzustehen, Termine einzuhalten, Kritik auszuhalten und Aufgaben zu erledigen, auf die man gerade keine Lust hat. Das gehört zum Erwachsenwerden. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: „Wie verhindern wir jede Belastung?, sondern: „Wie helfen wir jungen Menschen dabei, mit Belastungen umgehen zu lernen, ohne sie damit allein zu lassen?“ Genau dort beginnt Entwicklung.

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Ein Ausbildungsabbruch fällt selten vom Himmel

In meiner Arbeit als Jugendcoach erlebe ich immer wieder, dass Erwachsene häufig erst reagieren, wenn ein Jugendlicher sagt: „Ich kündige.“ Doch zu diesem Zeitpunkt hat meistens längst eine Entwicklung stattgefunden. Die Motivation sinkt. Der Jugendliche zieht sich zurück. Er schläft schlechter. Fehlzeiten nehmen zu. Sonntagabend entsteht bereits Druck wegen Montagmorgen. Konflikte mit dem Ausbilder oder Kollegen häufen sich. Und irgendwann wird aus dem Gedanken „Ich halte das nicht mehr lange aus“ die Entscheidung: „Ich höre auf.“ Deshalb ist Prävention wesentlich sinnvoller als Krisenmanagement. Nicht jeder schlechte Tag ist eine psychische Krise. Nicht jede Überforderung braucht therapeutische Hilfe. Aber Veränderungen sollten wahrgenommen werden.

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Auch Eltern bleiben wichtig

Mit dem Beginn einer Ausbildung verändert sich die Rolle der Eltern. Der Jugendliche wird selbstständiger. Vielleicht verdient er zum ersten Mal eigenes Geld. Vielleicht möchte er verständlicherweise nicht mehr jeden Arbeitstag mit Mama oder Papa besprechen. Trotzdem endet Elternschaft nicht mit der Unterschrift unter dem Ausbildungsvertrag. Eltern können beobachten. Nicht kontrollieren – beobachten!

  • Kommt mein Sohn permanent erschöpft nach Hause?
  • Zieht sich meine Tochter zunehmend zurück?
  • Hat sich ihre Stimmung deutlich verändert?
  • Spricht sie ständig davon, nichts zu können?
  • Entstehen körperliche Beschwerden vor der Arbeit?
  • Oder ist es vielleicht schlicht ein normaler Konflikt, den ein junger Mensch selbst lösen lernen muss?

Gerade diese Unterscheidung ist wichtig. Nicht jede Schwierigkeit verlangt ein Eingreifen. Aber echte Belastung sollte auch nicht mit dem Satz abgetan werden: „Lehrjahre sind keine Herrenjahre.“ Dieser Satz hat schon viele Generationen begleitet. Er beantwortet nur leider keine einzige Frage darüber, wie gute Ausbildung heute aussehen sollte.

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Wir verlieren sonst genau die jungen Menschen, die wir dringend brauchen

Deutschland diskutiert seit Jahren über Fachkräftemangel. Unternehmen suchen Auszubildende. Ausbildungsplätze bleiben teilweise unbesetzt. Gleichzeitig brechen junge Menschen Ausbildungen ab oder überlegen ernsthaft, dies zu tun. Die Bertelsmann Stiftung und das IW weisen darauf hin, dass ein Ausbildungsabbruch für Unternehmen im Durchschnitt bereits investierte Ressourcen in einer Größenordnung von rund 20.000 Euro kosten kann. Gleichzeitig steigt für junge Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung das Risiko schwierigerer beruflicher Perspektiven. Man kann das also wirtschaftlich betrachten.

Ich würde trotzdem einen Schritt früher anfangen: Hinter jedem Ausbildungsabbruch steht ein junger Mensch. Vielleicht hat er den falschen Beruf gewählt. Vielleicht den falschen Betrieb. Vielleicht braucht er Unterstützung. Vielleicht muss er lernen, Schwierigkeiten auszuhalten. Vielleicht muss er tatsächlich gehen und an anderer Stelle neu anfangen. Aber bevor eine Ausbildung endgültig scheitert, sollte wenigstens jemand versucht haben herauszufinden, was eigentlich los ist.

Denn junge Menschen brauchen weder eine Arbeitswelt, die ihnen sämtliche Schwierigkeiten aus dem Weg räumt, noch eine Arbeitswelt, die sagt: „Da mussten wir alle durch.“ Sie brauchen Erwachsene, die ihnen etwas zutrauen – und gleichzeitig bemerken, wenn sie gerade den Boden unter den Füßen verlieren.

Das wäre für mich zeitgemäße Ausbildung.

Und vielleicht wäre genau das auch ein ziemlich wirksamer Beitrag gegen den Fachkräftemangel.

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Quellen: Grundlage dieses Beitrags ist die 2026 veröffentlichte Studie „Mentale Gesundheit in der Ausbildung: psychische Belastungen und Unterstützungsangebote aus Sicht von Auszubildenden und Unternehmen“ der Bertelsmann Stiftung und des Instituts der deutschen Wirtschaft. Für die Perspektive der Auszubildenden wurden 929 Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 15 und 25 Jahren in dualer Ausbildung repräsentativ befragt; zusätzlich flossen Daten aus einer Befragung von 1.188 Unternehmen ein.


Jugendliche wollen Grenzen für Social Media – Das hat selbst mich überrascht!

55 Prozent der Jugendlichen sprechen sich für eine Altersgrenze oder sogar ein Verbot sozialer Medien aus. Und ausgerechnet die Jugendlichen selbst nennen im Durchschnitt 14 Jahre als sinnvolle Grenze. Als Jugendcoach hat mich dieses Ergebnis tatsächlich überrascht.

Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit Jugendlichen, ihren Lebenswelten und natürlich auch mit Smartphones, TikTok, Instagram, YouTube und Co. Diskussionen über Social Media kenne ich daher zur Genüge. Meist verlaufen sie nach einem bekannten Muster: Erwachsene warnen, Jugendliche verteidigen ihre digitale Welt.

Die aktuelle Untersuchung der Techniker Krankenkasse zeichnet ein deutlich differenzierteres Bild.

Für den „Social-Media-Report: Jugend zwischen Like und Limit“ wurden im April und Mai 2026 insgesamt 1.400 Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren in Deutschland befragt. Das Ergebnis, das mich am meisten aufhorchen lässt: 47 Prozent wünschen sich eine Altersgrenze für Social Media. Im Durchschnitt nennen sie dafür 14 Jahre. Weitere acht Prozent sprechen sich sogar für ein grundsätzliches Verbot sozialer Medien für Kinder und Jugendliche aus. Zusammengenommen sind das 55 Prozent – nicht irgendwelche besorgten Eltern. Nicht Pädagogen. Nicht Politiker. Die Jugendlichen selbst!

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Gleichzeitig sagen 80 Prozent: Social Media tut mir gut

Genau hier wird die Untersuchung für mich besonders interessant, denn wer daraus jetzt die einfache Botschaft „Jugendliche finden Social Media schlecht“ macht, hat die Studie nicht verstanden. 80 Prozent der Befragten sagen gleichzeitig, dass ihnen soziale Medien eher gut oder sehr gut tun. Das ist zunächst ein scheinbarer Widerspruch. Tatsächlich beschreibt es meiner Ansicht nach ziemlich genau die Lebenswirklichkeit vieler Jugendlicher.

Social Media ist eben nicht nur schlecht. Jugendliche haben dort Spaß, halten Kontakt mit Freundinnen und Freunden, finden Inspiration, informieren sich, entdecken Interessen und erleben Gemeinschaft. Laut Befragung nutzen 77 Prozent soziale Netzwerke, um Spaß zu haben, 75 Prozent zum Zeitvertreib und 64 Prozent, um mit Freunden in Kontakt zu bleiben.

Soziale Medien sind längst Teil der jugendlichen Lebenswelt, deshalb halte ich auch wenig davon, TikTok, Instagram oder YouTube pauschal zum Feindbild zu erklären. Aber Jugendliche scheinen gleichzeitig sehr genau zu spüren, wann aus Unterhaltung Belastung wird.

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Jugendliche sehen die Probleme erstaunlich klar

Gefragt danach, was sie an Social Media nervt oder stresst, nennen die Jugendlichen sehr konkrete Punkte:

  • 57 Prozent stört zu viel Werbung.
  • 52 Prozent kritisieren gefälschte Bilder, falsche oder irreführende Informationen und Fake News.
  • 36 Prozent empfinden ihre eigene Online-Zeit als zu hoch.
  • 35 Prozent nennen Mobbing und Beleidigungen.
  • 31 Prozent belastet es, Bilder oder Videos zu sehen, die sie eigentlich nicht sehen möchten.

Gerade der Punkt der eigenen Nutzungszeit ist interessant. Mehr als jeder dritte Jugendliche sagt also selbst: Ich verbringe dort zu viel Zeit. Das deckt sich mit einer Beobachtung, die ich in meiner Arbeit immer wieder mache. Jugendliche sind keineswegs grundsätzlich unreflektiert im Umgang mit ihrem Smartphone. Viele wissen sehr genau, dass ihnen bestimmte Gewohnheiten nicht guttun. Das Problem ist häufig nicht die fehlende Einsicht, sondern die Umsetzung.

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Ab vier Stunden täglich wird es auffällig

Besonders nachdenklich machen mich die Ergebnisse zur intensiven Nutzung. Von den Jugendlichen, die mindestens vier Stunden täglich in sozialen Medien verbringen, berichten 49 Prozent häufig oder ständig von schlechter Laune. Bei Jugendlichen mit ein bis zwei Stunden täglicher Nutzung sind es dagegen lediglich 20 Prozent. 41 Prozent der Jugendlichen mit mindestens vier Stunden Social Media täglich berichten außerdem von Unsicherheit und Zweifeln.

Mit längerer Nutzungsdauer treten in der Befragung auch andere Belastungen häufiger auf: ein negatives Selbstbild, Gereiztheit, innere Unruhe, Erschöpfung sowie körperliche Beschwerden wie Schlafprobleme, Kopfschmerzen, Verspannungen oder gereizte Augen. An dieser Stelle ist eine wichtige wissenschaftliche Einschränkung notwendig: Aus diesen Daten lässt sich kein ursächlicher Zusammenhang ableiten.

Wir können also nicht behaupten: Vier Stunden Social Media verursachen schlechte Laune. Es könnte beispielsweise auch sein, dass Jugendliche, denen es ohnehin nicht gut geht, häufiger soziale Medien nutzen. Wahrscheinlich sind die Zusammenhänge wesentlich komplexer. Trotzdem sollten wir solche Unterschiede ernst nehmen.

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Was Jugendliche wollen: Unterstützung statt Verbote

Für mich steckt eine der wichtigsten Botschaften der gesamten Untersuchung auf Folgendem. Die Jugendlichen wurden gefragt, was ihnen helfen würde, Social Media gut und sicher zu nutzen. Ihre Antworten:

  • 48 Prozent wünschen sich Videos über die Gefahren sozialer Medien.
  • 46 Prozent wünschen sich ausgebildete Ansprechpartner wie Medienscouts an Schulen.
  • 43 Prozent wünschen sich mehr Gespräche mit ihren Eltern.
  • 42 Prozent halten Social-Media-Workshops oder Projekte für hilfreich.
  • 36 Prozent wünschen sich leicht erreichbare Hilfsangebote, beispielsweise per Chat.
  • Nur 12 Prozent sind der Ansicht, überhaupt keine Unterstützung zu benötigen.

Das sollten wir Erwachsene uns einmal auf der Zunge zergehen lassen. Jugendliche sagen uns nicht: „Lasst uns einfach in Ruhe.“ Viele sagen vielmehr: Helft uns, mit dieser digitalen Welt vernünftig umzugehen.

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Gerade die 43 Prozent für mehr Gespräche mit Eltern finde ich bemerkenswert

Eltern erleben rund um das Smartphone häufig Machtkämpfe. „Leg das Handy weg.“, „Du hängst schon wieder am Handy.“ oder „Jetzt reicht es aber.“ Was gut gemeint ist, kommt beim Jugendlichen schnell als Kontrolle oder Kritik an. Dann wird aus einer berechtigten Sorge ein Konflikt über Bildschirmzeiten. Die aktuelle Befragung zeigt aber, dass Jugendliche Gespräche mit ihren Eltern keineswegs grundsätzlich ablehnen.

Vielleicht kommt es vielmehr darauf an, wie wir diese Gespräche führen.

Nicht: „Warum bist du schon wieder auf TikTok?“, sondern: „Was gefällt dir dort eigentlich?“ oder „Gibt es dort auch Dinge, die dich nerven?“ oder „Hast du schon einmal etwas gesehen, das dich belastet hat?“ oder „Merkst du manchmal selbst, dass du länger scrollst, als du eigentlich möchtest?“ oder „Was könnte dir helfen, früher aufzuhören?“ oder… Damit verändert sich nämlich etwas Entscheidendes: Aus Kontrolle wird Interesse.

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Verbieten oder nicht verbieten?

Die politische Diskussion über eine gesetzliche Altersgrenze wird uns weiter begleiten. Ich halte es allerdings für zu einfach, die gesamte Frage auf „Social Media erlauben oder verbieten?“ zu reduzieren, denn selbst eine Altersgrenze beantwortet noch nicht die entscheidenden Fragen: Wie werden Jugendliche auf die digitale Welt vorbereitet? Wer erklärt ihnen, wie Algorithmen funktionieren? Wer spricht mit ihnen über manipulierte Bilder und Fake News? Wer hilft bei Cybermobbing? Wer erklärt, warum Plattformen ein wirtschaftliches Interesse daran haben, dass Nutzer möglichst lange bleiben? Und vor allem: Wer ist da, wenn ein Jugendlicher merkt, dass ihm seine Nutzung nicht mehr guttut? Medienkompetenz entsteht nicht am 14. Geburtstag automatisch. Sie muss gelernt werden.

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Vielleicht sollten wir Jugendlichen öfter zuhören

Das ist für mich die eigentlich bemerkenswerte Botschaft dieser Studie. Jugendliche sehen Social Media offenbar wesentlich differenzierter, als wir ihnen manchmal zutrauen. Sie sagen gleichzeitig: Social Media tut uns gut. Und: Social Media kann uns belasten. Sie wollen dazugehören, Spaß haben und mit Freunden kommunizieren. Und trotzdem wünschen sich viele Grenzen, Schutz und Unterstützung. Das ist kein Widerspruch – das ist bemerkenswert reflektiert.

Als Jugendcoach überrascht mich deshalb weniger, dass Jugendliche die Probleme sozialer Medien erkennen. Ich erlebe immer wieder, wie genau junge Menschen ihre Lebenswelt beobachten können, wenn Erwachsene bereit sind, ihnen wirklich zuzuhören. Überrascht hat mich die Deutlichkeit.

Mehr als jeder zweite Jugendliche wünscht sich selbst eine Form von Begrenzung.

Vielleicht sollten wir deshalb aufhören, die Diskussion über die Köpfe Jugendlicher hinweg zu führen und anfangen, sie gemeinsam mit ihnen zu führen. Denn die wichtigste Frage lautet möglicherweise gar nicht: „Ab welchem Alter darf mein Kind Social Media nutzen?“, sondern: „Was braucht mein Kind, damit Social Media ein Teil seines Lebens bleibt – und nicht sein Leben bestimmt?“

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Quellen:
Techniker Krankenkasse (TK): Social-Media-Report 2026 – Jugend zwischen Like und Limit. Repräsentative Online-Befragung von 1.400 Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren, durchgeführt durch das Markt- und Meinungsforschungsinstitut eye square im April und Mai 2026; veröffentlicht am 27. August 2026.
ZDFheute: Berichterstattung zum Social-Media-Report der Techniker Krankenkasse, 27. August 2026.
DIE ZEIT / dpa: Berichterstattung zu den Ergebnissen des TK-Social-Media-Reports, 27. August 2026.
Foto mit KI erstellt.

Werden Jugendliche wirklich immer gewalttätiger?

Was die aktuellen Zahlen über Jugendkriminalität tatsächlich sagen – und was Jugendliche jetzt brauchen

Jugendliche prügeln sich. Jugendliche tragen Messer. Jugendliche respektieren keine Grenzen mehr. Und überhaupt: „So schlimm wie heute war es früher nicht.“ Wer regelmäßig Nachrichten oder soziale Medien verfolgt, kann schnell den Eindruck bekommen, dass Gewalt unter Jugendlichen immer weiter zunimmt. Doch stimmt das wirklich?

Die aktuellen Zahlen zeichnen ein wesentlich differenzierteres Bild. Es gibt Entwicklungen, die ernst genommen werden müssen. Es gibt Jugendliche, die wiederholt und teilweise massiv gewalttätig werden. Und es gibt Opfer, deren Leid in keiner Statistik relativiert werden darf. Aber es gibt eben auch einen Unterschied zwischen einer sachlichen Auseinandersetzung mit Jugendgewalt und der pauschalen Behauptung, eine ganze Generation werde immer gewalttätiger.

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Was bedeutet eigentlich Jugendkriminalität?

Zunächst einmal ist Jugendkriminalität nicht gleich Jugendgewalt. Nach dem Jugendgerichtsgesetz gilt als Jugendlicher, wer zum Zeitpunkt einer Tat mindestens 14, aber noch nicht 18 Jahre alt ist. Das Jugendstrafrecht verfolgt dabei ausdrücklich nicht ausschließlich einen Strafgedanken. Sein Ziel ist vor allem, weiteren Straftaten entgegenzuwirken; die Reaktion soll deshalb grundsätzlich am Erziehungsgedanken ausgerichtet sein. Unter Jugendkriminalität fallen außerdem sehr unterschiedliche Delikte: Diebstahl, Sachbeschädigung, Beleidigung, Körperverletzung, Raub und viele andere Straftaten. Wenn öffentlich über Jugendkriminalität gesprochen wird, entsteht dagegen häufig der Eindruck, es gehe fast ausschließlich um schwere Gewalttaten.

Das ist falsch.

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Was sagen die Zahlen für 2025?

Besonders interessant ist ein Blick auf die aktuelle Polizeiliche Kriminalstatistik. Im Jahr 2025 registrierte die Polizei bundesweit 29.070 Jugendliche als Tatverdächtige im Bereich der Gewaltkriminalität. 2024 waren es noch 31.383. Das entspricht innerhalb eines Jahres einem Rückgang von 7,4 Prozent. Auch bei gefährlicher und schwerer Körperverletzung ging die Zahl jugendlicher Tatverdächtiger zurück – von 24.339 im Jahr 2024 auf 22.768 im Jahr 2025. Auch die Zahl aller polizeilich registrierten jugendlichen Tatverdächtigen sank deutlich: von 192.863 im Jahr 2024 auf 172.770 im Jahr 2025.

Damit ist die Situation keineswegs harmlos, aber die Aussage „Jugendliche werden immer gewalttätiger“ lässt sich mit den aktuellen Zahlen eben auch nicht belegen.

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Nach Corona gab es einen deutlichen Anstieg

Ganz vom Tisch wischen sollte man die Sorge dennoch nicht. Die Zahl der Jugendlichen, die wegen Gewaltkriminalität als tatverdächtig registriert wurden, lag 2020 bei rund 22.000. Nach einem weiteren Rückgang 2021 stieg sie deutlich an und erreichte 2024 mehr als 31.000. 2025 ging sie erstmals wieder spürbar zurück.

Das Deutsche Jugendinstitut weist darauf hin, dass für die zeitweisen Anstiege unterschiedliche Ursachen diskutiert werden. Dazu gehören unter anderem psychische Belastungen und beeinträchtigte soziale Entwicklungsprozesse während und nach der Corona-Pandemie sowie weitere gesellschaftliche Krisen. Gleichzeitig können auch ein verändertes Anzeigeverhalten und eine stärkere Sensibilität für Gewalt die Polizeistatistik beeinflussen.

Genau deshalb sollte man vorsichtig sein, aus einzelnen Jahreszahlen einfache gesellschaftliche Erklärungen abzuleiten.

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Polizeistatistik bedeutet nicht automatisch tatsächliche Kriminalität

Auch etwas anderes wird in Diskussionen häufig vergessen: Die Polizeiliche Kriminalstatistik bildet das sogenannte Hellfeld ab. Sie zeigt also Straftaten, die der Polizei bekannt geworden sind, und Personen, die als Tatverdächtige ermittelt wurden. Tatverdächtig bedeutet außerdem nicht verurteilt. Und was nicht angezeigt oder von der Polizei festgestellt wird, erscheint in dieser Statistik überhaupt nicht. Deshalb ziehen Fachleute zusätzlich sogenannte Dunkelfeldstudien heran, in denen Jugendliche anonym nach eigenen Taten und Gewalterfahrungen gefragt werden. Auch dort ergibt sich kein einfaches Bild.

Im Niedersachsensurvey 2024 berichteten 6,7 Prozent der befragten Neuntklässlerinnen und Neuntklässler, innerhalb der vergangenen zwölf Monate mindestens eine Gewalttat begangen zu haben. Dieser Wert lag unter mehreren früheren Erhebungen. Gleichzeitig berichteten 1,8 Prozent, fünf oder mehr Gewaltdelikte begangen zu haben.

Das bedeutet: Die große Mehrheit der Jugendlichen ist nicht gewalttätig. Aber es gibt eine kleinere Gruppe, bei der sich problematisches oder gewalttätiges Verhalten verfestigen kann. Und genau dort müssen wir hinschauen.

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Jugenddelinquenz ist häufig eine Episode

Eine wichtige Erkenntnis der Jugendkriminologie passt nur selten in Schlagzeilen: Bei vielen jungen Menschen bleiben Regelverletzungen oder Straftaten eine vorübergehende Episode des Jugendalters.

Das Deutsche Jugendinstitut beschreibt Delinquenz im Jugendalter überwiegend als ein häufig vorkommendes und episodenhaftes Phänomen. Gleichzeitig gibt es eine kleinere Gruppe mehrfach auffälliger Jugendlicher, bei denen sich Delinquenz verfestigt. Gerade diese Jugendlichen weisen häufig zusätzliche schulische, familiäre oder sozial-emotionale Belastungen auf.

Auch die Polizeiliche Kriminalprävention weist darauf hin, dass sich viele Verfehlungen im Verlauf des Reifungsprozesses wieder verlieren. Das bedeutet nicht, Straftaten zu verharmlosen. Es bedeutet lediglich, einen 15-Jährigen nicht aufgrund einer Tat bereits als lebenslangen Gewalttäter abzuschreiben.

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Warum werden Jugendliche gewalttätig?

Die eine Ursache gibt es nicht. Gewalt entsteht selten dadurch, dass morgens ein friedlicher Jugendlicher aufsteht und plötzlich beschließt, fortan gewalttätig zu sein. Meist treffen mehrere Belastungsfaktoren zusammen. Die Polizeiliche Kriminalprävention nennt beispielsweise Gewalterfahrungen im familiären Umfeld, Gruppendruck, fehlende Strukturen, Unsicherheit während des Erwachsenwerdens und andere länger anhaltende problematische Einflüsse.

Hinzu kommen je nach Jugendlichem:

  • fehlende Perspektiven,
  • schulisches Scheitern,
  • problematische Peergroups,
  • geringe Impulskontrolle,
  • psychische Belastungen,
  • familiäre Konflikte,
  • fehlende Zugehörigkeit,
  • mangelnde Anerkennung
  • oder das Gefühl, ohnehin nichts mehr verlieren zu können.

Diese Faktoren entschuldigen Gewalt nicht, aber wer Gewalt verhindern will, muss verstehen, wodurch sie entsteht.

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Ein Punkt wird in der Diskussion häufig vergessen: Jugendliche sind auch Opfer

Wenn über Jugendgewalt gesprochen wird, sprechen wir meist über Täter. Dabei sind junge Menschen selbst überdurchschnittlich häufig von Gewalt betroffen. Im Niedersachsensurvey 2024 berichtete etwa jeder fünfte befragte Jugendliche, innerhalb des vorherigen Jahres Opfer einer Gewalttat geworden zu sein. Am häufigsten wurden Gleichaltrige als Täter genannt.

Auch der bundesweite DJI-Survey AID:A zeigt eine erhebliche Belastung: 13,7 Prozent der befragten 12- bis 17-Jährigen berichteten 2023 von körperlicher Gewalt in den vorherigen Monaten. Gerade bei Jugendgewalt existiert außerdem ein Phänomen, das Fachleute als Täter-Opfer- beziehungsweise Opfer-Täter-Statuswechsel beschreiben: Ein Teil der Jugendlichen erlebt selbst Gewalt und übt gleichzeitig Gewalt gegen andere aus.

Wer ausschließlich den Täter sieht, übersieht manchmal also einen erheblichen Teil seiner Geschichte.

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Gewalt braucht Konsequenzen

Pädagogische Erklärungen werden manchmal missverstanden. Als würde Verständnis bedeuten, Verhalten zu entschuldigen. Das Gegenteil ist richtig. Wenn ein Jugendlicher einen anderen Menschen schlägt, bedroht oder beraubt, braucht dieses Verhalten eine klare Reaktion. Jugendliche brauchen Grenzen. Sie müssen erleben, dass ihr Handeln Konsequenzen hat. Und sie müssen lernen, Verantwortung für das zu übernehmen, was sie anderen Menschen zugefügt haben. Auch das Jugendgerichtsgesetz verbindet deshalb ausdrücklich Erziehung und Konsequenz. Je nach Tat und Situation kommen Erziehungsmaßregeln, Zuchtmittel oder Jugendstrafe in Betracht. Aber Konsequenzen allein verändern noch keinen jungen Menschen.

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Wir brauchen früheres Eingreifen

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: „Wie können wir Jugendliche härter bestrafen?“ Die wichtigere Frage lautet:

Wie verhindern wir, dass ein junger Mensch überhaupt an den Punkt kommt, an dem Gewalt für ihn zur Lösung wird?

Denn viele Entwicklungen kündigen sich lange vorher an. Ein Jugendlicher zieht sich zurück. Die Schule funktioniert nicht mehr. Konflikte zu Hause eskalieren. Er verbringt zunehmend Zeit in problematischen Gruppen. Regeln verlieren ihre Bedeutung. Frustration wird zu Aggression. Aggression wird zu Gewalt. Spätestens hier darf Unterstützung nicht erst beginnen, wenn Polizei und Jugendgericht eingeschaltet werden. Eltern, Schule, Jugendhilfe und andere Bezugspersonen müssen früher reagieren. Nicht mit Panik – aber mit Klarheit.

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Jugendliche brauchen Grenzen – und jemanden, der hinter die Grenze schaut

In meiner Arbeit mit Jugendlichen erlebe ich immer wieder, wie wichtig beides gleichzeitig ist: klare Grenzen und echtes Interesse am Menschen dahinter. Ein Jugendlicher muss erfahren: „Was du getan hast, ist nicht in Ordnung.“ Aber er muss gleichzeitig erfahren: „Du bist mehr als das, was du getan hast.“

Denn gerade Jugendliche, die ständig Ablehnung erleben, reagieren nicht automatisch mit Einsicht auf noch mehr Ablehnung. Manche reagieren mit noch mehr Härte. Wer Verhalten verändern möchte, muss deshalb Verantwortung einfordern und gleichzeitig Beziehung ermöglichen. Das ist kein Widerspruch. Es ist häufig die Voraussetzung dafür, dass Veränderung überhaupt möglich wird.

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Sollten wir die Strafmündigkeit absenken?

Nach schweren Straftaten durch Kinder taucht regelmäßig die Forderung auf, die Strafmündigkeitsgrenze unter 14 Jahre zu senken.

Nach geltendem Recht beginnt die strafrechtliche Verantwortlichkeit grundsätzlich mit 14 Jahren. Selbst bei Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren prüft das Jugendgerichtsgesetz zusätzlich, ob ein Jugendlicher nach seiner Entwicklung reif genug war, das Unrecht seiner Tat einzusehen und entsprechend zu handeln.

Über eine Veränderung dieser Grenze kann eine Gesellschaft selbstverständlich diskutieren. Aber wir sollten uns nicht vormachen, dass eine niedrigere Strafmündigkeit automatisch die Ursachen von Gewalt beseitigt. Ein zwölfjähriger Junge mit massiven familiären Problemen, jahrelanger Gewalterfahrung, schulischem Scheitern und einer hochproblematischen Peergroup verändert sein Verhalten nicht allein deshalb, weil wir ihn früher strafrechtlich verfolgen können.

Die entscheidende Aufgabe bleibt dieselbe: früh erkennen, früh handeln, Eltern unterstützen, Schulen stärken, Jugendhilfe erreichbar machen und dort klare Grenzen setzen, wo Grenzen überschritten werden.

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Mein Fazit als DER JUGENDCOACH

Nein – unsere Jugendlichen werden nicht pauschal immer gewalttätiger.

Die langfristige Entwicklung der Jugendgewalt ist deutlich komplexer. Nach erheblichen Anstiegen in den Jahren nach der Pandemie sind die Zahlen 2025 bei Jugendlichen wieder zurückgegangen. Das Deutsche Jugendinstitut kommt in seiner aktuellen Auswertung sogar zu dem Schluss, dass die langfristige Entwicklung trotz zwischenzeitlicher Ausschläge insgesamt positiv ist.

Das ist jedoch kein Grund, Jugendgewalt kleinzureden. Jedes Opfer ist eines zu viel. Und jeder Jugendliche, dessen Aggressionen sich zu einem dauerhaften Verhaltensmuster entwickeln, braucht frühzeitig Menschen, die handeln.

Deshalb halte ich wenig von zwei Extremen:

Jugendliche pauschal als immer brutaler darzustellen ist genauso wenig hilfreich wie Gewalt ausschließlich mit schwierigen Lebensumständen zu entschuldigen. Jugendliche brauchen Unterstützung. Jugendliche brauchen Orientierung. Und manchmal brauchen Jugendliche sehr deutliche Konsequenzen.

Wer Grenzen überschreitet, braucht klare Grenzen.
Wer Hilfe braucht, muss sie bekommen.

Beides gehört zusammen.

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Quellen:
Bundeskriminalamt (BKA): Polizeiliche Kriminalstatistik 2025, insbesondere Entwicklung der tatverdächtigen Jugendlichen und der Gewaltkriminalität.
Deutsches Jugendinstitut (DJI), Arbeitsstelle Kinder- und Jugendkriminalitätsprävention: Zahlen – Daten – Fakten Jugendgewalt, Aktualisierung Juni 2026.
Deutsches Jugendinstitut: Arbeitsstelle Kinder- und Jugendkriminalitätsprävention – Delinquenz und Viktimisierung junger Menschen.
Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes: Jugendliche als Täter von Gewalttaten sowie Informationen zu Ursachen und Prävention von Jugendgewalt.
Bundesministerium der Justiz / Bundesamt für Justiz: Jugendgerichtsgesetz, insbesondere §§ 1–3 JGG.

Fast 80.000 Kindeswohlgefährdungen – und wir diskutieren über Einsparungen in der Jugendhilfe

Wenn Kinderschutz wichtiger wird, darf Jugendhilfe nicht unwichtiger werden

Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes sollten uns aufhorchen lassen: Im Jahr 2025 stellten die Jugendämter in Deutschland bei knapp 80.000 Kindern und Jugendlichen eine Kindeswohlgefährdung fest. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das einen Anstieg um 10 Prozent. Damit ist die Zahl zum vierten Mal in Folge gestiegen und hat einen neuen Höchststand erreicht. Hinter diesen Zahlen stehen keine abstrakten „Fälle“. Dahinter stehen Kinder und Jugendliche. Junge Menschen, die vernachlässigt werden. Die psychische oder körperliche Gewalt erleben. Die sexualisierter Gewalt ausgesetzt sind. Manche von ihnen erleben mehrere Formen gleichzeitig. Und vermutlich sehen wir auch mit diesen Zahlen nur einen Teil der Realität.

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Kindeswohlgefährdung beginnt häufig lange vor dem Jugendamt

Im Deutschlandfunk weist Prof. Dr. Sabine Andresen, Präsidentin des Kinderschutzbundes und Professorin für Sozialpädagogik und Familienforschung, darauf hin, dass es nicht den einen Grund für Kindeswohlgefährdungen gibt. Sie nennt unter anderem starke Überforderung, Partnerschaftskonflikte, hohen Stress, fehlende familiäre Unterstützung und mangelnde Empathie gegenüber den Bedürfnissen von Kindern.

Das entspricht auch dem, was wir in der Kinder- und Jugendhilfe immer wieder erleben: Eine Familie wird selten von heute auf morgen zum sogenannten „Fall“. Oft beginnt die Entwicklung viel früher. Eltern geraten zunehmend unter Druck. Konflikte nehmen zu. Ein Jugendlicher zieht sich zurück, verweigert die Schule oder reagiert aggressiv. Gespräche funktionieren immer weniger. Hilfen kommen spät oder stehen nicht ausreichend zur Verfügung. Bis irgendwann eine Situation entsteht, in der nicht mehr nur Unterstützung, sondern Schutz notwendig wird.

Genau deshalb ist eine funktionierende Jugendhilfe so wichtig. Sie darf nicht erst dann beginnen, wenn ein Kind bereits gefährdet ist.

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Kinderschutz bedeutet auch, früh hinzusehen

Ein entscheidender Gedanke aus dem Deutschlandfunk-Interview lautet, dass Kinder Kontakt zu Menschen außerhalb ihrer Familie brauchen. Kita, Schule, Vereine, Jugendhilfe, Beratungsstellen und andere soziale Einrichtungen sind deshalb weit mehr als Betreuung oder Freizeitgestaltung. Dort begegnen Kinder Erwachsenen, die Veränderungen wahrnehmen können. Ein Kind, das plötzlich ständig müde erscheint. Eine Jugendliche, die sich vollkommen zurückzieht. Ein Schüler, dessen Verhalten sich innerhalb weniger Wochen massiv verändert. Ein Mädchen, das auffällig still wird. Solche Beobachtungen sind noch kein Beweis für eine Kindeswohlgefährdung. Aber sie können der Anfang einer wichtigen Frage sein:

Was ist bei diesem jungen Menschen gerade los?

Andresen sieht in der gestiegenen Wachsamkeit und Meldebereitschaft zugleich einen möglichen Grund dafür, dass mehr Gefährdungen erkannt werden. Das ist zunächst eine positive Entwicklung: Probleme werden eher sichtbar. Doch Sichtbarkeit alleine schützt noch kein Kind. Wenn wir genauer hinsehen, müssen anschließend auch Hilfen vorhanden sein.

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Und genau jetzt über Einsparungen sprechen?

Hier liegt für mich als Fachkraft mit 25 Jahren Erfahrung in der Jugendhilfe ein erheblicher Widerspruch. Auf der einen Seite steigen die festgestellten Kindeswohlgefährdungen auf einen historischen Höchststand. Auf der anderen Seite wird darüber diskutiert, Leistungen und Ausgaben in der Kinder- und Jugendhilfe stärker zu begrenzen. Der Kinderschutzbund hat bereits im Mai 2026 ausdrücklich vor Einsparungen zulasten junger Menschen gewarnt und seine Resolution bewusst unter die Überschrift gestellt: „Kinder und Jugendliche sind keine Streichposten.“

Genau das trifft den Kern. Jugendhilfe ist kein Luxus, den sich ein Staat in wirtschaftlich guten Zeiten leisten kann und in schwierigeren Zeiten zurückfährt. Jugendhilfe ist ein Schutzsystem. Und wie bei jedem Schutzsystem gilt: Man merkt häufig erst, wie wichtig es war, wenn es fehlt.

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Frühzeitige Hilfe ist keine Verschwendung

In der öffentlichen Diskussion über Jugendhilfe entsteht manchmal der Eindruck, es gehe vor allem um Kosten. Eine ambulante Hilfe kostet Geld.  Eine sozialpädagogische Familienhilfe kostet Geld. Eine intensive Einzelbetreuung kostet Geld. Ich, als Jugendcoach, koste Geld. Eine stationäre Unterbringung kostet ebenfalls Geld. Aber die entscheidende Frage lautet nicht: Was kostet die Hilfe heute?, sondern: Was passiert, wenn wir heute nicht helfen?

Ein Jugendlicher, der frühzeitig Unterstützung bekommt, kann vielleicht wieder regelmäßig zur Schule gehen. Eine Familie kann lernen, Konflikte anders auszutragen. Eltern können entlastet werden, bevor Überforderung eskaliert. Ein junger Mensch kann Vertrauen entwickeln, bevor er sämtliche Erwachsenen und Institutionen ablehnt. Und manchmal kann eine rechtzeitige Hilfe verhindern, dass aus einer schwierigen familiären Situation überhaupt erst eine Kindeswohlgefährdung entsteht. Das ist die eigentliche Aufgabe moderner Jugendhilfe: Nicht nur einzugreifen, wenn etwas bereits eskaliert ist, sondern Entwicklungen möglichst früh zu unterbrechen.

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Jugendhilfe braucht Menschen, die Beziehung anbieten können

Nach vielen Jahren in der Arbeit mit Jugendlichen bin ich überzeugt: Wir brauchen nicht nur Programme, Konzepte und Zuständigkeiten. Wir brauchen Erwachsene, die bereit sind, jungen Menschen wirklich zu begegnen. Menschen, die zuhören. Die Widerspruch aushalten. Die hinter Aggressionen manchmal Überforderung erkennen. Die hinter Schulverweigerung fragen, was ein Jugendlicher möglicherweise nicht mehr bewältigen kann. Und die einem jungen Menschen auch dann noch etwas zutrauen, wenn er selbst längst nicht mehr an sich glaubt. Natürlich löst Beziehung nicht jedes Problem, aber ohne Beziehung erreichen wir viele Jugendliche überhaupt nicht mehr.

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80.000 Mal dürfen wir nicht wegsehen

Fast 80.000 festgestellte Kindeswohlgefährdungen innerhalb eines Jahres sind kein Argument dafür, Jugendhilfe zurückzufahren. Sie sind ein Argument dafür, genauer hinzusehen. Früher zu unterstützen, Familien schneller zu entlasten, Fachkräfte ausreichend auszustatten und jungen Menschen Angebote zu machen, bevor aus Schwierigkeiten Krisen und aus Krisen Gefährdungen werden.

Kinderschutz beginnt nicht erst beim Jugendamt. Er beginnt überall dort, wo Erwachsene bereit sind, Verantwortung für junge Menschen zu übernehmen. In Familien. In Schulen. In Vereinen. Sogar in der Nachbarschaft. Und selbstverständlich in einer Kinder- und Jugendhilfe, die die notwendigen Möglichkeiten dafür haben muss. Denn eines sollten wir bei jeder Diskussion über Haushaltszahlen im Blick behalten:

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Bei Kindern und Jugendlichen sparen wir nicht nur Geld. Wir sparen möglicherweise genau an den Hilfen, die verhindern könnten, dass aus einer schwierigen Kindheit eine schwierige Zukunft wird.

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Quellen
Statistisches Bundesamt (Destatis): „Jugendämter melden 10 % mehr Kindeswohlgefährdungen im Jahr 2025“, Pressemitteilung vom 13. August 2026. Danach wurden 2025 knapp 80.000 Kindeswohlgefährdungen festgestellt; die Zahl stieg zum vierten Mal in Folge.
Deutschlandfunk: „Fallzahlen der Kindeswohlgefährdung auf Rekordhoch“, Interview mit Prof. Dr. Sabine Andresen, 14. August 2026.
Der Kinderschutzbund: Resolution „Kinder und Jugendliche sind keine Streichposten!“, Mai 2026. Der Verband warnt darin vor geplanten Kürzungen und Verschlechterungen zulasten junger Menschen.
Der Kinderschutzbund: Informationen zu Prof. Dr. Sabine Andresen, Präsidentin des Kinderschutzbundes und Professorin für Sozialpädagogik und Familienforschung.

Wenn Eltern ständig aufs Handy schauen: Was das mit Kindern macht

Medienerziehung beginnt nicht beim Smartphone des Kindes

Wenn Eltern über den Medienkonsum ihrer Kinder sprechen, höre ich häufig ähnliche Sätze: „Er hängt ständig am Handy.“ oder „Sie legt das Smartphone überhaupt nicht mehr weg.“ oder „Wir wissen nicht mehr, wie wir seine Bildschirmzeit begrenzen sollen.“ Die Diskussion konzentriert sich dabei fast immer auf die Kinder und Jugendlichen. Wie lange dürfen sie online sein? Welche Apps nutzen sie? Wann muss das Smartphone abends ausgeschaltet werden? Eine andere Frage wird wesentlich seltener gestellt: Wie erleben Kinder eigentlich den Umgang ihrer Eltern mit dem Smartphone?

Genau damit beschäftigt sich ein aktueller Beitrag von Quarks, der sich auf wissenschaftliche Untersuchungen zur Smartphone- und Technologienutzung von Eltern bezieht. Die zentrale Botschaft ist unbequem, aber wichtig: Nicht nur die Bildschirmzeit unserer Kinder verdient Aufmerksamkeit. Auch unser eigener Umgang mit digitalen Geräten beeinflusst das Familienleben.

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Wenn das Smartphone zwischen Eltern und Kind gerät

In der Forschung gibt es dafür inzwischen einen eigenen Begriff: Technoference. Gemeint sind Situationen, in denen digitale Geräte zwischenmenschliche Interaktionen unterbrechen oder beeinträchtigen. Das können ganz alltägliche Momente sein. Das Kind erzählt etwas – und Vater oder Mutter schaut gleichzeitig auf eine Nachricht. Beim gemeinsamen Essen liegt das Smartphone neben dem Teller. Während eines Gesprächs kommt eine Benachrichtigung – und innerhalb von Sekunden wandert die Aufmerksamkeit vom Gegenüber zum Display. Oder ein Elternteil sitzt zwar gemeinsam mit dem Kind auf dem Sofa, ist gedanklich aber bei WhatsApp, Instagram oder den neuesten Nachrichten. Körperliche Anwesenheit bedeutet eben nicht automatisch emotionale Anwesenheit.

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Was die Forschung dazu sagt

Besonders interessant ist eine 2025 in JAMA Pediatrics veröffentlichte systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse von Toledo-Vargas und Kolleginnen und Kollegen. Die Forschenden werteten zahlreiche Untersuchungen zur Technologienutzung von Eltern in Anwesenheit ihrer Kinder aus. Dabei zeigten sich statistische Zusammenhänge zwischen stärkerer elterlicher Technologienutzung und verschiedenen Entwicklungsbereichen. Unter anderem fanden die Forschenden Zusammenhänge mit schwächeren kognitiven Ergebnissen, weniger prosozialem Verhalten, geringerer Bindungsqualität sowie mehr nach innen oder außen gerichteten Verhaltensauffälligkeiten. Außerdem verbrachten Kinder von Eltern mit stärkerer Technologienutzung tendenziell selbst mehr Zeit vor Bildschirmen. Gleichzeitig ist eine wichtige Einschränkung notwendig: Die beobachteten Effekte waren insgesamt klein, und viele der zugrunde liegenden Untersuchungen können Zusammenhänge zeigen, aber nicht eindeutig beweisen, dass das Smartphoneverhalten der Eltern die direkte Ursache einer bestimmten Entwicklung ist. Die Autoren selbst fordern deshalb weitere Längsschnitt- und experimentelle Forschung. Das ist ein wichtiger Unterschied. Aus „Eltern schauen häufiger aufs Smartphone und Kinder zeigen häufiger bestimmte Auffälligkeiten“ darf wissenschaftlich nicht automatisch werden: „Das Smartphone der Eltern verursacht diese Auffälligkeiten.“

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Kinder brauchen Reaktion

Warum könnte die Smartphone-Nutzung der Eltern trotzdem eine Rolle spielen? Ein großer Teil kindlicher Entwicklung geschieht über Interaktion. Ein Kind schaut seine Mutter an – und sie reagiert. Es zeigt auf etwas – und der Vater folgt seinem Blick. Es erzählt etwas – und jemand hört zu. Es ärgert sich – und erlebt, wie ein Erwachsener seine Emotion wahrnimmt. Diese scheinbar kleinen Situationen wiederholen sich tausendfach. Kinder lernen dabei Sprache, soziale Reaktionen, Emotionen und Beziehung. Studien zeigen beispielsweise, dass elterliche Smartphone-Nutzung mit weniger sprachlicher Interaktion verbunden sein kann. Forschung zur frühen Sprachentwicklung weist grundsätzlich darauf hin, wie bedeutsam direkte soziale Interaktion und Gesprächswechsel für den Spracherwerb sind. Auch Untersuchungen zur emotionalen Entwicklung beschäftigen sich damit, ob Mediennutzung innerhalb der Familie Gelegenheiten reduziert, Emotionen wahrzunehmen und miteinander zu besprechen. Eine Studie von Nabi und Wolfers untersuchte beispielsweise Zusammenhänge zwischen der Mediennutzung von Eltern und Kindern und der emotionalen Kompetenz von Kindern.

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Das Entscheidende ist somit nicht das Smartphone

Ich halte es allerdings für falsch, daraus die nächste große Erziehungsregel zu machen: „Gute Eltern benutzen in Gegenwart ihrer Kinder kein Handy.“ Das wäre weder realistisch noch sinnvoll. Das Smartphone gehört längst zu unserem Alltag. Wir arbeiten damit, organisieren Termine, schreiben Nachrichten, suchen Informationen, fotografieren, navigieren oder telefonieren. Entscheidend ist deshalb weniger die Frage: Benutze ich mein Smartphone vor meinem Kind?, sondern: Was passiert dadurch mit unserer Interaktion? Ein kurzer Blick auf eine Nachricht ist etwas anderes, als während eines zehnminütigen Gesprächs immer wieder abzuschweifen. Gemeinsam mit dem Kind nach einer Information zu suchen ist etwas anderes, als gedankenlos durch Social Media zu scrollen. Und dem Kind zu sagen: „Ich muss diese Nachricht noch kurz beantworten, danach bin ich wieder bei dir“ ist etwas anderes, als ohne Erklärung mitten im Gespräch innerlich zu verschwinden.

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Und was bedeutet das für Jugendliche?

Die aktuelle Forschung, auf die sich der Quarks-Beitrag maßgeblich stützt, beschäftigt sich vor allem mit jüngeren Kindern. Deshalb sollten Ergebnisse zu Sprachentwicklung, Bindung oder früher kognitiver Entwicklung nicht einfach eins zu eins auf 14- oder 16-Jährige übertragen werden. In meiner Arbeit mit Jugendlichen begegnet mir jedoch ein anderer Punkt immer wieder: Eltern verlieren ihre Glaubwürdigkeit, wenn sie Medienregeln verlangen, die sie selbst nicht vorleben. Ein Vater kann seinem 15-jährigen Sohn schlecht erklären, dass beim Abendessen keine Smartphones auf den Tisch gehören, während sein eigenes Gerät neben dem Teller liegt. Eine Mutter kann ihrer Tochter schwer vermitteln, dass Instagram nicht permanent Aufmerksamkeit bekommen muss, wenn sie selbst auf jede Nachricht innerhalb weniger Sekunden reagiert. Jugendliche beobachten sehr genau. Sie hören nicht nur darauf, was Erwachsene sagen. Sie beobachten, was Erwachsene tun.

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Medienkompetenz wird vorgelebt

Vielleicht sollten wir deshalb die Debatte über Bildschirmzeit erweitern. Nicht nur: „Wie viele Stunden darf mein Kind ans Handy?“, sondern auch:

  • „Wie gehen wir als Familie mit Aufmerksamkeit um?“
  • „Gibt es Situationen, in denen wir wirklich füreinander da sind?“
  • „Kann ich mein eigenes Smartphone weglegen?“
  • „Muss jede Nachricht sofort beantwortet werden?“
  • „Erlebt mein Kind mich als erreichbar – nicht digital, sondern menschlich?“

Das bedeutet nicht, ständig verfügbar zu sein. Auch Eltern dürfen arbeiten, Nachrichten beantworten oder einfach einmal ihre Ruhe haben. Aber Kinder und Jugendliche sollten einen Unterschied erleben können zwischen: „Ich bin gerade beschäftigt!“ und „Du konkurrierst ständig mit meinem Smartphone um meine Aufmerksamkeit!“

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Mein Rat an Eltern

Bevor Sie die Bildschirmzeit Ihres Kindes kontrollieren, beobachten Sie einmal einen Tag lang Ihre eigene. Nicht mit schlechtem Gewissen, sondern aus Interesse.

  • Wie häufig nehmen Sie Ihr Smartphone in die Hand?
  • Wie häufig während eines Gesprächs?
  • Liegt es beim Essen auf dem Tisch?
  • Schauen Sie darauf, wenn Ihr Kind Ihnen etwas erzählt?
  • Wie häufig unterbricht eine Nachricht einen gemeinsamen Moment?

Und vielleicht die wichtigste Frage: Wenn mein Kind später genauso mit seinem Smartphone umgehen würde wie ich heute – wäre ich damit zufrieden?

Medienerziehung beginnt nicht mit einer App zur Bildschirmzeitbegrenzung.

Sie beginnt mit unserem eigenen Verhalten.

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Quellen:
Ausgangspunkt dieses Beitrags ist der Instagram-Beitrag „Handy-Nutzung der Eltern: Das macht es mit Kindern“ von Quarks, veröffentlicht am 12. August 2026.
Wissenschaftliche Hauptquelle:
Toledo-Vargas, M. et al. (2025): Parental Technology Use in a Child’s Presence and Health and Development in the Early Years: A Systematic Review and Meta-Analysis. JAMA Pediatrics. Die Meta-Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass elterliche Technologienutzung in Anwesenheit kleiner Kinder mit verschiedenen kognitiven und psychosozialen Entwicklungsmerkmalen sowie höherer Bildschirmzeit der Kinder zusammenhängt; die Effektstärken waren insgesamt klein.
Weitere im Themenfeld relevante Forschung:
Nabi, R. L. & Wolfers, L. N. (2022): Does Digital Media Use Harm Children’s Emotional Intelligence? A Parental Perspective. Media and Communication, 10(1).
Morris, A. J. et al. (2022): Forschung zum Einfluss elterlicher Smartphone-Nutzung auf die Sprachentwicklung kleiner Kinder und zur Bedeutung elterlicher Responsivität.
Sundqvist, A. et al.: Längsschnittforschung zu Bildschirmmedien und Wortschatzentwicklung in der frühen Kindheit.

Das Zeugnis zeigt Leistungen – nicht den Wert eines Kindes

Warum der letzte Schultag für manche Kinder kein Grund zum Feiern ist

Heute, am 31. Juli 2026, endet für Bayerns Schülerinnen und Schüler das Schuljahr. An diesem letzten Unterrichtstag werden die Jahreszeugnisse ausgegeben; die Sommerferien beginnen offiziell am 3. August.

Für viele junge Menschen ist dieser Tag mit großer Vorfreude verbunden. Endlich ausschlafen. Keine Hausaufgaben. Keine Prüfungen. Sechs Wochen ohne Stundenplan. Doch nicht jedes Kind geht morgen erleichtert nach Hause. Manche werden das Schulgebäude mit einem Blatt Papier in der Hand verlassen, auf dem mehrfach „mangelhaft“ steht. Andere haben das Klassenziel nicht erreicht, müssen eine Jahrgangsstufe wiederholen oder wissen bereits, dass zu Hause ein schwieriges Gespräch auf sie wartet.

Während ihre Mitschülerinnen und Mitschüler Ferienpläne schmieden, stellen sie sich vielleicht nur eine Frage: Was werden meine Eltern sagen?

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Hinter jeder Note steht ein junger Mensch

Ein Zeugnis fasst schulische Leistungen zusammen. Es zeigt, welche Anforderungen ein Kind in bestimmten Fächern zu einem bestimmten Zeitpunkt erfüllen konnte.

Es zeigt jedoch nicht den ganzen Menschen.

Auf einem Zeugnis steht nicht,

  • wie oft sich ein Kind trotz Überforderung morgens auf den Weg zur Schule gemacht hat,
  • wie viel Kraft es gekostet hat, sich überhaupt zu konzentrieren,
  • welche Konflikte oder Sorgen es zu Hause beschäftigen,
  • wie sehr es sich angestrengt hat, ohne dass sich diese Anstrengung in einer besseren Note niederschlug,
  • welche Begabungen außerhalb des Unterrichts in ihm liegen,
  • wie hilfsbereit, kreativ, humorvoll, mutig oder feinfühlig es ist.

Noten können wichtige Hinweise geben. Sie dürfen aber nicht darüber entscheiden, wie ein junger Mensch über sich selbst denkt.

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Vielleicht wird genau dieses Kind später seinen Weg finden

Vielleicht steht morgen ein Junge vor seinen Eltern, der in mehreren Fächern Schwierigkeiten hat. In der Schule kann er sich kaum für Aufgaben begeistern, die für ihn keinen erkennbaren Sinn ergeben. Doch wenn ihn etwas wirklich interessiert, kann er stundenlang beobachten, ausprobieren, recherchieren und lernen. Vielleicht wird er später kein Klassenbester gewesen sein. Vielleicht wird er dennoch etwas entwickeln, erforschen oder verändern, das anderen Menschen hilft.

Vielleicht sitzt in einer anderen Familie ein Mädchen mit einem Zeugnis, in dem von „auffälligem Sozialverhalten“ die Rede ist. Sie ist laut. Sie widerspricht. Sie passt nicht immer in die vorgesehene Ordnung. Sie redet, tanzt und träumt, während andere stillsitzen können. Vielleicht wird gerade sie eines Tages Menschen bewegen – mit Worten, Musik, Farben, Ideen oder ihrer besonderen Art, die Welt wahrzunehmen. Und vielleicht hält morgen ein stilles Mädchen sein Zeugnis in den Händen, das eine Klasse wiederholen muss. Es fühlt sich zurückgelassen und schämt sich, weil die anderen weitergehen. Vielleicht wird sie später Geschichten schreiben, durch die Menschen etwas verstehen, wofür ihnen zuvor die Worte gefehlt haben.

Wir wissen heute noch nicht, welchen Weg ein junger Mensch gehen wird. Deshalb sollten wir vorsichtig damit sein, seine Zukunft aus einem Zeugnis herauslesen zu wollen.

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Wenn ein Zeugnis zur Beschämung wird

Schlechte Noten belasten viele Eltern. Sie machen sich Sorgen um den Schulabschluss, die Berufswahl und die Zukunft ihres Kindes. Diese Sorgen sind nachvollziehbar. Problematisch wird es jedoch, wenn die Enttäuschung der Erwachsenen beim Kind als persönliche Abwertung ankommt: „Du bist einfach zu faul.“ – „Aus dir wird nie etwas.“ – „Warum kannst du nicht sein wie deine Schwester?“ – „Du hast uns enttäuscht.“

Solche Sätze verbessern keine schulische Leistung. Sie treffen den jungen Menschen an einer wesentlich empfindlicheren Stelle: bei seinem Gefühl, angenommen und wertvoll zu sein. Kinder unterscheiden nicht immer klar zwischen den Botschaften „Deine Leistung war nicht ausreichend“ und „Du bist nicht ausreichend“.

Gerade deshalb kommt es am Zeugnistag auf die Haltung der Erwachsenen an.

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Was ein Kind jetzt von seinen Eltern braucht

Eltern müssen schlechte Leistungen nicht schönreden. Sie dürfen ihre Sorgen aussprechen und gemeinsam mit ihrem Kind überlegen, was sich im kommenden Schuljahr verändern muss. Doch die Reihenfolge ist entscheidend. Bevor über Nachhilfe, Lernzeiten, Medienregeln oder einen Schulwechsel gesprochen wird, braucht das Kind zunächst Sicherheit:

Unsere Beziehung hängt nicht von deinen Noten ab.

Ein hilfreiches Gespräch könnte mit diesen Worten beginnen: „Ich sehe, dass du mit deinem Zeugnis selbst nicht zufrieden bist. Wir werden gemeinsam schauen, woran es lag und was dir helfen kann. Aber dieses Zeugnis verändert nicht, wer du für mich bist.“

Danach können Eltern zuhören, statt sofort zu bewerten:

Was war in diesem Schuljahr besonders schwierig?

In welchen Situationen konnte das Kind gut lernen?

Wo fühlte es sich überfordert oder allein?

Welche Unterstützung hat bisher gefehlt?

Und was möchte der junge Mensch selbst verändern?

Nicht jedes Problem lässt sich allein durch mehr Disziplin lösen. Manchmal braucht es eine andere Lernstrategie, eine bessere Tagesstruktur, fachliche Förderung oder ein Gespräch mit der Schule. Manchmal stehen hinter den Leistungen aber auch Ängste, familiäre Belastungen, anhaltende Konflikte, Konzentrationsprobleme oder ein grundsätzlich verlorener Zugang zum Lernen.

Deshalb sollte die erste Frage nicht lauten: „Wie bekommen wir die Noten hoch?“, sondern: „Was braucht dieser junge Mensch, damit Entwicklung wieder möglich wird?“

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Ferien sind kein sechswöchiges Reparaturprogramm

Nach einem schwierigen Schuljahr entsteht leicht der Impuls, jede freie Woche mit Nachhilfe, Übungsblättern und Lernplänen zu füllen. Natürlich kann es sinnvoll sein, einzelne Lücken aufzuarbeiten. Doch Kinder und Jugendliche brauchen nach einem anstrengenden Schuljahr auch Erholung. Sie brauchen Schlaf, Bewegung, Begegnungen, Natur, Erfolgserlebnisse und Zeiten, in denen sie nicht bewertet werden.

Die Ferien sollten nicht zur verlängerten Bewährungsprobe werden. Ein junger Mensch darf erleben: Ich kann etwas gestalten. Ich werde gebraucht. Ich habe Fähigkeiten, die in keinem Schulfach benotet werden. Ich bin mehr als meine Schwierigkeiten. Gerade solche Erfahrungen können neue Motivation entstehen lassen.

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Ein Zeugnis ist eine Rückmeldung – kein Lebensurteil

Einige der Menschen, die später ihren eigenen, erfolgreichen und erfüllenden Weg finden, waren während ihrer Schulzeit keineswegs unauffällig oder besonders leistungsstark. Manche brauchten länger. Manche lernten anders. Manche entwickelten ihre Begabungen erst dort, wo ihnen jemand zutraute, mehr zu sein als die Summe ihrer Defizite – so war das übrigens auch bei mir!

Nicht jedes Kind wird später Medizin, Kunst oder Literatur verändern. Das muss es auch nicht. Ein junger Mensch muss weder berühmt noch außergewöhnlich erfolgreich werden, um wertvoll zu sein. Vielleicht besteht sein späteres Glück darin, einen Beruf zu finden, der zu ihm passt. Verlässliche Freundschaften aufzubauen. Verantwortung zu übernehmen. Eine Familie zu gründen. Für andere da zu sein. Oder nach schwierigen Jahren endlich mit sich selbst im Reinen zu leben.

Auch das sind bedeutende Lebenswege.

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Der wichtigste Satz am letzten Schultag

Vielleicht ist heute nicht das Zeugnis das Entscheidende. Vielleicht ist es der Mensch, der dem Kind gegenübersteht und ihm vermittelt:

Du bist mehr als diese Noten.

Du bist nicht deine Schwierigkeiten.

Wir werden gemeinsam nach einem Weg suchen.

Und ich bin stolz auf dich – nicht nur dann, wenn du etwas leistest, sondern weil du du bist.

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Denn ein Zeugnis beschreibt einen Teil eines Schuljahres. Es beschreibt niemals den Wert eines jungen Menschen.


Gestörte Familiensysteme – Wenn Kinder lernen, sich selbst zu verlieren

Nicht jede Familie, in der gestritten wird oder Fehler passieren, ist dysfunktional. Konflikte gehören zum Familienleben dazu. Entscheidend ist jedoch, ob ein Kind sich dauerhaft sicher, gesehen und angenommen fühlt.

In meiner Arbeit als Jugendcoach begegnen mir immer wieder Jugendliche, deren Schwierigkeiten nicht allein in der Schule, im Freundeskreis oder im Medienkonsum entstanden sind. Häufig liegen die Wurzeln deutlich früher – in wiederkehrenden Mustern innerhalb der Familie.

Der Begriff „dysfunktionales Familiensystem“ beschreibt Familien, in denen grundlegende emotionale Bedürfnisse über längere Zeit nicht ausreichend erfüllt werden. Das geschieht oft unbewusst. Die meisten Eltern handeln nicht aus böser Absicht, sondern stehen selbst unter Druck oder tragen eigene unverarbeitete Erfahrungen mit sich.

Fünf mögliche Anzeichen

1. Gefühle werden nicht ernst genommen

Sätze wie:

  • „Jetzt übertreib mal nicht.“
  • „Reiß dich zusammen.“
  • „Das ist doch kein Grund zu weinen.“

klingen zunächst harmlos. Für Kinder vermitteln sie jedoch häufig eine andere Botschaft: „Mit meinen Gefühlen stimmt etwas nicht.“

Kinder lernen dann, Emotionen zu unterdrücken, anstatt sie wahrzunehmen und angemessen zu verarbeiten. Im Erwachsenenalter können daraus Schwierigkeiten entstehen, Gefühle zu erkennen, Bedürfnisse zu äußern oder stabile Beziehungen aufzubauen.

2. Kinder übernehmen Verantwortung für Erwachsene

Manche Kinder werden viel zu früh zu Vermittlern, Tröstern oder Problemlösern ihrer Eltern. Fachleute sprechen hierbei von Parentifizierung. Diese Kinder wirken oft außergewöhnlich reif, zuverlässig und vernünftig. Doch hinter dieser Stärke verbirgt sich häufig ein hoher Preis:

  • eigene Bedürfnisse werden zurückgestellt,
  • Schuldgefühle entstehen schnell,
  • Entspannung fällt schwer,
  • Verantwortung wird zum Lebensmuster.

3. Konflikte machen Angst

In manchen Familien wird ständig geschrien. In anderen wird über Probleme überhaupt nicht gesprochen. Beide Extreme können Kinder verunsichern. Kinder brauchen die Erfahrung, dass Konflikte zwar belastend sein können, aber respektvoll gelöst werden dürfen. Fehlt dieses Vorbild, entwickeln viele später Angst vor Auseinandersetzungen oder vermeiden Konflikte vollständig.

4. Kontrolle ersetzt Beziehung

Regeln geben Orientierung. Übermäßige Kontrolle hingegen verhindert Vertrauen. Wenn Kritik, Kontrolle und Perfektion den Familienalltag bestimmen, erleben Kinder häufig:

  • wenig Eigenständigkeit,
  • Angst vor Fehlern,
  • geringen Selbstwert,
  • das Gefühl, nur bei Leistung akzeptiert zu werden.

Eine tragfähige Beziehung entsteht jedoch nicht durch Kontrolle, sondern durch Vertrauen, Interesse und echte Verbindung.

5. Nach außen wirkt alles perfekt

Gerade besonders erfolgreiche oder nach außen harmonisch wirkende Familien können im Inneren große Belastungen erleben.

Kinder lernen dann häufig:

  • Probleme werden verschwiegen.
  • Gefühle bleiben unausgesprochen.
  • Nach außen muss alles funktionieren.

Diese Diskrepanz zwischen äußerem Bild und innerem Erleben führt nicht selten zu Einsamkeit und Scham.

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Was Eltern wissen sollten

Keines dieser Merkmale allein beweist, dass eine Familie dysfunktional ist. Entscheidend ist immer das Gesamtbild, die Dauer und die Intensität der Belastungen. Die gute Nachricht lautet: Familiäre Muster sind nicht unveränderlich. Kinder brauchen keine perfekten Eltern. Sie brauchen Erwachsene, die bereit sind zuzuhören, Fehler einzugestehen, Verantwortung zu übernehmen und Beziehungen immer wieder neu zu gestalten.

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Meine Erfahrung als Jugendcoach und Fachkraft der Jugendhilfe

In den vergangenen 25 Jahren habe ich viele Jugendliche begleitet, deren Verhalten zunächst als Faulheit, Wut oder mangelnde Motivation interpretiert wurde. Oft zeigte sich jedoch, dass hinter diesen Symptomen ein unerfülltes Bedürfnis nach Sicherheit, Wertschätzung und emotionaler Verbundenheit stand.

Deshalb richte ich meinen Blick im Coaching nicht nur auf das Verhalten eines Jugendlichen, sondern immer auch auf sein gesamtes Lebensumfeld. Denn nachhaltige Veränderung entsteht selten durch Strafen oder Methoden allein – sondern durch Beziehung, Verständnis und neue Erfahrungen.

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Fazit

Eine gesunde Familie ist nicht die Familie ohne Streit oder Fehler. Sie ist eine Familie, in der Gefühle Platz haben, Verantwortung altersgerecht verteilt wird, Konflikte respektvoll gelöst werden und jedes Familienmitglied erfahren darf:

„Ich bin wichtig. Ich werde gesehen. Ich bin auch dann wertvoll, wenn ich nicht perfekt bin.“

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Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine psychologische oder therapeutische Diagnostik. Familien sind komplex, und einzelne Verhaltensweisen sollten niemals isoliert bewertet werden. Wenn Kinder oder Jugendliche dauerhaft unter familiären Belastungen leiden, kann eine Beratung durch geeignete Fachkräfte sinnvoll sein.

Online-Shopping als Suchtfalle: Wie Jugendliche gezielt zum Kaufen verführt werden

Ein neues Kleidungsstück, ein angesagtes Pflegeprodukt oder das technische Zubehör, das gerade scheinbar alle besitzen: Für Jugendliche liegen zwischen einem spontanen Wunsch und dem Kauf oft nur wenige Sekunden.

Das Smartphone ist längst nicht mehr nur Kommunikationsmittel. Es ist gleichzeitig Werbefläche, Einkaufszentrum, Bezahlsystem und sozialer Treffpunkt. Werbung erscheint dabei häufig nicht mehr als klassischer Werbespot, sondern eingebettet in Videos, Empfehlungen und persönliche Geschichten von Influencerinnen und Influencern.

Eine aktuelle Sonderauswertung der Mediensuchtstudie von DAK-Gesundheit und dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zeigt, wie stark diese Mechanismen das Kaufverhalten junger Menschen bereits beeinflussen.

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Kaufimpulse entstehen direkt im Alltag

Früher war Werbung vergleichsweise leicht zu erkennen. Sie lief zwischen zwei Fernsehsendungen, erschien in Zeitschriften oder hing auf Plakatwänden. Heute ist die Trennung zwischen Unterhaltung, persönlicher Empfehlung und kommerziellem Interesse deutlich schwieriger.

Influencer präsentieren Produkte häufig so, als seien sie Teil ihres normalen Lebens. Rabattcodes, zeitlich begrenzte Angebote, Produktplatzierungen und persönliche Empfehlungen erzeugen das Gefühl, einem vertrauten Menschen beim Einkaufen zuzusehen.

Nach Angaben der DAK werden 47,2 Prozent der 10- bis 17-Jährigen durch Werbung in sozialen Netzwerken auf Produkte aufmerksam. 40,4 Prozent geben an, dass Influencerinnen und Influencer sie auf Produkte aufmerksam machen, die sie später kaufen.

Dabei geht es nicht nur um Werbung im klassischen Sinne. Digitale Verkaufsstrategien arbeiten unter anderem mit:

  • Countdowns und künstlicher Verknappung
  • Rabattcodes und zeitlich begrenzten Angeboten
  • personalisierten Produktempfehlungen
  • Belohnungen, Punkten oder Glücksspielelementen
  • wiederholter Werbung für zuvor angesehene Produkte
  • dem Eindruck, ein bestimmter Trend sei bereits überall verbreitet

Jugendliche treffen ihre Kaufentscheidungen deshalb nicht in einem neutralen Umfeld. Sie bewegen sich in digitalen Räumen, die gezielt darauf ausgerichtet sind, Aufmerksamkeit in Konsum umzuwandeln.

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Bis zu 1.200 Euro im Jahr

Fast vier von zehn Kindern und Jugendlichen besuchen mindestens einmal pro Woche einen Online-Shop. Rund ein Drittel gibt monatlich zwischen 10 und 20 Euro aus, etwa ein Viertel zwischen 21 und 50 Euro. 12,2 Prozent der Befragten kaufen monatlich für 51 bis 100 Euro ein. Bei ihnen können sich die Ausgaben damit auf bis zu 1.200 Euro im Jahr summieren.

Diese Zahl darf allerdings nicht missverständlich interpretiert werden: Nicht jeder Jugendliche gibt 1.200 Euro aus, und häufiges Online-Shopping bedeutet noch nicht automatisch Kaufsucht. Dennoch zeigt die Untersuchung ein ernst zu nehmendes Risiko. Rund 1,2 Prozent der befragten 10- bis 17-Jährigen weisen bereits ein problematisches Online-Kaufverhalten auf. Mädchen waren mit 1,3 Prozent etwas häufiger betroffen als Jungen mit einem Prozent.

Besonders häufig gekauft werden Kleidung, Schuhe und Accessoires, Elektronikprodukte, Medien- und Unterhaltungsangebote, sowie Kosmetik- und Pflegeprodukte. Amazon gehört zu den meistgenutzten Anbietern. Auch Plattformen wie Temu und Shein erreichen viele junge Käuferinnen und Käufer. Diese werben häufig mit extrem niedrigen Preisen, permanenten Sonderaktionen und spielerischen Elementen.

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Warum Jugendliche besonders empfänglich sind

Jugendliche befinden sich in einer Entwicklungsphase, in der Zugehörigkeit, Anerkennung und die Suche nach der eigenen Identität eine große Rolle spielen. Kleidung, Technik, Kosmetik und bestimmte Marken können dabei zu sichtbaren Zeichen werden: Bin ich Teil der Gruppe? Passe ich dazu? Wirke ich attraktiv, erfolgreich oder modern? Was denken andere über mich?

Soziale Medien verstärken diese Fragen. Jugendliche sehen dort überwiegend ausgewählte, inszenierte Ausschnitte aus dem Leben anderer Menschen. Produkte werden mit Schönheit, Beliebtheit, Erfolg oder einem bestimmten Lebensgefühl verbunden. Hinzu kommt, dass junge Menschen spontane Impulse häufig noch weniger zuverlässig kontrollieren können als Erwachsene. Die Studienleiterin Kerstin Paschke weist darauf hin, dass Jugendliche aufgrund ihrer psychologischen und neurobiologischen Entwicklung besonders empfänglich für manipulative Konsummechanismen sein können.

Der Kauf erfüllt dann möglicherweise nicht nur einen praktischen Zweck. Er kann kurzfristig Spannung lösen, Langeweile vertreiben oder ein Gefühl von Belohnung erzeugen. Genau darin liegt die Gefahr: Kaufen kann zu einer Strategie werden, unangenehme Gefühle zu regulieren.

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Wann wird Online-Shopping problematisch?

Eltern sollten nicht jeden Kauf kritisch kommentieren. Konsum gehört zum Alltag, und Jugendliche müssen lernen, eigenständige finanzielle Entscheidungen zu treffen.

Aufmerksam werden sollte man jedoch, wenn mehrere der folgenden Anzeichen auftreten:

  • Das Kind kauft heimlich oder verschweigt Bestellungen.
  • Die Ausgaben werden heruntergespielt oder falsch dargestellt.
  • Nach dem Kauf entstehen Schuldgefühle oder starke Reue.
  • Das Kaufen dient vor allem gegen Frust, Einsamkeit oder Langeweile.
  • Pakete, Rechnungen oder Zahlungsaufforderungen häufen sich.
  • Taschengeld und Ersparnisse sind regelmäßig sofort aufgebraucht.
  • Vereinbarte finanzielle Grenzen werden wiederholt überschritten.
  • Ohne neue Käufe entsteht Unruhe, Gereiztheit oder Leere.
  • Schule, Beziehungen oder andere Interessen werden vernachlässigt.

Ein einzelnes Anzeichen beweist noch keine Abhängigkeit. Entscheidend ist, ob der junge Mensch die Kontrolle über sein Verhalten zunehmend verliert und negative Folgen entstehen.

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Verbote allein reichen nicht aus

Ein vollständiges Verbot des Online-Shoppings mag kurzfristig funktionieren. Es vermittelt jedoch noch keine Kompetenz. Jugendliche müssen lernen, Kaufanreize zu erkennen, Entscheidungen aufzuschieben und mit ihrem Geld verantwortlich umzugehen.

Dabei können Eltern konkrete Fragen stellen:

„Wodurch bist du auf dieses Produkt aufmerksam geworden?“

„Hättest du es auch kaufen wollen, wenn du es nicht auf TikTok oder Instagram gesehen hättest?“

„Ist das wirklich ein Rabatt oder wirkt es nur so?“

„Welches Gefühl erwartest du nach dem Kauf?“

„Würdest du den Artikel auch noch in drei Tagen kaufen?“

Solche Fragen fördern Selbstreflexion, ohne Jugendliche pauschal für ihr Konsumverhalten zu verurteilen.

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Was Eltern konkret tun können

1. Eine Wartezeit vereinbaren

Bei nicht notwendigen Käufen kann eine Wartezeit von 24 oder 48 Stunden gelten. Viele spontane Wünsche verlieren bereits nach kurzer Zeit ihre Dringlichkeit.

2. Ein festes Budget festlegen

Jugendliche sollten wissen, wie viel Geld ihnen monatlich zur freien Verfügung steht. Wird das Budget verbraucht, gibt es keinen automatischen Nachschlag.

3. Ausgaben sichtbar machen

Eine einfache Liste oder eine Haushalts-App kann helfen. Viele kleine Käufe wirken unbedeutend, bis ihre Gesamtsumme sichtbar wird.

4. Zahlungswege begrenzen

Gespeicherte Kreditkarten, Einkäufe mit einem Klick oder „Buy now, pay later“-Angebote reduzieren die gefühlte Bedeutung des Geldes. Minderjährige sollten nicht unbegrenzt auf solche Zahlungsformen zugreifen können.

5. Werbung gemeinsam analysieren

Eltern können mit Jugendlichen Influencer-Beiträge ansehen und besprechen:

Ist der Beitrag als Werbung gekennzeichnet?
Wer verdient an dem Rabattcode?
Welches Gefühl soll ausgelöst werden?
Wird künstlicher Zeitdruck erzeugt?

Medienkompetenz bedeutet nicht nur, technische Geräte bedienen zu können. Sie bedeutet auch, wirtschaftliche Interessen zu erkennen.

6. Das eigene Verhalten überprüfen

Erwachsene wirken als Vorbilder. Wer selbst regelmäßig spontan bestellt, ständig Pakete erhält oder Frust durch Einkäufe kompensiert, kann von Jugendlichen nur schwer Zurückhaltung verlangen.

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Jugendliche brauchen Orientierung statt Beschämung

Sätze wie „Du kannst einfach nicht mit Geld umgehen“ oder „Du fällst auf jeden Unsinn herein“ führen selten zu einem verantwortungsvolleren Verhalten. Sie erzeugen eher Abwehr und Heimlichkeit.

Hilfreicher ist eine klare, aber respektvolle Haltung: „Ich möchte verstehen, was dich zum Kauf bewegt.“ oder „Wir schauen uns gemeinsam an, wie diese Werbung funktioniert.“ oder „Du darfst Fehler machen, musst aber auch Verantwortung für die Folgen übernehmen.“ oder auch „Wir vereinbaren Regeln, die dich schützen und dir gleichzeitig Selbstständigkeit ermöglichen.“

Jugendliche brauchen weder völlige Kontrolle noch völlige Freiheit. Sie brauchen einen Rahmen, in dem sie finanzielle Entscheidungen schrittweise erlernen können.

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Medienkompetenz ist heute auch Verbraucherschutz

Online-Shops und soziale Netzwerke sind professionell darin geworden, Bedürfnisse zu erzeugen und Kaufentscheidungen zu beschleunigen. Von Kindern und Jugendlichen kann nicht erwartet werden, dass sie diese Mechanismen ohne Unterstützung vollständig durchschauen.

Eltern, Schulen und Politik tragen deshalb gemeinsam Verantwortung. Der Vorstandsvorsitzende der DAK-Gesundheit, Andreas Storm, fasst es treffend zusammen: Wenn Kaufimpulse vor allem in sozialen Medien entstehen, müssen junge Menschen lernen, Werbung und die dahinterstehenden kommerziellen Interessen zu erkennen. Medienkompetenz ist damit zugleich Verbraucherschutz.

Unser Ziel darf nicht sein, Jugendliche grundsätzlich vom Konsum fernzuhalten. Wir müssen sie dazu befähigen, zwischen einem echten Bedürfnis und einem künstlich erzeugten Kaufimpuls zu unterscheiden, denn wer gelernt hat, kurz innezuhalten, Werbung kritisch zu hinterfragen und die eigenen Gefühle zu verstehen, gewinnt mehr als finanzielle Kompetenz: Er gewinnt ein Stück Selbstbestimmung.

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Quellen:
DAK-Gesundheit und Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf: Sonderauswertung zum Online-Shopping von Kindern und Jugendlichen, veröffentlicht am 15. Juni 2026.  Eltern.de: „Online-Shopping als Suchtfalle: Teenies geben bis zu 1.200 Euro im Jahr aus“, veröffentlicht

E-Scooter-Unfälle nehmen drastisch zu: 38 Tote und mehr als 18.000 Verletzte im Jahr 2025

E-Scooter gehören mittlerweile selbstverständlich zum Straßenbild. Gerade für Jugendliche und junge Erwachsene sind sie eine schnelle, unkomplizierte und vergleichsweise günstige Möglichkeit, kurze Strecken zurückzulegen. Doch die aktuellen Unfallzahlen zeigen: Die Risiken dieser Fahrzeuge werden noch immer deutlich unterschätzt.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes registrierte die Polizei im Jahr 2025 bundesweit 16.496 E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden. Das entspricht einem Anstieg von 38,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2024 waren noch 11.944 entsprechende Unfälle erfasst worden.

Hinter diesen Zahlen stehen keine abstrakten Statistiken, sondern Menschen, deren Leben sich innerhalb weniger Sekunden verändert hat.

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38 Menschen verloren ihr Leben

Im vergangenen Jahr kamen bei Unfällen, an denen E-Scooter beteiligt waren, insgesamt 38 Menschen ums Leben. Im Jahr zuvor waren es 27. Damit stieg die Zahl der Todesopfer innerhalb eines Jahres um mehr als 40 Prozent.

Von den 38 Getöteten waren:

  • 33 Menschen selbst mit einem E-Scooter unterwegs,
  • drei Menschen zu Fuß unterwegs,
  • eine Person mit dem Fahrrad unterwegs,
  • eine Person mit einem Auto unterwegs.

Das verdeutlicht: Das Unfallrisiko betrifft nicht nur diejenigen, die auf einem E-Scooter stehen. Auch Fußgänger, Radfahrer und andere Verkehrsteilnehmer können durch einen Zusammenstoß schwer verletzt oder getötet werden.

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Fast 1.900 Menschen wurden schwer verletzt

Neben den Todesfällen wurden im Jahr 2025 insgesamt 1.895 Menschen schwer verletzt. Weitere 16.184 Menschen erlitten leichte Verletzungen.

Damit wurden bei E-Scooter-Unfällen innerhalb eines einzigen Jahres mehr als 18.000 Menschen verletzt. Dabei darf der Begriff „leicht verletzt“ nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch solche Verletzungen schmerzhaft sein und längere Behandlungen, Arbeitsausfälle oder Einschränkungen im Alltag nach sich ziehen können.

Schwere Verletzungen können unter anderem den Kopf, das Gesicht, die Wirbelsäule, Arme oder Beine betreffen. Da E-Scooter-Fahrer kaum geschützt sind, treffen sie bei einem Sturz häufig unmittelbar auf Asphalt, Bordsteinkanten, Fahrzeuge oder andere Hindernisse.

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Besonders viele junge Menschen sind betroffen

Die Unfallzahlen sind auch aus Sicht der Jugendhilfe und des Jugendcoachings alarmierend. 53,6 Prozent der im Jahr 2025 verunglückten E-Scooter-Fahrer waren jünger als 25 Jahre. Mehr als die Hälfte aller Betroffenen gehörte somit zur Gruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Insgesamt waren 83,7 Prozent der verunglückten Fahrer jünger als 45 Jahre. E-Scooter-Unfälle sind damit in besonderem Maße ein Unfallgeschehen jüngerer Menschen.

Gerade Jugendliche überschätzen mitunter ihre Fahrfähigkeiten oder unterschätzen die Geschwindigkeit. Ein E-Scooter wirkt auf den ersten Blick fast wie ein Spielgerät. Tatsächlich handelt es sich jedoch um ein motorisiertes Fahrzeug, das im öffentlichen Straßenverkehr bewegt wird.

Eine Geschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde erscheint zunächst nicht besonders hoch. Bei einem ungebremsten Sturz oder einem Zusammenstoß reicht sie jedoch aus, um schwere Verletzungen zu verursachen.

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Die häufigsten Unfallursachen

Die häufigste von der Polizei festgestellte Unfallursache war die falsche Benutzung von Fahrbahnen, Radwegen oder Gehwegen. Sie spielte bei mehr als jedem fünften erfassten Fehlverhalten eine Rolle.

Weitere wesentliche Ursachen waren:

  • Alkohol mit einem Anteil von rund 11 Prozent,
  • nicht angepasste oder zu hohe Geschwindigkeit,
  • das Fahren auf nicht erlaubten Verkehrsflächen,
  • unsicheres Abbiegen oder Einordnen,
  • die Mitnahme einer zweiten Person.

Besonders problematisch ist der Alkoholkonsum. 10,9 Prozent der beteiligten E-Scooter-Fahrer hatten vor dem Unfall Alkohol getrunken. Damit war Alkohol bei E-Scooter-Unfällen häufiger ein Faktor als bei verunglückten Rad- oder Kleinkraftradfahrern.

Wer alkoholisiert einen E-Scooter benutzt, gefährdet nicht nur sich selbst. Reaktionsfähigkeit, Gleichgewicht, Aufmerksamkeit und Einschätzungsvermögen verschlechtern sich bereits bei vergleichsweise geringen Alkoholmengen.

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E-Scooter sind nur für eine Person zugelassen

Im Jahr 2025 waren 822 der verunglückten E-Scooter-Nutzer als Mitfahrer unterwegs. Das entspricht einem Anteil von 5,5 Prozent. Im Vorjahr waren es noch 508 Personen gewesen.

E-Scooter sind grundsätzlich nur für eine einzige Person zugelassen. Eine zweite Person verändert das Fahrverhalten erheblich. Bremsweg, Schwerpunkt und Lenkbarkeit verschlechtern sich. Gleichzeitig steigt die Gefahr, bei einem Sturz gemeinsam unkontrolliert auf die Fahrbahn zu fallen.

Unter den 33 getöteten E-Scooter-Nutzern befand sich 2025 auch eine mitfahrende Person.

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Wer trägt die Verantwortung bei Zusammenstößen?

Bei Unfällen zwischen einem E-Scooter und einem Auto trugen E-Scooter-Fahrer in 38,1 Prozent der Fälle die Hauptschuld. Bei Zusammenstößen mit Radfahrern lag ihr Anteil an den Hauptverursachern bei 74,3 Prozent.

Besonders auffällig ist die Situation bei Unfällen mit Fußgängern: Hier wurden E-Scooter-Fahrer in 88,7 Prozent der Fälle als Hauptverursacher eingestuft.

Diese Zahlen zeigen, dass E-Scooter nicht nur eine Gefahr für die Fahrer selbst darstellen können. Auf Gehwegen, an Haltestellen, in Fußgängerzonen oder bei unübersichtlichen Kreuzungen können sie auch für andere Menschen zu einem erheblichen Risiko werden.

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Warum Jugendliche die Gefahr häufig unterschätzen

Jugendliche handeln nicht automatisch leichtsinnig. Dennoch befinden sie sich in einer Lebensphase, in der Risikobereitschaft, Gruppendruck und spontane Entscheidungen eine größere Rolle spielen können.

Hinzu kommt: Viele junge Menschen haben nie gelernt, einen E-Scooter sicher zu beherrschen. Häufig genügt das Herunterladen einer App, um innerhalb weniger Minuten am Straßenverkehr teilzunehmen. Eine praktische Einweisung oder Überprüfung der Verkehrskenntnisse findet in der Regel nicht statt.

Typische riskante Situationen sind:

  • das Fahren zu zweit,
  • Ablenkung durch das Smartphone,
  • Fahren mit Kopfhörern,
  • Nutzung nach Alkohol- oder Drogenkonsum,
  • schnelle Fahrmanöver zwischen Fußgängern,
  • Missachtung roter Ampeln,
  • Fahren auf Gehwegen,
  • fehlende Beleuchtung oder schlechte Sichtbarkeit,
  • das Fahren ohne Helm.

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Eltern sollten nicht nur verbieten, sondern aufklären

Ein pauschales Verbot wird Jugendliche nicht immer davon abhalten, einen E-Scooter zu nutzen. Entscheidend ist deshalb, dass Eltern die Risiken konkret ansprechen und gemeinsam klare Regeln vereinbaren.

Dazu gehört beispielsweise:

Ein E-Scooter wird niemals nach dem Konsum von Alkohol oder anderen berauschenden Substanzen benutzt. Es fährt grundsätzlich nur eine Person auf dem Roller. Das Smartphone bleibt während der Fahrt in der Tasche. Gehwege sind tabu, sofern sie nicht ausdrücklich freigegeben sind. Bei Dunkelheit muss die Beleuchtung funktionieren. Ein Helm sollte auch dann getragen werden, wenn derzeit keine allgemeine Helmpflicht besteht.

Eltern sollten außerdem deutlich machen, dass Regeln nicht aus Misstrauen entstehen. Sie dienen dem Schutz des Jugendlichen und aller anderen Verkehrsteilnehmer.

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Aus Mobilität darf keine Todesgefahr werden

E-Scooter können eine sinnvolle Ergänzung moderner Mobilität sein. Sie ermöglichen kurze Wege ohne Auto und können insbesondere in Städten praktisch sein. Doch Bequemlichkeit darf nicht dazu führen, dass die Gefahren verdrängt werden.

16.496 Unfälle, 1.895 Schwerverletzte und 38 Tote innerhalb eines Jahres sind ein deutliches Warnsignal.

Vor allem die hohe Beteiligung junger Menschen zeigt, dass Verkehrserziehung nicht erst beim Autoführerschein beginnen darf. Jugendliche benötigen frühzeitig Wissen über Verkehrsregeln, Bremswege, Alkoholeinfluss und die Folgen riskanter Entscheidungen.

Es geht nicht darum, Angst zu verbreiten oder E-Scooter grundsätzlich zu verteufeln. Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen. Denn eine einzige unüberlegte Fahrt kann ausreichen, um das eigene Leben oder das Leben eines anderen Menschen dauerhaft zu verändern.

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Quelle: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. N049 vom 16. Juli 2026: „38,1 % mehr E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden im Jahr 2025

Warum viele Menschen nicht spenden – und wie man dieses Problem lösen kann

„Ich würde ja gerne helfen, aber ich weiß nicht, was mit meinem Geld passiert.“

Diesen Satz hört man erstaunlich oft. Dabei steckt dahinter kein Mangel an Mitgefühl. Im Gegenteil: Viele Menschen möchten helfen. Sie wünschen sich lediglich die Sicherheit, dass ihre Spende tatsächlich dort ankommt, wo sie gebraucht wird.

Genau an diesem Punkt setzt der Spendenshop der UNO-Flüchtlingshilfe an.

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Hilfe wird plötzlich greifbar

Anstatt einfach einen beliebigen Geldbetrag zu überweisen, kann man dort ganz konkrete Hilfsgüter auswählen. Beispielsweise sauberes Wasser für einen Monat, eine Schultafel für den Unterricht von Kindern oder ein Familienzelt für Menschen, die ihr Zuhause verloren haben. Die angebotenen Hilfsgüter stehen dabei beispielhaft für die Unterstützung, die mit der Spende finanziert wird.

Diese Form der Transparenz schafft Vertrauen, denn hat nicht mehr das Gefühl, Geld „ins Ungewisse“ zu schicken. Stattdessen weiß man, welche Art von Hilfe durch die eigene Spende ermöglicht werden soll.

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Warum Transparenz so wichtig ist

Vertrauen ist die Grundlage jeder Spendenentscheidung.

In einer Zeit, in der täglich unzählige Organisationen um Unterstützung werben, stellen sich viele Menschen berechtigte Fragen:

  • Kommt meine Spende wirklich an?
  • Wird verantwortungsvoll mit dem Geld umgegangen?
  • Kann ich tatsächlich etwas bewirken?

Die UNO-Flüchtlingshilfe weist unter anderem auf unabhängige Prüfungen hin und trägt seit vielen Jahren das DZI-Spendensiegel, das eine transparente und verantwortungsvolle Mittelverwendung bestätigt.

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Eine wichtige Botschaft – auch für Jugendliche

In meiner täglichen Arbeit mit Jugendlichen stelle ich immer wieder fest, dass viele junge Menschen helfen möchten. Sie engagieren sich für andere, sammeln Spenden in der Schule oder unterstützen soziale Projekte, doch sie möchten verstehen, welchen Unterschied ihr Einsatz macht.

Genau deshalb gefällt mir dieses Konzept so gut: Es macht Hilfe sichtbar. Aus einer abstrakten Geldspende wird etwas Konkretes. Das stärkt das Gefühl von Selbstwirksamkeit, denn jeder Mensch – unabhängig vom Alter – möchte erleben, dass sein Handeln einen Unterschied macht.

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Jeder Beitrag zählt

Nicht jeder kann große Summen spenden. Das muss er auch gar nicht. Viele kleine Beiträge können gemeinsam Großes bewirken. Manchmal beginnt Hilfe mit einem Eimer, sauberem Trinkwasser oder Schulmaterial für Kinder, die alles verloren haben.

Vielleicht ist genau diese Form der Transparenz der entscheidende Impuls, aus einem guten Vorsatz eine echte Handlung werden zu lassen. Denn Mitgefühl verändert noch nichts. Erst wenn Mitgefühl zur Handlung wird, verändert sich die Welt – Stück für Stück.

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Tipp

Wer sich selbst ein Bild machen möchte, findet im Spendenshop der UNO-Flüchtlingshilfe zahlreiche Beispiele dafür, welche Hilfe durch eine Spende ermöglicht werden kann. Vielleicht ist genau das der Anstoß, den viele Menschen brauchen, um den ersten Schritt zu gehen.


Hilfe ja – aber bitte so, dass Kinder sie auch erreichen können

Es ist eine gute Nachricht, wenn neue Beratungsangebote für Kinder und Jugendliche geschaffen werden. Jeder zusätzliche Ansprechpartner kann im richtigen Moment einen entscheidenden Unterschied machen. Wer sich traut, Hilfe zu suchen, verdient schnelle, unkomplizierte und niedrigschwellige Unterstützung.

Doch genau hier beginnt ein Problem, das wir in Deutschland immer wieder beobachten: Viele Hilfsangebote werden aus der Perspektive von Erwachsenen entwickelt – nicht aus der Perspektive der Kinder und Jugendlichen, für die sie eigentlich gedacht sind.

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Eine Telefonnummer, die sich kaum jemand merken kann

Die beworbene Telefonnummer lautet: 0800 8888 004

Natürlich kann man argumentieren, dass man heute Telefonnummern einfach im Smartphone abspeichert oder im Internet nachschlägt. Doch diese Argumentation greift zu kurz. Kinder und Jugendliche befinden sich häufig in emotionalen Ausnahmesituationen. Wer Angst hat, Gewalt erlebt oder verzweifelt ist, denkt nicht rational darüber nach, wo die Nummer gespeichert ist. In solchen Momenten zählt jede Sekunde.

Deshalb sind leicht einprägsame Telefonnummern so wichtig.

Ein Grund, warum beispielsweise der Notruf 112 oder die Nummer gegen Kummer 116 111 so bekannt geworden sind, liegt gerade in ihrer Einfachheit.

Eine Nummer wie 0800 8888 004 bleibt dagegen kaum im Gedächtnis.

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Die Erreichbarkeit geht an der Lebensrealität vorbei

Noch kritischer sehe ich allerdings die angegebenen Beratungszeiten:

  • Montag bis Donnerstag: 9–12 Uhr und 13–16 Uhr
  • Freitag: 9–12 Uhr

Genau dann befinden sich Kinder und Jugendliche in der Regel in der Schule. Natürlich gibt es Ausnahmen. Manche können auch während der Schulzeit telefonieren oder wenden sich zunächst an Lehrkräfte oder Schulsozialarbeit.

Trotzdem stellt sich eine berechtigte Frage: Warum richtet sich ein Angebot für Kinder überwiegend nach klassischen Bürozeiten?

Gerade Jugendliche öffnen sich häufig erst am Nachmittag oder Abend. Viele Krisen entstehen nach der Schule, wenn Konflikte zu Hause eskalieren, Mobbing in sozialen Medien zunimmt oder Einsamkeit besonders spürbar wird.

Wer dann Hilfe sucht, sollte nicht bis zum nächsten Werktag warten müssen.

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Niedrigschwellig bedeutet mehr als kostenlos

In der Jugendhilfe sprechen wir oft von niedrigschwelligen Angeboten.

Doch niedrigschwellig bedeutet nicht nur:

  • kostenlos
  • vertraulich
  • anonym

Es bedeutet auch:

  • leicht auffindbar
  • leicht merkbar
  • zu den Zeiten erreichbar, in denen junge Menschen tatsächlich Hilfe benötigen.

Ein Hilfsangebot kann fachlich hervorragend sein und trotzdem an Wirkung verlieren, wenn der Zugang unnötig kompliziert ist.

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Kinder brauchen Angebote, die für sie gemacht sind

Seit über 25 Jahren arbeite ich mit Jugendlichen in Krisensituationen. Ich erlebe immer wieder: Jugendliche holen sich Hilfe selten dann, wenn Erwachsene glauben, dass der richtige Zeitpunkt wäre. Sie melden sich oft spontan.

Abends, am Wochenende, nach einem Streit, nach einer Trennung, nach einer schlechten Nachricht oder mitten in einer schlaflosen Nacht. Genau dann entscheidet sich häufig, ob jemand Unterstützung erhält – oder wieder aufgibt.

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Mein Wunsch an die Verantwortlichen

Ich wünsche mir Hilfsangebote, die konsequent aus Sicht der Zielgruppe gedacht werden.

Dazu gehören beispielsweise:

  • eine Telefonnummer, die jedes Kind nach einmaligem Lesen behalten kann,
  • deutlich längere Erreichbarkeitszeiten am Nachmittag und Abend,
  • ergänzende Chat- und Messenger-Angebote,
  • eine Kommunikation, die Jugendliche direkt anspricht.

Denn Hilfe muss nicht nur vorhanden sein.

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Sie muss genau dann erreichbar sein, wenn junge Menschen den Mut finden, danach zu fragen.


Warum vier Worte gerade die Welt bewegen – und was Eltern daraus lernen können

„Du bist gut genug.“

Vier einfache Worte. Mehr braucht es manchmal nicht.

Genau dieser Satz aus dem aktuellen Nummer-1-Hit „Gut genug“ von „KitschKrieg fest. Blumengarten & Shirin David“ (alleine 13 Mio. Klicks bei YouTube!) geht derzeit weltweit viral. Millionen Menschen hören den Refrain, teilen ihn auf TikTok und Instagram oder singen ihn nach – obwohl viele den deutschen Text gar nicht verstehen. Der Song entwickelte sich zunächst in den USA zum Internetphänomen und eroberte anschließend auch die Spitze der deutschen Charts.

Doch warum berühren ausgerechnet diese vier Worte so viele Menschen?

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Die Sehnsucht unserer Zeit

Als Jugendcoach erlebe ich täglich Jugendliche, die nach außen selbstbewusst wirken und innerlich dennoch ständig zweifeln.

  • Bin ich attraktiv genug?
  • Bin ich beliebt genug?
  • Bin ich erfolgreich genug?
  • Bin ich klug genug?

Soziale Medien verstärken diesen inneren Vergleich enorm. Jeden Tag sehen Jugendliche hunderte scheinbar perfekte Körper, perfekte Beziehungen und perfekte Leben. Das Gehirn beginnt automatisch zu vergleichen – und verliert dabei häufig den Blick für den eigenen Wert.

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Die eigentliche Botschaft

Der Satz „Du bist gut genug“ ist deshalb weit mehr als eine Songzeile.

Er widerspricht einer Gesellschaft, die jungen Menschen ständig vermittelt:

  • Du musst besser werden.
  • Du musst mehr leisten.
  • Du musst erfolgreicher sein.
  • Du musst schöner aussehen.

Jugendliche wachsen heute mit dem Gefühl auf, sich ihren Wert ständig verdienen zu müssen.

Der Song erinnert sie an etwas, das sie viel zu selten hören:

Dein Wert hängt nicht von deinen Noten, deiner Figur, deinen Followern oder deiner Leistung ab.

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Was Eltern tun können

Vielleicht fragen Sie sich heute einmal:

Wann habe ich meinem Kind zuletzt vermittelt, dass es einfach so wertvoll ist?

Nicht wegen einer guten Note oder sportlicher Leistungen, sondern einfach, weil es mein Kind ist.

Kinder brauchen neben Grenzen auch Orientierung, aber genauso brauchen sie die Erfahrung, dass Liebe und Anerkennung nicht erst verdient werden müssen.

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Lob ist nicht dasselbe wie Annahme

Viele Eltern loben ihre Kinder. Das ist gut so, doch Lob ist häufig an Leistungen gekoppelt: „Gut gemacht.“ – „Eine tolle Note.“ – „Darauf kannst du stolz sein.“

Viel seltener hören Jugendliche Sätze wie:

  • Ich bin froh, dass es dich gibt.
  • Du musst nicht perfekt sein.
  • Du bist wichtig.
  • Du bist gut genug.

Gerade diese Botschaften stärken langfristig das Selbstwertgefühl.

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Mein Fazit

Vielleicht erklärt genau das den unglaublichen Erfolg dieses Liedes. Nicht die Melodie allein, nicht der Beat, sondern eine Botschaft, nach der sich viele Menschen sehnen, denn tief in uns allen gibt es den Wunsch, nicht ständig funktionieren zu müssen.

Gerade Jugendliche brauchen Erwachsene, die ihnen genau das immer wieder vermitteln:

Du musst nicht perfekt sein, um wertvoll zu sein. So wie du bist, bist du gut genug.


Neue, gefährliche Drogen – Die Gefahr ist unsichtbar

Als ich vor einigen Tagen einen Beitrag der Zeitschrift Spiegel über neue synthetische Drogen gesehen habe, blieb ich an einem Satz hängen:

„Es war noch nie so gefährlich, Drogen zu nehmen.“

Das klingt zunächst wie eine weitere Warnung, wie wir sie seit Jahrzehnten kennen. Doch wer sich die aktuellen Zahlen und Entwicklungen genauer anschaut, erkennt: Diesmal ist tatsächlich etwas anders.

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Die neue Gefahr ist unsichtbar

Viele Jugendliche verbinden Drogen mit klaren Bildern: Cannabis, Alkohol, Kokain oder Ecstasy. Sie glauben häufig, einschätzen zu können, was sie konsumieren. Genau das wird zunehmend zur tödlichen Falle.

Immer häufiger tauchen in Deutschland sogenannte synthetische Opioide auf. Dazu gehören insbesondere die sogenannten Nitazene. Diese Stoffe wurden ursprünglich als Schmerzmittel erforscht, kamen aber wegen ihrer extremen Gefährlichkeit nie regulär auf den Markt.

Sie werden heute illegal hergestellt und gelangen als Beimischung in andere Substanzen.

  • in vermeintliche Ecstasy-Tabletten,
  • in Kokain,
  • in gefälschte Medikamente,
  • in Heroin,
  • teilweise sogar in Vapes.

Die Konsumierenden wissen häufig nicht, was sie tatsächlich einnehmen.

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Eine salzkorngroße Menge kann tödlich sein

Besonders erschreckend ist die enorme Wirkstärke dieser Stoffe. Einige Nitazene wirken bis zu 1.000-mal stärker als Morphin. Bereits eine winzige Menge – vergleichbar mit einem Salzkorn – kann für einen Menschen ohne entsprechende Toleranz tödlich sein.

Das bedeutet: Frühere Erfahrungen bieten keine Sicherheit mehr. Der Jugendliche, der „nur einmal ausprobieren“ möchte, kann heute eine völlig andere Substanz erhalten als die Person vor wenigen Jahren.

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Die Zahlen aus Deutschland sind alarmierend

Die offiziellen Zahlen zeigen die Entwicklung deutlich:

  • 2.137 Menschen starben im Jahr 2024 in Deutschland an den Folgen illegaler Drogen.
  • Damit bleibt die Zahl der Drogentoten auf einem historisch sehr hohen Niveau.
  • Besonders besorgniserregend ist der Anstieg der Todesfälle bei unter 30-Jährigen um 14 Prozent.
  • In den meisten Fällen lag ein Mischkonsum verschiedener Substanzen vor.

Bundesdrogenbeauftragter Hendrik Streeck warnte deshalb:

„Wir müssen schneller, systematischer und konsequenter reagieren auf neue, immer gefährlichere Drogen.“

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Die eigentliche Botschaft für Jugendliche

Wenn ich mit Jugendlichen arbeite, begegnet mir oft folgende Haltung: „Ich würde niemals Heroin nehmen.“

Das Problem ist: Viele der Betroffenen glauben genau das von sich selbst.

Sie nehmen keine bewusste Entscheidung für Heroin oder synthetische Opioide. Sie konsumieren etwas, das ihnen als Ecstasy, Schmerzmittel oder Vape verkauft wurde.

Die Grenze zwischen „Ausprobieren“ und einer lebensbedrohlichen Situation ist dadurch deutlich kleiner geworden. Es geht deshalb nicht mehr nur um die Frage: „Welche Droge nehme ich?“, sondern vielmehr:„Kann ich überhaupt sicher wissen, was ich gerade konsumiere?“

Die ehrliche Antwort lautet heute: Nein.

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Was Eltern tun können

Viele Eltern reagieren auf dieses Thema mit Angst oder Verboten. Verständlich – aber selten ausreichend. Hilfreicher sind offene Gespräche.

1. Nicht moralisieren

Jugendliche schalten ab, wenn sie ausschließlich Vorwürfe hören.

Fragen wie:

  • „Was weißt du darüber?“
  • „Was erzählen deine Freunde?“
  • „Wie würdest du reagieren, wenn jemand dir etwas anbietet?“

öffnen häufig Türen.

2. Fakten statt Panik

Jugendliche respektieren Ehrlichkeit. Zu sagen: „Früher waren Drogen gefährlich. Heute weiß man oft nicht einmal mehr, was tatsächlich enthalten ist.“ ist glaubwürdiger als allgemeine Abschreckung.

3. Beziehung bleibt die beste Prävention

Die stärksten Schutzfaktoren sind nicht perfekte Regeln.

Es sind:

  • verlässliche Beziehungen,
  • Interesse am Leben des Jugendlichen,
  • gemeinsame Zeit,
  • die Erfahrung, mit Sorgen ernst genommen zu werden.

Wer zu Hause reden kann, muss Risiken außerhalb weniger allein bewältigen.

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Meine Erfahrung als Jugendcoach

In den letzten 25 Jahren habe ich viele Jugendliche begleitet, die Grenzen austesten wollten.

Die meisten wollten nicht „abstürzen“. Sie wollten dazugehören, Neugierig sein, Stress vergessen. Nicht ausgeschlossen werden. Kaum jemand denkt: „Heute gefährde ich mein Leben.“ Und genau deshalb braucht dieses Thema unsere Aufmerksamkeit.

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Mein Fazit

Die größte Veränderung unserer Zeit besteht nicht darin, dass Jugendliche plötzlich risikofreudiger geworden sind. Die Veränderung liegt im Markt selbst. Drogen sind heute unberechenbarer, stärker und oft unsichtbar vermischt. Deshalb lautet die wichtigste Botschaft an Jugendliche: Die sicherste Entscheidung ist nicht, vorsichtiger zu konsumieren – sondern gar nicht erst zu konsumieren.

Und die wichtigste Botschaft an Eltern: Bleiben Sie im Gespräch. Nicht erst dann, wenn etwas passiert ist. Denn Aufklärung, Beziehung und Vertrauen sind noch immer die wirksamsten Formen der Prävention.

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Quellen: Bericht des Bundesdrogenbeauftragten 2025 zu den Drogentodesfällen 2024 sowie aktuelle Berichterstattung zu synthetischen Opioiden und Nitazenen.


Welche Regeln brauchen Kinder in der digitalen Welt?

Warum die Debatte um Smartphones und Social Media längst keine technische, sondern eine pädagogische Frage ist.

Wer heute Jugendliche begleitet, kommt an einem Thema nicht vorbei: dem Smartphone. Es ist Wecker, Kommunikationsmittel, Unterhaltungszentrum, Nachrichtenquelle, Kamera, Spielkonsole und sozialer Treffpunkt zugleich. Für viele Jugendliche ist das Handy nicht nur ein Gegenstand – es ist ein selbstverständlicher Teil ihres Alltags.

Umso spannender ist die aktuelle Diskussion auf politischer Ebene. Die Bundesregierung arbeitet derzeit an Empfehlungen zum Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt. Dabei geht es unter anderem um die Frage, welche Regeln für Smartphones in Schulen gelten sollen und wie Kinder besser vor den Risiken sozialer Medien geschützt werden können.

Doch reichen neue Regeln wirklich aus?

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Das eigentliche Problem liegt tiefer

In der öffentlichen Diskussion wird häufig über Bildschirmzeiten gesprochen. Zwei Stunden? Drei Stunden? Oder doch nur eine Stunde?

Aus meiner Sicht greift diese Frage zu kurz, denn die entscheidende Frage lautet nicht:

„Wie lange nutzt ein Jugendlicher sein Smartphone?“ sondern: „Was verliert er in dieser Zeit?“

Verliert er reale Freundschaften? Verliert er Bewegung? Verliert er die Fähigkeit, sich zu konzentrieren? Verliert er die Erfahrung von Langeweile – und damit die Chance auf Kreativität?

Viele Jugendliche berichten mir, dass sie eigentlich weniger Zeit am Handy verbringen möchten. Gleichzeitig schaffen sie es kaum, die Geräte aus der Hand zu legen. Das ist kein Zeichen von Schwäche. Die großen Plattformen sind darauf ausgelegt, Aufmerksamkeit möglichst lange zu binden.

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Jugendliche kämpfen gegen ein ungleiches Spiel

Neurowissenschaftlich betrachtet befindet sich das Gehirn von Jugendlichen noch in der Entwicklung. Bereiche für Impulskontrolle, Planung und Selbststeuerung reifen bis ins junge Erwachsenenalter.

Gleichzeitig arbeiten soziale Medien mit Belohnungsmechanismen, die genau diese Schwachstellen ansprechen:

  • Likes
  • Push-Nachrichten
  • Endlos-Feeds
  • Kurzvideos
  • algorithmisch ausgewählte Inhalte

Jugendliche sollen sich also gegen Systeme behaupten, die von hochbezahlten Entwicklern bewusst darauf optimiert wurden, möglichst viel Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Das ist ungefähr so, als würde man einen Fahranfänger in einen Formel-1-Wagen setzen und ihm anschließend vorwerfen, er könne das Fahrzeug nicht perfekt kontrollieren.

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Verbote allein lösen nichts

Als Jugendcoach erlebe ich regelmäßig zwei Extreme. Auf der einen Seite stehen Eltern, die nahezu alles erlauben. Auf der anderen Seite Eltern, die mit immer neuen Verboten reagieren. Beides führt selten zum Ziel, denn Jugendliche brauchen Grenzen. Aber sie brauchen vor allem Orientierung.

Sie müssen verstehen:

  • Warum soziale Medien so faszinierend wirken.
  • Wie Manipulation durch Algorithmen funktioniert.
  • Warum Aufmerksamkeit eine wertvolle Ressource ist.
  • Weshalb echte Erfahrungen langfristig glücklicher machen als digitale Reize.

Medienkompetenz entsteht nicht durch App-Sperren. Sie entsteht durch Gespräche, Erfahrungen und Reflexion.

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Was Jugendliche stattdessen brauchen

In meinen Workshops fällt mir immer wieder etwas auf:

Wenn Jugendliche echte Erlebnisse haben, verliert das Smartphone erstaunlich schnell an Bedeutung.

Gemeinsames Kochen. Etwas bauen oder basteln. Sport. Mountainbike fahren. Boccia spielen. Eine Aufgabe übernehmen oder Verantwortung tragen.

Nicht weil das Handy verboten wäre, sondern weil das reale Leben plötzlich interessanter wird.

Das Smartphone ist oft kein Problem an sich. Es wird dort zum Problem, wo Jugendliche keine attraktiven Alternativen erleben.

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Die Verantwortung liegt nicht nur bei Familien – auch auch.

Eltern und Schulen tragen Verantwortung – auch die Jugendhilfe trägt diese mit.

Aber auch die Plattformbetreiber tragen Verantwortung. Wenn ein Geschäftsmodell darauf basiert, möglichst viel Aufmerksamkeit von Kindern und Jugendlichen zu binden, dann darf die Gesellschaft darüber diskutieren, welche Grenzen notwendig sind.

Kinderschutz endet nicht an der Haustür.

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Mein Fazit

Die aktuelle politische Debatte ist wichtig. Klare Regeln für Schulen können sinnvoll sein. Altersbeschränkungen sollten ernst genommen werden. Plattformen müssen stärker in die Verantwortung genommen werden.

Gleichzeitig dürfen wir nicht den Fehler machen zu glauben, dass sich das Problem allein durch Gesetze lösen lässt.

Jugendliche brauchen etwas, das stärker ist als das nächste Video.

Sie brauchen Beziehungen.
Sie brauchen Aufgaben.
Sie brauchen Herausforderungen.
Sie brauchen Sinn.

Denn dort, wo junge Menschen echte Erfahrungen machen, verliert die digitale Welt einen Teil ihrer Macht.

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Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, wie wir Jugendliche vom Smartphone wegbringen. Die entscheidende Frage lautet, wie wir sie wieder stärker für das reale Leben begeistern können.

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Warum echte Erfahrungen wichtiger sind als jedes Smartphone

Vergangene Woche fand wieder einer meiner Workshops mit Jugendlichen statt. Geplant war einiges: Social Media, Zukunftsplanung, vielleicht sogar ein Besuch im neuen Augsburger Bikepark. Doch wie so oft kam es anders. Und genau deshalb wurde der Tag ein voller Erfolg.

TikTok, Finanzen und eine überraschende Erkenntnis

Der Vormittag begann mit einem Gespräch über TikTok, Instagram und die Frage, warum soziale Medien so viel Aufmerksamkeit binden. Die Jugendlichen brachten ihre eigenen Erfahrungen ein, diskutierten über Trends und darüber, wie schnell man sich online mit anderen vergleicht.

Später wechselten wir das Thema. Es ging um Geld.

Ich fragte die Jugendlichen, was sie glauben, was ihre Eltern verdienen. Die Antworten waren teilweise erstaunlich hoch. Anschließend schauten wir gemeinsam auf durchschnittliche Einkommen und stellten diesen die typischen Ausgaben einer Familie gegenüber: Miete, Strom, Lebensmittel, Versicherungen, Auto, Kleidung und vieles mehr.

Nach und nach wurde es stiller und plötzlich entstand Verständnis.

Einige Jugendliche äußerten offen, dass sie nie darüber nachgedacht hätten, wie viele Kosten Eltern jeden Monat tragen müssen. Aus der anfänglichen Überraschung entwickelte sich etwas, das man nicht planen kann: Mitgefühl.

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Die besten Gespräche finden selten am Tisch statt

Zwischen den Themenblöcken wurde Federball gespielt. Später Boccia. Eigentlich nur als kleine Pause gedacht, doch gerade in diesen Momenten entstanden die besten Gespräche. Ohne Druck., ohne erhobenen Zeigefinger und ohne den Eindruck, dass jemand etwas lernen muss.

Viele Erwachsene unterschätzen, wie viel Entwicklung in scheinbar zweckfreien Momenten stattfindet. Jugendliche öffnen sich oft nicht, wenn man sie dazu auffordert. Sie öffnen sich, wenn sie sich wohlfühlen.

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Der Gögginger Bikepark musste warten

Eigentlich wollten wir anschließend zum neuen Bikepark fahren, doch dann passierte etwas Interessantes.

Die Jugendlichen hatten so viel Freude im Garten, dass niemand mehr weg wollte. Also blieben wir.

Wir gingen zum benachbarten Supermarkt, kauften frische Erdbeeren, Sahne und mehrere Eissorten. Wir machten gemeinsam Eisbecher. Nicht gekauft, sondern selbst zusammengestellt. Es wurde gelacht und diskutiert, welche Kombination die beste ist.

Manchmal besteht pädagogische Arbeit auch darin, einen guten Plan loszulassen, weil gerade etwas Besseres entsteht.

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Mut ist manchmal auch ein Sprung ins kalte Wasser

Zum Abschluss landeten einige Jugendliche noch im kalten Schäfflerbach. Dieser grenzt direkt an unseren Seminargarten. Er ist nicht besonders tief, aber dafür besonders kalt. Sehr kalt.

Es brauchte Überwindung. Erst sprang einer. Dann der nächste.

Was von außen wie ein Spaß aussieht, ist oft mehr. Jugendliche erleben dabei Selbstwirksamkeit. Sie merken, dass sie Ängste überwinden können. Dass sie Dinge schaffen, die sie sich vorher nicht zugetraut hätten.

Genau solche Erfahrungen bleiben oft länger in Erinnerung als jede theoretische Erklärung.

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Was Jugendliche wirklich brauchen

Wenn ich auf diesen Tag zurückblicke, denke ich nicht an Arbeitsblätter oder Lernziele. Ich denke an Jugendliche, die Verständnis für ihre Eltern entwickelt haben. An Gespräche beim Federball. An lautes Lachen. An selbst gemachte Eisbecher. An Gemeinschaft. Und an einen Sprung in einen kalten Bach.

Jugendliche brauchen nicht ständig neue Programme, Apps oder Unterhaltung. Sie brauchen echte Erfahrungen. Echte Begegnungen. Echte Gespräche.

Manchmal reicht dafür ein Garten, ein paar Spiele und Menschen, die sich Zeit nehmen.

Das klingt unspektakulär – ist es aber nicht.

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Der nächste Workshop findet Ende Juni statt. Mal sehen, was dann spontan passieren wird… 

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Wenn Medienkonsum beginnt, das Leben zu bestimmen

Die aktuelle DAK-Suchtstudie beschreibt eine Entwicklung, die viele Familien bereits seit Jahren im Alltag erleben. Hochgerechnet nutzen rund 1,5 Millionen junge Menschen soziale Medien problematisch. 6,6 Prozent der 10- bis 17-Jährigen gelten inzwischen sogar als süchtig beziehungsweise abhängig.

Die Zahlen wirken zunächst erschreckend und gleichzeitig überraschen sie viele Eltern vermutlich kaum noch, denn der problematische Medienkonsum beginnt selten plötzlich. Häufig entwickelt er sich schleichend, fast unbemerkt.

Das Smartphone wird immer selbstverständlicher zum Mittelpunkt des Alltags. Gespräche werden kürzer. Interessen außerhalb digitaler Inhalte nehmen ab. Freizeit verlagert sich zunehmend in virtuelle Räume.

Viele Eltern beschreiben dabei ein ähnliches Gefühl: Das eigene Kind ist körperlich anwesend, aber innerlich oft weit entfernt.

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Warum soziale Medien so schwer loszulassen sind

Soziale Medien funktionieren nicht zufällig so intensiv. Plattformen wie TikTok, Instagram oder YouTube arbeiten mit Mechanismen, die das menschliche Belohnungssystem dauerhaft aktivieren. Neue Videos, Likes, Nachrichten oder kurze emotionale Reize erzeugen immer wieder kleine Impulse im Gehirn.

Das Problem dabei ist weniger die einzelne Nutzung. Entscheidend ist die Dauer.

Jugendliche wachsen heute in einer Welt auf, die kaum noch echte Unterbrechung kennt. Selbst kurze Momente von Langeweile werden häufig sofort mit digitalen Inhalten gefüllt. Dadurch verändert sich langfristig auch die Fähigkeit, Ruhe auszuhalten, sich länger zu konzentrieren oder mit sich selbst alleine zu sein.

Genau das wird zunehmend sichtbar. Nicht nur zuhause, sondern auch in Schulen, Familien und im sozialen Miteinander.

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Wenn Medien zur emotionalen Flucht werden

Viele Jugendliche nutzen soziale Medien jedoch nicht nur aus Gewohnheit. Oft erfüllen sie auch eine emotionale Funktion. Digitale Welten bieten Ablenkung von Druck, Einsamkeit, Konflikten oder innerer Unsicherheit. Sie schaffen kurzfristig Unterhaltung, Nähe oder das Gefühl, Teil von etwas zu sein. Gerade Jugendliche, die sich im realen Leben orientierungslos oder emotional belastet fühlen, finden dort häufig einen schnellen Ausweg aus unangenehmen Gefühlen.

Das macht die Situation so komplex, denn hinter exzessivem Medienkonsum steckt nicht immer nur mangelnde Disziplin. Manchmal steckt dahinter auch Überforderung oder Leere.

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Woran Eltern problematischen Medienkonsum erkennen können

Viele Veränderungen beginnen schleichend. Jugendliche ziehen sich stärker zurück. Reaktionen auf Unterbrechungen werden gereizter. Schlafrhythmus, Konzentration oder Motivation verändern sich. Hobbys verlieren an Bedeutung. Gespräche innerhalb der Familie werden schwieriger. Gleichzeitig entsteht oft eine starke emotionale Bindung an das Smartphone.

Nicht jede intensive Nutzung bedeutet automatisch eine Abhängigkeit, aber wenn digitale Medien zunehmend den Platz realer Erfahrungen ersetzen, lohnt sich ein genauerer Blick. Vor allem dann, wenn Jugendliche kaum noch Interesse an Dingen entwickeln, die früher selbstverständlich waren.

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Jugendliche brauchen wieder mehr Wirklichkeit

Die Lösung liegt dabei selten nur in Verboten. Jugendliche brauchen Orientierung, Grenzen und klare Regeln. Gleichzeitig brauchen sie aber auch echte Alternativen. Beziehung. Erfahrungen. Aufgaben. Begegnungen. Situationen, in denen sie sich selbst außerhalb digitaler Dauerreize erleben können.

Viele Jugendliche wirken erstaunlich verändert, sobald wieder mehr Wirklichkeit in ihren Alltag zurückkehrt. Mehr Bewegung. Mehr Natur. Mehr echte Gespräche. Mehr Verantwortung.

Vielleicht liegt genau darin eine der großen Herausforderungen unserer Zeit. Jugendlichen wieder Räume zu ermöglichen, in denen sie sich selbst wirklich spüren können, denn viele junge Menschen konsumieren heute permanent Inhalte, aber sie erleben sich selbst immer seltener als aktiv handelnde Person.

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