Vergangene Woche fand wieder einer meiner Workshops mit Jugendlichen statt. Geplant war einiges: Social Media, Zukunftsplanung, vielleicht sogar ein Besuch im neuen Augsburger Bikepark. Doch wie so oft kam es anders. Und genau deshalb wurde der Tag ein voller Erfolg.
TikTok, Finanzen und eine überraschende Erkenntnis
Der Vormittag begann mit einem Gespräch über TikTok, Instagram und die Frage, warum soziale Medien so viel Aufmerksamkeit binden. Die Jugendlichen brachten ihre eigenen Erfahrungen ein, diskutierten über Trends und darüber, wie schnell man sich online mit anderen vergleicht.
Später wechselten wir das Thema. Es ging um Geld.
Ich fragte die Jugendlichen, was sie glauben, was ihre Eltern verdienen. Die Antworten waren teilweise erstaunlich hoch. Anschließend schauten wir gemeinsam auf durchschnittliche Einkommen und stellten diesen die typischen Ausgaben einer Familie gegenüber: Miete, Strom, Lebensmittel, Versicherungen, Auto, Kleidung und vieles mehr.
Nach und nach wurde es stiller und plötzlich entstand Verständnis.
Einige Jugendliche äußerten offen, dass sie nie darüber nachgedacht hätten, wie viele Kosten Eltern jeden Monat tragen müssen. Aus der anfänglichen Überraschung entwickelte sich etwas, das man nicht planen kann: Mitgefühl.
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Die besten Gespräche finden selten am Tisch statt
Zwischen den Themenblöcken wurde Federball gespielt. Später Boccia. Eigentlich nur als kleine Pause gedacht, doch gerade in diesen Momenten entstanden die besten Gespräche. Ohne Druck., ohne erhobenen Zeigefinger und ohne den Eindruck, dass jemand etwas lernen muss.
Viele Erwachsene unterschätzen, wie viel Entwicklung in scheinbar zweckfreien Momenten stattfindet. Jugendliche öffnen sich oft nicht, wenn man sie dazu auffordert. Sie öffnen sich, wenn sie sich wohlfühlen.
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Der Gögginger Bikepark musste warten
Eigentlich wollten wir anschließend zum neuen Bikepark fahren, doch dann passierte etwas Interessantes.
Die Jugendlichen hatten so viel Freude im Garten, dass niemand mehr weg wollte. Also blieben wir.
Wir gingen zum benachbarten Supermarkt, kauften frische Erdbeeren, Sahne und mehrere Eissorten. Wir machten gemeinsam Eisbecher. Nicht gekauft, sondern selbst zusammengestellt. Es wurde gelacht und diskutiert, welche Kombination die beste ist.
Manchmal besteht pädagogische Arbeit auch darin, einen guten Plan loszulassen, weil gerade etwas Besseres entsteht.
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Mut ist manchmal auch ein Sprung ins kalte Wasser
Zum Abschluss landeten einige Jugendliche noch im kalten Schäfflerbach. Dieser grenzt direkt an unseren Seminargarten. Er ist nicht besonders tief, aber dafür besonders kalt. Sehr kalt.
Es brauchte Überwindung. Erst sprang einer. Dann der nächste.
Was von außen wie ein Spaß aussieht, ist oft mehr. Jugendliche erleben dabei Selbstwirksamkeit. Sie merken, dass sie Ängste überwinden können. Dass sie Dinge schaffen, die sie sich vorher nicht zugetraut hätten.
Genau solche Erfahrungen bleiben oft länger in Erinnerung als jede theoretische Erklärung.
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Was Jugendliche wirklich brauchen
Wenn ich auf diesen Tag zurückblicke, denke ich nicht an Arbeitsblätter oder Lernziele. Ich denke an Jugendliche, die Verständnis für ihre Eltern entwickelt haben. An Gespräche beim Federball. An lautes Lachen. An selbst gemachte Eisbecher. An Gemeinschaft. Und an einen Sprung in einen kalten Bach.
Jugendliche brauchen nicht ständig neue Programme, Apps oder Unterhaltung. Sie brauchen echte Erfahrungen. Echte Begegnungen. Echte Gespräche.
Manchmal reicht dafür ein Garten, ein paar Spiele und Menschen, die sich Zeit nehmen.
Das klingt unspektakulär – ist es aber nicht.
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Der nächste Workshop findet Ende Juni statt. Mal sehen, was dann spontan passieren wird…
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