Und täglich grüßt das Murmeltier
Viele Eltern kennen die Situation: Das Kind sitzt bei den Hausaufgaben – und ist ständig in Bewegung.
Wippen, drehen, aufstehen, zappeln.
Die schnelle Bewertung ist oft klar: „Mein Kind kann sich einfach nicht konzentrieren.“
Doch genau hier beginnt ein Denkfehler.
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Was aktuelle Forschung wirklich zeigt
Eine viel zitierte Studie der University of Central Florida (Rapport et al., 2009) kommt zu einem überraschenden Ergebnis:
Die motorische Unruhe bei Kindern mit ADHS ist keine reine Störung, sondern steht direkt im Zusammenhang mit kognitiver Leistung.
Die Forscher untersuchten, ob die Aktivität von Kindern mit ADHS mit den Anforderungen des Arbeitsgedächtnisses zusammenhängt.
Das Ergebnis:
- Je höher die kognitive Anforderung
- desto mehr Bewegung zeigten die Kinder
- und: diese Bewegung war funktional
Fazit: Bewegung hilft, die geistige Leistung aufrechtzuerhalten.
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ADHS ist kein Aufmerksamkeitsproblem – sondern ein Regulationsproblem
Viele Studien zeigen: Kinder mit ADHS haben keine generelle Aufmerksamkeitsunfähigkeit, sondern Schwierigkeiten in der Selbststeuerung.
Ein zentraler Punkt dabei ist das Arbeitsgedächtnis:
- Es steuert Denken, Planen, Problemlösen
- Bei ADHS ist es häufig eingeschränkt
Das bedeutet: Das Gehirn braucht mehr „Hilfsstrategien“, um Leistung zu stabilisieren.
Und eine dieser Strategien ist Bewegung.
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Was viele falsch verstehen
Der oft verbreitete Satz: „Bewegung ist keine Ablenkung, sondern immer gut“ … ist zu einfach.
Richtig ist: Bewegung kann eine kompensatorische Strategie sein. Sie ist aber kein Allheilmittel!
Entscheidend ist immer:
Welche Aufgabe liegt vor?
- einfache, passive Inhalte → weniger Bewegung nötig
- komplexe, anstrengende Aufgaben → mehr Bewegung notwendig
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Was das für Eltern konkret bedeutet
Hier wird es entscheidend und hier trennt sich Fachlichkeit von „Instagram-Meinungen“:
1. Bewegung nicht sofort unterbinden
Wenn Ihr Kind sich bewegt, heißt das nicht automatisch: „Es ist unkonzentriert“
Sondern oft: „Es versucht gerade, sich zu konzentrieren“
Das heißt für Sie: Beobachten Sie zuerst – statt sofort zu korrigieren.
2. Bewegung gezielt erlauben (statt Chaos zuzulassen)
Nicht jede Bewegung ist hilfreich, aber gezielte Bewegung kann enorm unterstützen:
Sinnvolle Optionen: Wackelkissen / Stehschreibtisch. Knetball / leiser Gegenstand in der Hand. Lernen im Gehen (z. B. Vokabeln laufen)
3. Aufgabenstruktur anpassen
Kinder mit ADHS scheitern oft nicht an Intelligenz, sondern an der kognitiven Überforderung.
Deshalb: Aufgaben in kleine Schritte zerlegen, klare Start- und Endpunkte setzen und visuelle Struktur nutzen
4. Erwartungshaltung überprüfen
Viele Konflikte entstehen nicht durch das Kind, sondern durch unrealistische Erwartungen, wie:
„Sitz still und konzentrier dich!“ Viel besser wäre: „Finde deinen Weg, konzentriert zu bleiben.“
5. Beziehung vor Kontrolle
Aus Ihrem Elternsein wissen Sie eh schon: Veränderung entsteht nicht durch Druck, sondern durch Beziehung.
Kinder mit ADHS erleben oft Kritik, Korrektur und Frustration.
Was sie jedoch brauchen ist Verständnis, Klarheit und Führung ohne Abwertung!
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Zusammenfassung
ADHS ist kein „Defizit an Aufmerksamkeit“ im klassischen Sinne.
Es ist eine andere Art der Selbstregulation und Bewegung ist dabei oft kein Problem, sondern Teil der Lösung.
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ADHS-Coaching seit 2005
Wenn Sie merken, dass Sie das Verhalten Ihres Kindes im Alltag überfordert, begleite ich Sie gerne im Rahmen meines Elterncoachings.
Termine sind über den Kalender auf der Website buchbar.