Es ist eine gute Nachricht, wenn neue Beratungsangebote für Kinder und Jugendliche geschaffen werden. Jeder zusätzliche Ansprechpartner kann im richtigen Moment einen entscheidenden Unterschied machen. Wer sich traut, Hilfe zu suchen, verdient schnelle, unkomplizierte und niedrigschwellige Unterstützung.

Doch genau hier beginnt ein Problem, das wir in Deutschland immer wieder beobachten: Viele Hilfsangebote werden aus der Perspektive von Erwachsenen entwickelt – nicht aus der Perspektive der Kinder und Jugendlichen, für die sie eigentlich gedacht sind.

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Eine Telefonnummer, die sich kaum jemand merken kann

Die beworbene Telefonnummer lautet: 0800 8888 004

Natürlich kann man argumentieren, dass man heute Telefonnummern einfach im Smartphone abspeichert oder im Internet nachschlägt. Doch diese Argumentation greift zu kurz. Kinder und Jugendliche befinden sich häufig in emotionalen Ausnahmesituationen. Wer Angst hat, Gewalt erlebt oder verzweifelt ist, denkt nicht rational darüber nach, wo die Nummer gespeichert ist. In solchen Momenten zählt jede Sekunde.

Deshalb sind leicht einprägsame Telefonnummern so wichtig.

Ein Grund, warum beispielsweise der Notruf 112 oder die Nummer gegen Kummer 116 111 so bekannt geworden sind, liegt gerade in ihrer Einfachheit.

Eine Nummer wie 0800 8888 004 bleibt dagegen kaum im Gedächtnis.

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Die Erreichbarkeit geht an der Lebensrealität vorbei

Noch kritischer sehe ich allerdings die angegebenen Beratungszeiten:

  • Montag bis Donnerstag: 9–12 Uhr und 13–16 Uhr
  • Freitag: 9–12 Uhr

Genau dann befinden sich Kinder und Jugendliche in der Regel in der Schule. Natürlich gibt es Ausnahmen. Manche können auch während der Schulzeit telefonieren oder wenden sich zunächst an Lehrkräfte oder Schulsozialarbeit.

Trotzdem stellt sich eine berechtigte Frage: Warum richtet sich ein Angebot für Kinder überwiegend nach klassischen Bürozeiten?

Gerade Jugendliche öffnen sich häufig erst am Nachmittag oder Abend. Viele Krisen entstehen nach der Schule, wenn Konflikte zu Hause eskalieren, Mobbing in sozialen Medien zunimmt oder Einsamkeit besonders spürbar wird.

Wer dann Hilfe sucht, sollte nicht bis zum nächsten Werktag warten müssen.

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Niedrigschwellig bedeutet mehr als kostenlos

In der Jugendhilfe sprechen wir oft von niedrigschwelligen Angeboten.

Doch niedrigschwellig bedeutet nicht nur:

  • kostenlos
  • vertraulich
  • anonym

Es bedeutet auch:

  • leicht auffindbar
  • leicht merkbar
  • zu den Zeiten erreichbar, in denen junge Menschen tatsächlich Hilfe benötigen.

Ein Hilfsangebot kann fachlich hervorragend sein und trotzdem an Wirkung verlieren, wenn der Zugang unnötig kompliziert ist.

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Kinder brauchen Angebote, die für sie gemacht sind

Seit über 25 Jahren arbeite ich mit Jugendlichen in Krisensituationen. Ich erlebe immer wieder: Jugendliche holen sich Hilfe selten dann, wenn Erwachsene glauben, dass der richtige Zeitpunkt wäre. Sie melden sich oft spontan.

Abends, am Wochenende, nach einem Streit, nach einer Trennung, nach einer schlechten Nachricht oder mitten in einer schlaflosen Nacht. Genau dann entscheidet sich häufig, ob jemand Unterstützung erhält – oder wieder aufgibt.

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Mein Wunsch an die Verantwortlichen

Ich wünsche mir Hilfsangebote, die konsequent aus Sicht der Zielgruppe gedacht werden.

Dazu gehören beispielsweise:

  • eine Telefonnummer, die jedes Kind nach einmaligem Lesen behalten kann,
  • deutlich längere Erreichbarkeitszeiten am Nachmittag und Abend,
  • ergänzende Chat- und Messenger-Angebote,
  • eine Kommunikation, die Jugendliche direkt anspricht.

Denn Hilfe muss nicht nur vorhanden sein.

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Sie muss genau dann erreichbar sein, wenn junge Menschen den Mut finden, danach zu fragen.