Als ich vor einigen Tagen einen Beitrag der Zeitschrift Spiegel über neue synthetische Drogen gesehen habe, blieb ich an einem Satz hängen:

„Es war noch nie so gefährlich, Drogen zu nehmen.“

Das klingt zunächst wie eine weitere Warnung, wie wir sie seit Jahrzehnten kennen. Doch wer sich die aktuellen Zahlen und Entwicklungen genauer anschaut, erkennt: Diesmal ist tatsächlich etwas anders.

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Die neue Gefahr ist unsichtbar

Viele Jugendliche verbinden Drogen mit klaren Bildern: Cannabis, Alkohol, Kokain oder Ecstasy. Sie glauben häufig, einschätzen zu können, was sie konsumieren. Genau das wird zunehmend zur tödlichen Falle.

Immer häufiger tauchen in Deutschland sogenannte synthetische Opioide auf. Dazu gehören insbesondere die sogenannten Nitazene. Diese Stoffe wurden ursprünglich als Schmerzmittel erforscht, kamen aber wegen ihrer extremen Gefährlichkeit nie regulär auf den Markt.

Sie werden heute illegal hergestellt und gelangen als Beimischung in andere Substanzen.

  • in vermeintliche Ecstasy-Tabletten,
  • in Kokain,
  • in gefälschte Medikamente,
  • in Heroin,
  • teilweise sogar in Vapes.

Die Konsumierenden wissen häufig nicht, was sie tatsächlich einnehmen.

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Eine salzkorngroße Menge kann tödlich sein

Besonders erschreckend ist die enorme Wirkstärke dieser Stoffe. Einige Nitazene wirken bis zu 1.000-mal stärker als Morphin. Bereits eine winzige Menge – vergleichbar mit einem Salzkorn – kann für einen Menschen ohne entsprechende Toleranz tödlich sein.

Das bedeutet: Frühere Erfahrungen bieten keine Sicherheit mehr. Der Jugendliche, der „nur einmal ausprobieren“ möchte, kann heute eine völlig andere Substanz erhalten als die Person vor wenigen Jahren.

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Die Zahlen aus Deutschland sind alarmierend

Die offiziellen Zahlen zeigen die Entwicklung deutlich:

  • 2.137 Menschen starben im Jahr 2024 in Deutschland an den Folgen illegaler Drogen.
  • Damit bleibt die Zahl der Drogentoten auf einem historisch sehr hohen Niveau.
  • Besonders besorgniserregend ist der Anstieg der Todesfälle bei unter 30-Jährigen um 14 Prozent.
  • In den meisten Fällen lag ein Mischkonsum verschiedener Substanzen vor.

Bundesdrogenbeauftragter Hendrik Streeck warnte deshalb:

„Wir müssen schneller, systematischer und konsequenter reagieren auf neue, immer gefährlichere Drogen.“

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Die eigentliche Botschaft für Jugendliche

Wenn ich mit Jugendlichen arbeite, begegnet mir oft folgende Haltung: „Ich würde niemals Heroin nehmen.“

Das Problem ist: Viele der Betroffenen glauben genau das von sich selbst.

Sie nehmen keine bewusste Entscheidung für Heroin oder synthetische Opioide. Sie konsumieren etwas, das ihnen als Ecstasy, Schmerzmittel oder Vape verkauft wurde.

Die Grenze zwischen „Ausprobieren“ und einer lebensbedrohlichen Situation ist dadurch deutlich kleiner geworden. Es geht deshalb nicht mehr nur um die Frage: „Welche Droge nehme ich?“, sondern vielmehr:„Kann ich überhaupt sicher wissen, was ich gerade konsumiere?“

Die ehrliche Antwort lautet heute: Nein.

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Was Eltern tun können

Viele Eltern reagieren auf dieses Thema mit Angst oder Verboten. Verständlich – aber selten ausreichend. Hilfreicher sind offene Gespräche.

1. Nicht moralisieren

Jugendliche schalten ab, wenn sie ausschließlich Vorwürfe hören.

Fragen wie:

  • „Was weißt du darüber?“
  • „Was erzählen deine Freunde?“
  • „Wie würdest du reagieren, wenn jemand dir etwas anbietet?“

öffnen häufig Türen.

2. Fakten statt Panik

Jugendliche respektieren Ehrlichkeit. Zu sagen: „Früher waren Drogen gefährlich. Heute weiß man oft nicht einmal mehr, was tatsächlich enthalten ist.“ ist glaubwürdiger als allgemeine Abschreckung.

3. Beziehung bleibt die beste Prävention

Die stärksten Schutzfaktoren sind nicht perfekte Regeln.

Es sind:

  • verlässliche Beziehungen,
  • Interesse am Leben des Jugendlichen,
  • gemeinsame Zeit,
  • die Erfahrung, mit Sorgen ernst genommen zu werden.

Wer zu Hause reden kann, muss Risiken außerhalb weniger allein bewältigen.

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Meine Erfahrung als Jugendcoach

In den letzten 25 Jahren habe ich viele Jugendliche begleitet, die Grenzen austesten wollten.

Die meisten wollten nicht „abstürzen“. Sie wollten dazugehören, Neugierig sein, Stress vergessen. Nicht ausgeschlossen werden. Kaum jemand denkt: „Heute gefährde ich mein Leben.“ Und genau deshalb braucht dieses Thema unsere Aufmerksamkeit.

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Mein Fazit

Die größte Veränderung unserer Zeit besteht nicht darin, dass Jugendliche plötzlich risikofreudiger geworden sind. Die Veränderung liegt im Markt selbst. Drogen sind heute unberechenbarer, stärker und oft unsichtbar vermischt. Deshalb lautet die wichtigste Botschaft an Jugendliche: Die sicherste Entscheidung ist nicht, vorsichtiger zu konsumieren – sondern gar nicht erst zu konsumieren.

Und die wichtigste Botschaft an Eltern: Bleiben Sie im Gespräch. Nicht erst dann, wenn etwas passiert ist. Denn Aufklärung, Beziehung und Vertrauen sind noch immer die wirksamsten Formen der Prävention.

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Quellen: Bericht des Bundesdrogenbeauftragten 2025 zu den Drogentodesfällen 2024 sowie aktuelle Berichterstattung zu synthetischen Opioiden und Nitazenen.